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Bis zu 45% Zuschuss für die neue Heizung: Förderexperte im Interview

Zum Jahreswechsel 2020 wurden die staatlichen Förderprogramme für Heizungen grundlegend geändert und die Summen kräftig erhöht. Wir haben mit dem Fördermittel-Spezialisten Martin Kutschka von febis darüber gesprochen, was Bauherren und Sanierer wissen müssen, um von der neuen Förderung zu profitieren.

Förderexperte Interview: Martin Kutschka von febis Fördermittelservice

Martin Kutschka ist Vertriebsleiter der febis Service GmbH – ein Informationsdienstleister, der Hauseigentümer und Bauherren, die Wohnungswirtschaft, Kommunen und Gewerbe zu Fördermöglichkeiten beim energetischen Bauen und Sanieren berät.

„Dein Heizungsbauer“: Wann lohnt sich eine Förderung?

Die Förderung zielt generell auf den Umstieg auf Erneuerbare-Energien-Heizungen sowie innovative Heiztechnik und die dafür notwendigen Maßnahmen ab. Schließlich ist eine neue Heizung eine langfristige Investition. Hier sollte man ohnehin kein Potenzial verschenken. Förderungen gibt es sowohl bei einer Heizungsmodernisierung als auch im Neubau.

Auch Optimierungsmaßnahmen zur Verbesserung bestehender Heizsysteme werden gefördert. Eine Förderung lohnt sich also in jedem Fall, belohnt wird man zusätzlich Jahr für Jahr durch niedrige Heizkosten.

„Dein Heizungsbauer“: Welche Fördermöglichkeiten gibt es im Überblick?

Seit Jahresbeginn hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) viele der Heizungsförderungen im Marktanreizprogramm gebündelt. Das BAFA fördert Gas-Hybridheizungen, Solarthermie, Wärmepumpen, Holzheiztechnik und die Heizungsoptimierung. Die KfW fördert die Brennstoffzelle, Anschlüsse an ein Nah- oder Fernwärmenetz, Optimierungen vorhandener Heizungen aber auch Fenster sowie Dämmmaßnahmen.

Interessant wird es, ob neben der staatlichen Förderung noch weitere Programme in Frage kommen. Viele Landesprogramme oder regionale Förderungen von Landkreisen, Kommunen und Energieversorgern können zusätzlich genutzt werden.

„Dein Heizungsbauer“: Wie hoch sind die Erfolgsaussichten, dass Förderungen für Maßnahmen im Altbau genehmigt werden?

Wer sich bei der Modernisierung für eine moderne und zukunftsfähige Heizung entscheidet, kann grundsätzlich mit einer Förderung rechnen.

Neu seit Jahresbeginn ist, dass die BAFA-Förderung als prozentualer Anteil an den tatsächlich entstehenden Kosten ausgezahlt wird. Gas-Hybridheizungen und Solarthermie werden mit 30% gefördert, Erneuerbare Energien-Heizungen wie die Wärmepumpe mit 35%. Auch die alte Heizung spielt eine Rolle bei der Entscheidung, ob es Förderung gibt und wie viel. Bei Ausbau einer alten Ölheizung und Einbau einer förderfähigen umweltfreundlichen Heizung erhöht sich die Förderung um 10%.

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Ebenfalls neu ist, dass im Fall der Heizungsmodernisierung nicht nur die Kosten für den Wärmeerzeuger bezuschusst werden. Anrechenbar sind nun alle Kosten für Technik, Material, Handwerkerleistungen und Umfeldmaßnahmen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Heizungserneuerung stehen.

 „Dein Heizungsbauer“: Sind die Voraussetzungen für eine Förderung für die meisten Projekte unrealistisch hoch?

Nein, gerade im Bereich der Heizungsmodernisierung ist der überwiegende Teil aller Maßnahmen förderfähig. Um die technischen Details kümmert sich in der Regel der Heizungsbauer.

Wichtig für Bauherren und Hauseigentümer ist es vor allem, sich an die Termine und Fristen zu halten. So muss der Förderantrag unbedingt vor Auftragsvergabe an den Heizungsbauer und vor Start der Maßnahmen zum Heizungseinbau gestellt werden.

Im Fall einer Heizungsmodernisierung sollte geklärt werden, ob die Heizung schon länger als 30 Jahre in Betrieb ist und somit unter die gesetzliche Austauschpflicht nach EnEV fallen könnte. Danach richten sich die möglichen Förderoptionen und die Höhe der Förderung.

„Dein Heizungsbauer“: Warum können Förderungen nicht nachträglich beantragt werden?

Sicher sieht der Fördergeber im Vorfeld bessere Möglichkeiten, durch die Fördervoraussetzungen die Anlage zu einem optimierten Wirkungsgrad zu führen, als im Nachgang festzustellen, was alles nicht umgesetzt wurde. Schließlich stellen Bund und Länder die Fördergelder bereit, um durch die Modernisierung alter Heizungen so viel CO2 wie möglich einzusparen und damit die eigenen Klimaziele und die der EU zu erreichen.

Gerade der Förderantrag vor Auftragsvergabe macht es für die Betriebe und die Verbraucher allerdings noch komplizierter. Immerhin, wer die rechtzeitige Antragstellung verpasst hat, bekommt seit diesem Jahr eine Alternative. Einen Teil der Kosten für die energetische Sanierung können private Eigentümer auch über das Finanzamt zurückholen.

Bei Einzelmaßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung sind 20% der Aufwendungen (max. 40.000 Euro pro Wohnobjekt), verteilt über drei Jahre, steuerlich abzugsfähig. Der Abzug erfolgt von der individuellen Steuerschuld im Rahmen der Einkommenssteuererklärung.

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„Dein Heizungsbauer“: Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass die Fördermöglichkeiten nicht voll genutzt werden?

Viele der Sanierer und Bauherren nehmen keine Förderung in Anspruch. Eine Heizungsmodernisierung wird selten langfristig geplant. Zumeist gibt ein Heizungsausfall Anlass schnell zu handeln. Da bleibt wenig Zeit, sich im Vorfeld über Fördermöglichkeiten zu informieren und diese auch noch rechtzeitig zu beantragen.

Zudem: Nur wenige der über 50.000 Heizungsinstallateure in Deutschland weisen ihre Kunden auf die mögliche Förderung hin. Der Installateur ist der erste Ansprechpartner des Verbrauchers. Er ist im Moment dank gut gefüllter Auftragsbücher nicht auf die Förderung angewiesen und hat daher keine Zeit und keinen Grund, sich mit dem komplexen Thema auseinandersetzen.

„Dein Heizungsbauer“: Kann ich mir auch mit wenig Budget eine Modernisierung leisten, die gefördert wird?

Eine bestehende Heizanlage, die mindestens zwei Jahre in Betrieb ist, können Sie mit einem dreißigprozentigen Zuschuss über das BAFA optimieren. Sie müssen also nicht immer eine komplett neue Heizung einbauen, um Förderung zu nutzen –
der Einbau hocheffizienter Pumpen oder der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage senken spürbar die Heizkosten.

Leider gibt es keine einkommensabhängige Förderung — denn Studien besagen, dass es zirka drei bis vier Millionen Hausbesitzer gibt, deren Nettohaushaltseinkommen keine Investition in Energieeffizienz zulässt.

„Dein Heizungsbauer“: Kann es passieren, dass ich die Fördersumme bereits erhalten habe, die energetischen Anforderungen letztlich aber doch nicht erfülle?

Sowohl beim BAFA als auch bei der KfW wird die Förderung nur ausgezahlt, wenn die Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Dazu müssen nach Umsetzung und Inbetriebnahme der neuen Heizung bestimmte Nachweise zur Prüfung eingereicht werden, zum Beispiel

  • die Schlussrechnung vom Heizungsbauer,
  • die Fachunternehmererklärung
  • und die technischen Dokumentation (VDZ-Formular).
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„Dein Heizungsbauer“: Kritiker denken, dass die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) und auch die im neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) geschätzten Einsparpotenziale durch energetische Sanierung in Realität geringer ausfallen. Wie sehen Sie das?

Ich kann nur von meiner eigenen Sanierung sprechen: Ich habe einen Altbau, Baujahr 1955, in ein KfW 70 Haus verwandelt. Der Erdgasverbrauch sank von 55.000 kWh auf 18.000 kWh, was einer Reduktion von nahezu zwei Dritteln entspricht.

Natürlich sollte der Nutzer richtig lüften und in der Heizperiode nicht permanent gegen gekippte Fenster anheizen — dann nutzt die beste Gebäudehülle nichts. Eine Wohnraumlüftung mit Wärmetauscher kann sinnvoll sein.

„Dein Heizungsbauer“: Haben Sie neben der Förderung für eine energetische Altbausanierung weitere Förderanträge gestellt? Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen?

Ja, ich habe schon diverse Förderungen beantragt, neben der angesprochenen energetischen Altbausanierung (KfW 70 Effizienzhausförderung), beim BAFA solare Heizungsunterstützung, EEG 4 kW Peak PV Anlage, BHKW BAFA, Neubau KfW Effizienzhaus 40, ein barrierefreies Bad für die Eltern (KfW 455) und für E-Mobil-Ladeinfrastruktur (BMV).

Die Herausforderung war für mich persönlich nicht groß, da ich mich intensiv mit diesen Themen beschäftige. Aus Sicht der Verbraucher, die sich selten mit solchen Dingen auseinandersetzen, gibt es sicher viele Zugangsbarrieren. Mehrstufige Onlineverfahren treffen zum Teil auf ältere, aber dennoch investitionswillige Hausbesitzer, die Programme sind zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut und nicht gerade selbsterklärend.

„Dein Heizungsbauer“: Können Sie unseren Lesern Tipps geben, die sie bei einem Förderantrag unbedingt beachten sollten?

Am besten nutzt man direkt den WOLF Förderservice samt Beratungshotline. Außerdem gibt es auch noch eine kostenlose Fördermitteldatenbank. Die Auskunft ist vollständig bis auf Gemeindeebene inklusive Energieversorger, benennt die Anforderungen, geförderte Zielgruppe, Gebäude und Fördersummen.

Steht die Entscheidung zur Umsetzung einer Maßnahme fest, unterstützt der WOLF Förderservice bei der Beantragung und umschifft die bürokratischen Hürden.

„Dein Heizungsbauer“: Was sind die ersten Schritte, wenn ich mich für eine Förderung interessiere?

Nach der Eingabe der Maßnahme und der Postleitzahl können Sie die Förderprogramme abfragen. Da nicht alle Programme miteinander zu verknüpfen sind, haben wir mit dem Förderservice eine Dienstleistung geschaffen, die die maximal mögliche Fördersumme für einen Fixpreis von 199 Euro zuzüglich 33 Euro Vollmacht beantragt.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Kutschka!

 

1 ImmobilienScout24: Warum Bauherren keine Zuschüsse bekommen

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