Energieberatung: Kosten und Möglichkeiten

Trotz immer modernerer und effizienterer Heizungsanlagen geht ein beträchtlicher Teil der zum Heizen verwendeten Energie verloren, weil Häuser nicht ausreichend gedämmt sind. Die Folgen unzureichender Dämmung sind höhere Kosten für die Wärmeerzeugung sowohl für Hausbesitzer als auch Mieter und höhere Emissionen. Mit einer Energieberatung durch einen Experten können Sie Ihren Optimierungsbedarf ermitteln lassen und so zum einen laufende Kosten sparen und zum anderen nachhaltig zum Umweltschutz beitragen. Energieberatung wird in vielen Fällen staatlich gefördert. Hier haben wir Ihnen alle nützlichen Informationen rund um die Energieberatung, Kosten und Umsetzung zusammengestellt.

Energieberatung Kosten: Personen am Laptop

Inhaltsverzeichnis

  1. Ist eine Energieberatung für mich lohnenswert?
  2. Wer ist sachverständig?
  3. Leistungen eines Energieberaters
  4. Ablauf einer Energieberatung vor Ort
  5. Kosten für eine Energieberatung
  6. Förderungsmöglichkeiten für Energieberatung nutzen

Ist eine Energieberatung für mich lohnenswert?

Wer nicht gerade ein Energieeffizienzhaus hat, kann grundsätzlich immer von einer energetischen Optimierung profitieren. Denn es gibt viele verschiedene Ansatzpunkte, um die Energieeffizienz eines Gebäudes zu verbessern. Wer sich dabei von einem Experten beraten lässt, spart im Schnitt rund 27% an Energiekosten ein. Wer darauf verzichtet nur rund 16%1. Eine Energieberatung macht sich daher in jedem Fall bezahlt.

Ähnlich wie bei einer Anamnese, die ein Arzt vor einer Behandlung durchführt, sollten Sie vor der energetischen Sanierung eine Gebäudeenergieberatung durchführen lassen. Denn nur Experten können alle Potenziale und Fehler aufdecken. Auf der Basis einer gründlichen Begutachtung vor Ort kann der Energieberater ein schlüssiges Konzept für ein Gebäude erstellen, um so die optimale Energieausnutzung zu erzielen. Zugleich ist eine Energieberatung sinnvoll, weil der Experte nicht nur Optimierungsvorschläge, sondern auch mögliche Finanzierungslösungen entwickeln kann.

Da die energetische Sanierung an sich oftmals sehr umfangreiche Maßnahmen erfordert, ist ein Energieberater hier ebenso sinnvoll. Er kann aus seinen Analysen einen kompletten Maßnahmen- und Zeitplan erstellen, auch „Sanierungsfahrplan“ genannt. Dabei werden alle für den Energieverbrauch und die Emissionserzeugung relevanten Bereiche berücksichtigt, wie:

  • Dämmung
  • Fenster
  • Heiztechnik
  • Bausubstanz

Ein weiterer Vorteil der Gebäudeenergieberatung: Sie erhalten eine detaillierte Übersicht, wie Sie mit den empfohlenen Maßnahmen Energie und damit Kosten sparen können. So wissen Sie genau, wann sich die Optimierung amortisiert hat.

Wer ist sachverständig?

Verbraucher haben zunächst bei der Suche nach einem kompetenten Energieberater einen Nachteil. Denn die Bezeichnung „Energieberater“ ist gesetzlich nicht geschützt. Wer nach seriösen Anbietern sucht und ohnehin die BAFA-Förderung für die Energieberatung in Anspruch nehmen möchte, findet auf der Website des Bundes einen ausgewiesenen Sachverständigen. Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung gibt ebenfalls wertvolle Tipps.

Achten Sie darauf, welche Zulassungen ein Energieberater besitzt. Mögliche Nachweise für die Sachkenntnis sind zum Beispiel Zulassungen durch:

  • Bundesverband für das Sachverständigen Gutachterwesen
  • Deutsche Sachverständigen Gesellschaft
  • Zulassung als Sachverständiger bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft u. Ernährung (BLE)

Die Sachverständigen, die auf der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes geführt werden, müssen folgende Qualifikationen erfüllen:

Qualifikationen der Energieeffizienz-Experten

  • Nachweise: Möchte sich ein Experte in die Liste eintragen lassen, muss er Nachweise über seine Grund- sowie Zusatzqualifikationen liefern. Ohne diese Nachweise erfolgt keine Freischaltung in der öffentlichen Datenbank.
  • Fortbildungen: Die in der Liste geführten Experten müssen über einen Zeitraum von drei Jahren belegen können, dass sie sich fortgebildet haben. Darüber hinaus müssen die Sachverständigen für jedes Förderprogramm nachweisen, dass sie berufspraktisch in diesen Bereichen gearbeitet haben. Kurz: Nur wer wirklich Energieberatungen durchführt, kann auch als Experte in der Liste geführt werden.
  • Kontrolle: Die von den Experten eingereichten Belege werden auf Plausibilität geprüft. Darüber hinaus werden Stichproben erhoben und einzelne Berichte im Detail kontrolliert. In manchen Fällen prüfen eigene Sachverständige die Arbeit am betreffenden Gebäude, um die Leistungen des Energieexperten nachvollziehen zu können.

Hinweis: Sachverständiger für energieeffiziente Baudenkmale

Wenn es um die förderungsfähige Energieberatung für Baudenkmäler geht, müssen die Experten weitere Qualifikationen nachweisen können. Über die Basiskenntnisse hinaus benötigen sie baukulturelle Expertise. Eine Liste mit buchbaren Experten findet sich auf der Website des Bundes.

Leistungen eines Energieberaters

1. Bestandsaufnahme: Dabei prüft der Sachverständige neben der Gebäudehülle auch das vorhandene Heizsystem.

2. Empfehlungen: Die Bestandsaufnahme liefert die Grundlage für Vorschläge zur Energieeinsparung, die Sie umsetzen können. Der Energieberater kann dabei auch direkt prüfen, ob die empfohlenen Maßnahmen im individuellen Fall auch wirtschaftlich sind.

3. Energetische Fachplanung: Durch die tiefgreifende Analyse hat der Energieberater nicht nur Maßnahmen abgeleitet, sondern kann auch eine Detailplanung erstellen. Die Planung kann der Experte für die einzelnen Gewerke aufbereiten. Als Kunde des Energieberaters können Sie diese Fachplanung verwenden, um Angebote von Handwerkern und Dienstleistern einzuholen. Auf Wunsch unterstützt Sie der Energieberater bei der Auswahl der Angebote.

4. Baubegleitung: Energieberater können auch während des Baus prüfen, ob die empfohlenen Maßnahmen fachmännisch durchgeführt werden. Sie können bei den Baustellenbegehungen feststellen, ob Verbesserungsbedarf besteht. Nach Fertigstellung des Gebäudes können Energieberater außerdem die Bauherren bzw. Bewohner darin schulen, energieeffizient zu heizen und zu lüften.

Ablauf einer Energieberatung vor Ort

Wer einen Termin mit einem Energieberater vereinbart, kann in etwa von folgendem Ablauf ausgehen. Zunächst ermittelt der Experte den Ist-Zustand des Gebäudes:

  • Prüfung der Dämmung: Der Energieberater begeht den Keller sowie den Dachboden und prüft die Wände. Dort liegt der Schwerpunkt vor allem auf der vorhandenen Wärmedämmung. Anschließend werden Fenster und Türen sowie möglicherweise vorhandene Lüftungsanlagen begutachtet.
  • Prüfung der Heizanlage: In einem weiteren Schritt kontrolliert der Energieberater die Heizung und deren Verrohrung. Außerdem wird gegebenenfalls die Photovoltaik- sowie Solarthermie-Anlage überprüft. Für die technischen Prüfungen nutzt der Energieberater entsprechende Geräte. Ist die Thermografie in der Beratung enthalten, macht der Experte mit einer Wärmebildkamera Aufnahmen vom Gebäude.
  • Berichterstellung: Nach der Kontrolle des Hauses erstellt der Energieberater abhängig von der vereinbarten Leistung einen Bericht.
  • Empfehlungen: Auf der Basis des Berichts kann der Energieexperte schließlich Empfehlungen zur energetischen Sanierung und Optimierung aussprechen und einen möglichen Ablaufplan aufstellen.

Kosten für eine Energieberatung

Der finanzielle Aufwand hängt vor allem von der Größe der Immobilie und den mit dem Energieberater vereinbarten Leistungen ab. Wer die Kosten für die Energieberatung senken möchte, sollte einen förderungsfähigen Energieberater wählen.

Wichtig: Am besten lassen Sie sich im Vorfeld mehrere Angebote für eine Energieberatung machen. Dann können Sie anhand der angebotenen Leistungen und Kosten entscheiden, welcher Energieberater den Zuschlag erhält. Achten Sie bei Angeboten auch auf Nebenkosten für Anfahrt oder Material.

Energieberatung für mögliche Kosten
Einfamilienhaus mit ca. 150 Quadratmetern Wohnfläche
ca. 600 Euro
Mehrfamilienhaus mit drei Parteien
ab 750 Euro
Mehrfamilienhaus mit mehr als 10 Parteien
ab 1.400 Euro

Abrechnungsmodalitäten

Energieberater rechnen auf unterschiedliche Weise ab. Wird nach Stundenlohn abgerechnet, beginnt dieser bei 45 Euro und kann auf über 100 Euro bei Großprojekten steigen. Tagessätze starten bei knapp 350 Euro. Materialkosten sowie Anfahrt kosten extra. Manche Energieberater bieten Pauschalen an.

Kosten für Thermografie

Diese Arbeit gehört zu den Zusatzleistungen und kann zwischen 100 und 200 Euro kosten. Dabei ermittelt der Experte mithilfe eines bildgebenden Verfahrens Wärmebrücken und feuchte Stellen an Gebäuden. So werden mögliche Probleme identifiziert und Sanierungsmaßnahmen definiert. Üblich sind vier bis fünf thermografische Bilder des Gebäudes.

Kosten für Blower-Door-Test

Hierbei wird die Luftdichtigkeit des Gebäudes geprüft. Die Kosten belaufen sich bei einfachen Tests auf 200 bis 300 Euro, können aber mit Dokumentation und präziseren Messungen bis zu 400 oder 500 Euro betragen.

Um Kosten bei der Energieberatung zu sparen, können Sie im Vorfeld überlegen, ob Sie wirklich alle Leistungen eines Pakets benötigen oder den Experten stattdessen lieber stundenweise „buchen“. In manchen Fällen gibt auch schon ein telefonischer Termin Aufschluss über mögliche Sanierungsmaßnahmen. Bedenken Sie jedoch, dass nur der Termin vor Ort durch das BAFA gefördert wird, sollten Sie eine staatliche Förderung nutzen wollen.

Förderungsmöglichkeiten für Energieberatung nutzen

Unter gewissen Voraussetzungen können Sie sich eine Energieberatung vom Staat fördern lassen. Hier finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Fördermöglichkeiten.

Energieberatung über die Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentralen können über 550 unabhängige Energieberater in ganz Deutschland vermitteln. Die Beratung erfolgt am Telefon, online oder vor Ort. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert alle von den Verbraucherzentralen vermittelten Expertenleistungen. Wer ein geringes Einkommen nachweisen kann, erhält in der Regel eine vollständige Erstattung der Beratungskosten.

Der Check vor Ort kostet über die Verbraucherzentrale ab 10 Euro. Die telefonische Beratung ist kostenlos. Wer sich in einer Filiale der Verbraucherzentrale beraten lässt, muss ab 5 Euro pro halbe Stunde bezahlen.

BAFA-Förderung für Energieberatung

Wenn Sie Ihre Energieberatung fördern lassen möchten, ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle dafür zuständig. Förderungsfähig sind alle Energieberater, die in der Expertenliste des Bundes stehen. Für eine Energieberatung bei Ein- oder Zweifamilienhäusern ist eine Förderung von bis zu 800 Euro möglich. Ab drei Wohneinheiten erhalten Sie bis zu 1.100 Euro an Fördergeld für die Energieberatung. Wenn der Energieberater seine Ergebnisse in einem Bericht vor anderen Wohnungseigentümern erläutern soll, können Sie weitere 500 Euro an staatlicher Förderung bekommen.

Voraussetzung für die Förderung: Das zu sanierende Haus muss sich in Deutschland befinden und zu 50% für private Wohnzwecke gedacht oder geplant sein. Darüber hinaus müssen die Pläne für das Gebäude vor dem 1. Februar 2002 beim zuständigen Bauamt eingereicht oder das Haus vor dem 1. Februar 2002 gebaut worden sein.Mehr zum Thema finden Sie in unserem Artikel „BAFA Förderung“.

KfW-Förderung bei energetischer Fachplanung und Baubegleitung

Während der Bau- und Planungsphase kann ebenfalls ein Energieberater hinzugezogen werden. Seine Leistungen sind dann umfangreicher und somit sind die Kosten für die Energieberatung höher. Die KfW kann hierfür einen Zuschuss von 50% der entstehenden Kosten leisten, maximal aber 4.000 Euro pro Bauvorhaben.Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Beitrag „KfW Förderung für Ihre Heizung“.

Der erste Schritt zur Energieberatung

Möchten Sie Ihr Haus energetisch sanieren oder die Energieeffizienz des Gebäudes nachhaltig steigern? Dann können Sie sich direkt an Ihre Gemeinde- oder Stadtverwaltung wenden, um sich einen Experten empfehlen zu lassen. Möchten Sie sich erst einmal nur in Grundzügen informieren, können Sie sich an die Verbraucherzentralen wenden und einen Telefontermin wahrnehmen. Sollten Sie die Kosten der Energieberatung durch Förderung reduzieren wollen, sollten Sie Ihren Sachverständigen direkt über die Expertenliste des Bundes suchen.

1 Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: CO2 Gebäudesanierung

Phil R.

Über den Autor
Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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