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Hälfte der Bauherren verschenkt Geld bei Förderung: Experte im Interview

Laut einer Onlinebefragung aus dem Jahr 2015 haben mehr als die Hälfte aller Bauherren beim Bauen oder Kaufen einer Immobilie keine Förderung genutzt.1 Wir haben mit dem Fördermittel-Spezialisten Martin Kutschka von febis über die Möglichkeiten für Bauherren und Sanierer gesprochen und decken die Potenziale auf.

Förderexperte Interview: Martin Kutschka von febis Fördermittelservice

Martin Kutschka ist Vertriebsleiter der febis Service GmbH – ein Informationsdienstleister, der Hauseigentümer und Bauherren, die Wohnungswirtschaft, Kommunen und Gewerbe zu Fördermöglichkeiten beim energetischen Bauen und Sanieren berät.

“Dein Heizungsbauer“: Sind die Voraussetzungen für eine Förderung für die meisten Projekte unrealistisch hoch?

Nein, gerade im Bereich der Heizungsmodernisierung ist der überwiegende Teil aller Maßnahmen förderfähig. Gasbrennwertheizungen werden zum Beispiel nur in den Immobilien nicht gefördert, deren Bauantrag nach dem 1. Februar 2002 gestellt wurde. Da der deutsche Gebäudebestand jedoch überwiegend davor errichtet wurde, sind im Bereich der Brennwerttechnik nahezu alle Heizanlagen förderfähig, aber nur 6% stellen einen Antrag auf Förderung.

“Dein Heizungsbauer“: Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass die Fördermöglichkeiten nicht voll genutzt werden?

Die Verbraucher sind unzureichend informiert, die vorhandenen Fördertöpfe werden nicht gut genug vermarktet. Nur wenige der über 50.000 Heizungsinstallateure in Deutschland weisen ihre Kunden auf die Förderung hin. Der Installateur ist der erste Ansprechpartner des Verbrauchers. Er ist im Moment dank gut gefüllter Auftragsbücher nicht auf die Förderung angewiesen und hat daher keine Zeit und keinen Grund, sich mit dem komplexen Thema auseinandersetzen.

“Dein Heizungsbauer“: Wann lohnt sich eine Förderung?

Die Förderung zielt generell auf effiziente Heizanlagen und die dafür notwendigen Maßnahmen ab. Schließlich ist eine neue Heizung eine langfristige Investition. Hier sollte man ohnehin kein Potenzial verschenken. Ähnliches gilt bei der Förderung für Wärmepumpen. Ihre Effizienz bestimmt die Fördermöglichkeiten.

Optimierungsmaßnahmen am Heizsystem werden übrigens besonders gefördert. Eine Förderung lohnt sich also in jedem Fall, belohnt wird man zusätzlich Jahr für Jahr durch niedrige Heizkosten.

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“Dein Heizungsbauer“: Kann ich mir auch mit wenig Budget eine Modernisierung leisten, die gefördert wird?

Eine bestehende Heizanlage, die mindestens zwei Jahre in Betrieb ist, können Sie mit einem dreißigprozentigen Zuschuss über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) optimieren. Sie müssen also nicht immer eine komplett neue Heizung einbauen, um Förderung zu nutzen.

Leider gibt es keine einkommensabhängige Förderung – denn Studien besagen, dass es zirka drei bis vier Millionen Hausbesitzer gibt, deren Nettohaushaltseinkommen keine Investition in Energieeffizienz zulässt.

“Dein Heizungsbauer“: Wie hoch sind die Erfolgsaussichten, dass Förderungen für Maßnahmen im Altbau genehmigt werden?

Besitzen Sie ein Wohngebäude, das vor dem 1. Februar 2002 errichtet wurde (Bauantrag), ist darin grundsätzlich jede Form von Heiztechnik förderfähig. Neubauten sind über die Energieeinsparverordnung (EnEV) reguliert. Hier gibt es eine Förderung für Brennstoffzellen, Wärmepumpen und großer Solarthermie, aber nicht für Brennwerttechnik.

“Dein Heizungsbauer“: Warum können Förderungen nicht nachträglich beantragt werden?

Bis zum 1. Januar 2018 war beim BAFA ein nachträglicher Antrag möglich. Inzwischen verlangen nahezu alle Förderprogramme die Antragstellung vor Maßnahmenbeginn. Das BAFA und die KfW sind mit dem Programm 433 und der Förderung einer Brennstoffzelle in dieser Hinsicht besonders streng. Hier darf noch nicht einmal der Auftrag geschrieben sein, bevor der Förderantrag gestellt wird.

Das macht es noch komplizierter für die Betriebe und die Verbraucher. Sicher sieht der Fördergeber im Vorfeld bessere Möglichkeiten, durch die Fördervoraussetzungen die Anlage zu einem optimierten Wirkungsgrad zu führen, als im Nachgang festzustellen, was alles nicht umgesetzt wurde.

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“Dein Heizungsbauer“: Wann sollte ich eine KfW-Förderung und wann eine BAFA-Förderung für mein Heizsystem in Erwägung ziehen?

Das BAFA und die KfW haben die zu fördernden Techniken aufgeteilt. Das BAFA fördert Solarthermie, Wärmepumpen, Holzheiztechnik und die Heizungsoptimierung. Die KfW fördert Brennwerttechniken mit Gas und Öl, die Brennstoffzelle, Fenster sowie Dämmmaßnahmen.

Insofern gibt es keine freie Wahl des Fördergebers. Zusätzlich zu den Bundesprogrammen gibt es noch Landesprogramme (zum Beispiel „10.000-Häuser-Programm“, „progres.nrw“ etc.) und zahlreiche Förderungen von Kommunen und Energieversorgern mit zirka 800 Programmen, die die Brennwerttechnik fördern.

“Dein Heizungsbauer“: Kann es passieren, dass ich die Fördersumme bereits erhalten habe, die energetischen Anforderungen letztlich aber doch nicht erfülle?

Die Förderung wird entweder auf Nachweis eines unabhängigen Sachverständigen (bei KfW und Brennwerttechnik, Brennstoffzelle) mit der sogenannten Bestätigung nach Durchführung (BnD) oder durch Vorlage der Schlussrechnung, Fachunternehmererklärung und technischen Dokumentation (VDZ-Formular) herausgereicht. Es wird also nur ausgezahlt, wenn die Fördervoraussetzungen erfüllt sind, sodass eine Rückzahlung ausgeschlossen sein sollte.

“Dein Heizungsbauer“: Kritiker denken, dass die in der EnEV geschätzten Einsparpotenziale durch energetische Sanierung in Realität geringer ausfallen. Wie sehen Sie das?

Ich kann nur von meiner eigenen Sanierung sprechen: Ich habe einen Altbau, Baujahr 1955, in ein KfW 70 Haus verwandelt. Der Erdgasverbrauch sank von 55.000 kWh auf 18.000 kWh, was einer Reduktion von nahezu zwei Dritteln entspricht.

Natürlich sollte der Nutzer richtig lüften und in der Heizperiode nicht permanent gegen gekippte Fenster anheizen – dann nutzt die beste Gebäudehülle nichts. Eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung kann sinnvoll sein.

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“Dein Heizungsbauer“: Haben Sie neben der Förderung für eine energetische Altbausanierung weitere Förderanträge gestellt? Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen?

Ja, ich habe schon diverse Förderungen beantragt, neben der angesprochenen energetischen Altbausanierung (KfW 70 Effizienzhausförderung), beim BAFA solare Heizungsunterstützung, EEG 4 kW Peak PV Anlage, BHKW BAFA, Neubau KfW Effizienzhaus 40, ein barrierefreies Bad für die Eltern (KfW 455) und für E-Mobil-Ladeinfrastruktur (BMV).

Die Herausforderung war für mich persönlich nicht groß, da ich mich intensiv mit diesen Themen beschäftige. Aus Sicht der Verbraucher, die sich selten mit solchen Dingen auseinandersetzen, gibt es sicher viele Zugangsbarrieren.

Mehrstufige Onlineverfahren treffen zum Teil auf ältere, aber dennoch investitionswillige Hausbesitzer, die Programme sind zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut und nicht gerade selbsterklärend.

“Dein Heizungsbauer“: Können Sie unseren Lesern Tipps geben, die sie bei einem Förderantrag unbedingt beachten sollten?

Am besten nutzt man direkt den WOLF Förderservice samt Beratungshotline. Außerdem gibt es auch noch eine kostenlose Fördermitteldatenbank. Die Auskunft ist vollständig bis auf Gemeindeebene inklusive Energieversorger, benennt die Anforderungen, geförderte Zielgruppe, Gebäude und Fördersummen.

Steht die Entscheidung zur Umsetzung einer Maßnahme fest, unterstützt der WOLF Förderservice bei der Beantragung und umschifft die bürokratischen Hürden.

“Dein Heizungsbauer“: Was sind die ersten Schritte, wenn ich mich für eine Förderung interessiere?

Nach der Eingabe der Maßnahme und der Postleitzahl können Sie die Förderprogramme abfragen. Da nicht alle Programme miteinander zu verknüpfen sind, haben wir mit dem Förderservice eine Dienstleistung geschaffen, die die maximal mögliche Fördersumme für einen Fixpreis von 199 Euro zuzüglich 33 Euro Vollmacht beantragt.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Kutschka!

 

1 ImmobilienScout24: Warum Bauherren keine Zuschüsse bekommen

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