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Heizungen 2019: Eine Studie zum Heizverhalten und Wärmemarkt

Während die Energiewende auf dem Strommarkt weiterhin voranschreitet – Windenergie hat mittlerweile Braunkohle als wichtigsten Stromerzeuger abgelöst1 – geht die Modernisierung deutscher Heizsysteme auch 2019 schleppend voran. Eine Studie ermittelte nun das Durchschnittsalter deutscher Heizungsanlagen, wie es um die Modernisierung von Bestandsbauten steht und wie zufrieden die Deutschen 2019 mit ihrer Heizung waren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Hintergrund und Methodik der Studie
  2. Zahlen, Daten, Fakten zur Heizung 2019
  3. Die durchschnittliche Heizung ist relativ alt
  4. Die Zentralheizung als Dauerbrenner am Heizungsmarkt
  5. Gering ausgeprägte Wechselbereitschaft
  6. Wie zufrieden sind die Deutschen mit der Heizung 2019?
  7. Ein Blick in die Zukunft der Heizung: Was kommt nach 2019?
Heizung 2019: Laptop mit Grafik

Hintergrund und Methodik der Studie

Die Studie „Wie heizt Deutschland“ wurde vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) so konzipiert, dass sie eine möglichst hohe Aussagekraft und regionale Abdeckung erreicht. Die Stichproben aus den insgesamt 40,6 Millionen Wohneinheiten in Deutschland sind für 98% des Gebäudebestands repräsentativ.

Im Fokus der Studie stand die gemeinsame Betrachtung von Gebäuden, Heizsystemen und Energieträgern. Diese Vorgehensweise erlaubt es dem BDEW, aus den insgesamt 5.653 auswertbaren Antwortdatensätzen ein schlüssiges und umfassendes Bild für den deutschen Heizungsmarkt zu erstellen.

Zahlen, Daten, Fakten zur Heizung 2019

Welche Energieträger wurden im Jahr 2019 für die Heizung genutzt, um deutsche Wohnzimmer auf Temperatur zu bringen? Ein Blick in die Statistik fällt aus Sicht der Energiewende ernüchternd aus: Die fossilen Brennstoffe Erdgas und Öl sind mit einem Anteil von etwa 74% immer noch das Maß der Dinge. Regenerative Heizsysteme wie die Wärmepumpe nehmen derzeit nur eine untergeordnete Rolle im Wärme-Mix ein.

Die Energieträger im Überblick

Energieträger
Anteil
Erdgas (Zentral-, Etagenheizung, Gas-Wärmepumpe, Gaseinzelöfen)        
48,2%
Öl (Zentralheizung, Ölöfen)
25,6%
Fernwärme
13,9%
Sonstige (sonstige Zentral-/Einzelheizungen, Flüssiggas, Holz, Pellets, …)
7,5%
(Nacht-)Stromspeicheröfen     
2,6%
Elektro-Wärmepumpe (Zentralheizung)                            
2,2%

 

Erdgas bleibt demnach die unangefochtene Nummer 1 auf dem Markt für Energieträger. Die gute Nachricht ist: Moderne Brennwerttechnik wird immer beliebter. 46,8% der Heizkessel in deutschen Haushalten nutzen den Brennwert des Energieträgers, allerdings sind immer noch 42,2% alte Niedertemperaturkessel.

Vor dem Hintergrund der Modernisierungspflicht ist damit zu rechnen, dass der Anteil an Brennwertgeräten weiter zunimmt. Aus CO2-Sicht ist diese Entwicklung positiv: Brennwertkessel erzeugen durchschnittlich etwa ein Drittel weniger klimaschädliche Kohlendioxid-Emissionen als ihre Vorgänger etwa mit Niedertemperaturtechnik. Teilweise erhalten Sie übrigens für den Austausch einer alten Heizung gegen einen Brennwertkessel staatliche Förderung.

Auch eine weitere Zahl macht Mut für die Zukunft: 9,4% nutzen die Kraft der Sonne, um Brauchwarmwasser für den täglichen Bedarf zu erhitzen. 7,2% setzen die Solarthermie darüber hinaus auch ein, um die Raumheizung zu unterstützen.

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Die durchschnittliche Heizung ist relativ alt

Mit 17 Jahren ist die durchschnittliche Heizung 2019 technisch veraltet. Gerade in den letzten zehn Jahren gab es in der Heiztechnik sehr viele technische Entwicklungen, die zu einer Steigerung der Effizienz beigetragen haben. Doch gerade einmal 34,6% aller Heizungen sind jünger als zehn Jahre.

Besonders große Probleme in Bezug auf das Klima bereiten vor allem die Heizungen, die 2019 25 Jahre oder älter waren. In Bezug auf alle Wohneinheiten waren das immerhin 24,2%, wobei es deutliche Unterschiede zwischen Ein- und Zweifamilienhäusern auf der einen und Mehrfamilienhäusern auf der anderen Seite gibt: In Mehrfamilienhäusern beträgt der Anteil 27%, während es in Ein- und Zweifamilienhäusern 21,5% sind.

Die Modernisierung der Heizsysteme hinkt demnach vor allem in Gebäuden mit vielen Wohnungen hinterher. Das liegt laut der Studie vor allem daran, dass Vermieter oft den Mehrwert einer Heizungsmodernisierung nicht sehen.

Heizung 2019: Durchschnittsalter Heizungen

Die Zentralheizung als Dauerbrenner am Heizungsmarkt

Die Zentralheizung war 2019 im wahrsten Sinne des Wortes ein Dauerbrenner: Rund 70 % aller Wohneinheiten wurden durch ein zentrales Heizsystem erwärmt. Den ersten Platz belegt mit einem Anteil von 35,7% die Erdgas-Zentralheizung, gefolgt von der Öl-Zentralheizung und der Fernwärmeheizung.

Anteile der verschiedenen Zentralheizungen

Art der Heizung
Anteil
Erdgas-Zentralheizung        
35,7%
Öl-Zentralheizung
25%
Fernwärme
13,9%
Gas-Etagenheizung
9,8%
Sonstiges (Holz-/Pelleteinzelöfen, Kohleeinzelöfen, Einzelheizungen)
5,8%
Holz-/Pellet-Zentralheizungen
2,8%
(Nacht-)Stromspeicheröfen
2,6%
Elektro-Wärmepumpe (Zentralheizung)
2,2%
Gaseinzelöfen
1,5%
Ölöfen
0,6%

 

Schon gewusst? Rund ein Viertel der Haushalte nutzt neben der Hauptheizung auch eine Zusatzheizung. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Kamin, einen Holz- beziehungsweise Pelleteinzelofen oder auch eine Stromdirektheizung handeln.

Gering ausgeprägte Wechselbereitschaft

Der Wärmemarkt bietet ein beachtliches Potenzial für Modernisierung: Laut der Studie ließen sich etwa 2,7 Millionen ölversorgte Haushalte mit Gas oder Fernwärme ausstatten. Die Dynamik auf dem Wärmemarkt ist dennoch vergleichsweise gering: 86% aller Befragten gaben in der Studie an, dass sie schon immer mit dem gleichen Energieträger heizen.

Unter den Wechselwilligen lässt sich vor allem ein Trend weg von Ölheizungen hin zu Erdgasheizungen feststellen: 530.000 Wohnungen und Häuser, die vor zehn Jahren noch mit Öl beheizt wurden, sind heute an das Gasnetz angeschlossen. Auch die Fernwärme ist im Aufschwung und verzeichnete einen Zuwachs von 187.000 Wohneinheiten (115.000 von Öl auf Fernwärme, 72.000 von Erdgas auf Fernwärme).

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Wie zufrieden sind die Deutschen mit der Heizung 2019?

Die deutschen Heizungen genießen landesweit einen guten Ruf und werden im Allgemeinen als zuverlässig, sicher und einfach in der Handhabung bewertet. Besonders gut schneiden in der Umfrage Erdgassysteme, Fernwärme und Elektro-Wärmepumpen ab.

Heizungen mit Öl als Energieträger beurteilen die Deutschen hingegen genau wie Nachtspeicheröfen auf Strombasis kritisch. Vor allem Nachtspeicheröfen weisen mit 13,5% einen hohen Anteil sehr unzufriedener Nutzer auf.

Spannend ist, dass die Elektro-Wärmepumpe als vergleichsweise neue Technologie hohe Zustimmungswerte erhält: 29,3% aller Befragten sind äußerst zufrieden mit ihrer Wärmepumpe, während nur 0,1% sehr unzufrieden sind. Welche Arten von Wärmepumpen es sonst noch gibt und wie sie im Vergleich zu bewerten sind, erfahren Sie in unserem Artikel.

Ein Blick in die Zukunft der Heizung: Was kommt nach 2019?

Welche Zukunftsthemen haben die Deutschen im Jahr 2019 in Bezug auf ihre Heizung besonders heiß diskutiert? Die BDEW-Studie befragte die Studienteilnehmer zu den beiden Zukunftsfeldern Smart Metering und Contracting. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Wahrnehmung: Während es beim Contracting – bei dem man eine Heizung mietet – große Informationslücken gibt, stehen viele Bewohner der Integration ihrer Heizung in ein Smarthome-System aufgeschlossen gegenüber.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels werden auch Klimaanlagen immer wichtiger, wenn es um die Temperierung von Wohngebäuden geht. Während etwa 18,9% der Befragten Anlagen zur Raumklimatisierung offen gegenüberstehen, ist die Mehrheit (55,2%) für dieses Angebot kaum erreichbar.

Die Wärmewende in Deutschland hat noch viel Nachholbedarf: Mit dem Klimapaket und der darin beschlossenen CO2-Steuer steht fest, dass die Modernisierung der Heiztechnik im deutschen Gebäudebestand weiter voranschreiten wird. Regenerative Energieträger und Hybridheizungen werden in Zukunft einen noch höheren Stellenwert im Wärmesektor einnehmen.

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1 SPIEGEL ONLINE: Stromerzeugung: Windenergie erstmals wichtigster Stromerzeuger

Andreas Wurm,
M.Sc.

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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