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Alles über Heizen mit Fernwärme: Was ist das?

Fernwärme ist eine Art, ein Gebäude mit Wärme zu versorgen. In Deutschland wird sie mittlerweile für viele große Wohnkomplexe eingesetzt. Aber auch private Verbraucher können das Fernwärmenetz nutzen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was Fernwärme ist, wie sie erzeugt wird und ob sich die Nutzung lohnt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition: Was ist Fernwärme?
  2. Wie wird Fernwärme erzeugt?
  3. Wie kommt die Fernwärme zu Ihnen?
  4. Voraussetzungen für die Nutzung von Fernwärme
  5. Wie setzen sich die Kosten von Fernwärme zusammen?
  6. Ist Fernwärme nachhaltig?
  7. Fazit: Vor- und Nachteile von Fernwärme
Fernwärme was ist das? Fernwärme Rohre in Landschaft

Definition: Was ist Fernwärme?

Fernwärme ist eine Wärmelieferung thermischer Energie für die Raumwärme und das Warmwasser im Gebäude. Sie wird überwiegend durch eine Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt und bei der Stromerzeugung produziert. Die produzierte Wärme gelangt über ein Leitungsnetz – mittels Wasser als Trägermedium – zu den Verbrauchern.

Grundsätzlich kann Fernwärme durch fossile Brennstoffe oder andere Primärenergie (zum Beispiel Windkraft oder Erdwärme) entstehen. Je geringer der Anteil fossiler Energieträger bei der Erzeugung von Fernwärme, desto nachhaltiger ist diese Variante der Wärmenutzung.

Exkurs: Was ist Fernkälte?

  • Fernkälte kommt meist in größeren Wohngebäuden zum Einsatz.

  • Das Prinzip der Fernkälte funktioniert ähnlich wie die Fernwärme. Der Unterschied: Bei der Fernkälte kühlt die überschüssige Energie aus der Stromgewinnung das Wasser. Es wird gespeichert und dann über ein Rohrleitungssystem an Gebäude geführt.

  • Um die Kälte zu erzeugen, wird einer Salz-Wasser-Lösung unter niedrigem Druck Wärme zugeführt. Dies entzieht der Flüssigkeit das Wasser. Es kondensiert bei ebenfalls niedrigem Druck. Dadurch kühlt es die Flüssigkeit herunter.

Wie wird Fernwärme erzeugt?

Fernwärme entsteht in Deutschland zu mehr als 80% durch eine Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei wird die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme zum Heizen genutzt. So kann zum Beispiel in einem Braunkohlekraftwerk eine Turbine durch die Verbrennung von Braunkohle angetrieben werden. Durch die Kraft der Turbine entsteht Strom. Die Abwärme, die sich dabei entwickelt, gelangt anschließend zur Heizung.

Demnach ermöglicht Fernwärme die doppelte Nutzung desselben Brennstoffs. Die ohnehin bei der Verbrennung entstandene Wärme wird nahezu vollständig weiterverwendet. Dadurch erhöhen sich die Wirkungsgrade von Kraftwerken sowie die Energieeffizienz.

Dank der Kraft-Wärme-Kopplung kann Fernwärme unabhängig vom verwendeten Brennstoff produziert und genutzt werden. Es wäre zum Beispiel auch möglich, Fernwärme aus einem Wasserkraftwerk zu beziehen. Moderne Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen arbeiten mit Biomasse oder Abfällen. Sie steigern auf diese Weise die Nachhaltigkeit der Fernwärme.

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Wie kommt die Fernwärme zu Ihnen?

Fernwärme gelangt über ein Rohrleistungssystem zu den Abnehmern. Beim Wärmetransport dient Wasser als Trägermedium. Es wird im Heizkraftwerk erhitzt. Danach speisen es Pumpen in das Fernwärmenetz ein. Der Nachteil: Ist der Weg vom Kraftwerk bis zum Endverbraucher lang, geht hier viel Wärme verloren.

Doch Transport ist nicht gleich Transport: Es gibt eine „direkte“ und eine „indirekte“ Fernwärmeversorgung. Was heißt das konkret?

Was ist eine direkte Fernwärmeversorgung?

Bei der direkten Versorgung wird die Fernwärme über das heiße Wasser und ein Rohrsystem direkt in den Heizkreislauf eines Gebäudes eingespeist. Das Heizwasser versorgt die Heizkörper. Wärmetauscher erhitzen das Warmwasser für die Dusche etc. Nachdem sich das Wasser aus dem Fernwärmenetz abgekühlt hat, fließt es wieder zurück zur Fernwärmestation, beziehungsweise zum Heizkraftwerk.

Was ist eine indirekte Fernwärmeversorgung?

In diesem Fall wird das heiße Wasser aus dem Fernwärmenetz zu einer Fernwärmeübergabestation beim Verbraucher geführt. Dort überträgt ein Wärmetauscher die Energie an das separate Heizungsnetz des Gebäudes. Bei der indirekten Versorgung gibt es demnach zwei getrennte Heizkreisläufe. Diese Form des Wärmeanschlusses ist flexibel steuerbar. Deshalb empfiehlt sie sich vor allem bei Neubauten.

Fernwärme: Abdeckung in Deutschland

In Deutschland heizen fast 7% aller Haushalte mit Fernwärme:

Mit welchen Energieträgern heizen die Deutschen Grafik
Mit mehr als 49% liegt Erdgas auf Platz 1 bei den zum Heizen verwendeten Energieträgern in deutschen Wohngebäuden.

Erdgas ist nach wie vor der beliebteste Energieträger. Nicht aber beim Neubau: Hier zeigen aktuelle Zahlen, dass die Wärmepumpe als nachhaltige Option immer beliebter wird. Dadurch dürfte sich das Bild in den kommenden Jahren ändern. In unserer Übersicht zum Thema „Heizung im Neubau“ finden Sie weitere Informationen dazu.

Voraussetzungen für die Nutzung von Fernwärme

Um Fernwärme zum Heizen nutzen zu können, muss sich zunächst einmal ein entsprechender Anbieter in Ihrer Nähe befinden. Denn es ergibt wenig Sinn, die Fernwärme über eine sehr lange Distanz zu transportieren. Mit zunehmender Entfernung und Länge der Leitungen entstehen nämlich höhere Wärmeverluste.

Außerdem benötigen Sie, ähnlich wie bei Gas, einen Anschluss – in diesem Fall an das Fernwärmenetz. Im Haus müssen Sie zusätzlich eine Wärmeübergabestation installieren lassen. Diese steuert, wie viel Fernwärme in das hauseigene Heizungsnetz übertragen wird. Darüber hinaus kann der Energieversorger mithilfe von Wärmemengenzählern die verbrauchte Wärmeenergie zur Abrechnung messen.

Wie setzen sich die Kosten von Fernwärme zusammen?

Die Kosten von Fernwärme setzen sich aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammen:

  • Arbeitspreis
  • Wärmeleistung
  • Anschlussgebühren
  • Grundpreis

Näheres zu den einzelnen Punkten können Sie im Artikel „Fernwärme Kosten“ nachlesen.

Fernwärme Kosten

Fernwärme: Kosten und Rechenbeispiele

Übersichtliche Kostenauflistungen und Beispielrechnungen zeigen die Kosten von Fernwärme. Weiterlesen

Ist Fernwärme nachhaltig?

Da es sich bei Fernwärme vor allem um ein Nebenprodukt aus der Stromgewinnung handelt, ist sie – aus diesem Blickwinkel betrachtet – eine nachhaltige Energieform.

Allerdings hängt die Umweltfreundlichkeit von Fernwärme auch direkt mit dem Energieträger zusammen, der diese Wärme erzeugt. Wird Fernwärme zum Beispiel durch die Verbrennung von Braunkohle gewonnen, steigt dadurch zwar die Energieeffizienz des Braunkohlekraftwerks. Doch gleichzeitig ist die so produzierte Fernwärme aufgrund der hohen Emissionen bei der Kohleverbrennung nicht besonders nachhaltig.

Wann ist Fernwärme dementsprechend umweltfreundlich? Wenn sie mit alternativen Energiequellen erzeugt wird. Doch Achtung: Durch hohe Verteilungsverluste kann selbst eine effiziente Wärmeerzeugung die Umweltbilanz schädigen.

Fazit: Vor- und Nachteile von Fernwärme

Jetzt haben wir geklärt, was Fernwärme ist und wie sie funktioniert. Nun können wir die Vor- und Nachteile übersichtlich festhalten:

Pro

  • Bessere CO2 -Bilanz durch „doppelte“ Nutzung von Brennstoffen

  • Platzsparend: die Fernwärmeübergabestation benötigt wenig Platz und Sie brauchen keinen Raum für einen Heizkessel

  • Brennstofflager oder Brennstofftank sind nicht erforderlich

  • Relativ geringe Anschlusskosten, falls das Haus in der Nähe der Anschlussstelle liegt

  • Geringer Wartungsaufwand für die Fernwärmeübergabestation

Contra

  • Primäre Energiequellen für Fernwärme sind oft fossile Brennstoffe

  • Durch das Leitungssystem entstehen Wärmeverluste – die Effizienz der Anlagen sinkt

  • Fernwärme lässt sich nicht so einfach mit herkömmlicher Brennwerttechnik kombinieren

  • Kaum Fördermöglichkeiten

  • Meist eher in Ballungsgebieten verfügbar

  • Höhere jährliche Verbrauchskosten als Alternativen

  • Preisschwankungen üblich, Verbraucher sind abhängig vom Versorger

Lohnt sich Fernwärme also? Das hängt von Ihrem konkreten Fall ab. Fernwärme kann eine sinnvolle Möglichkeit sein, um die Energiegewinnung zu optimieren. Wird sie jedoch überwiegend mit fossilen Brennstoffen erzeugt, sinkt ihre Nachhaltigkeit. Finanziell können Sie bei der Anschaffung im Vergleich sparen, haben aber höhere Verbrauchskosten. Können Sie auf mögliche Flexibilität und Freiheit bei der Wahl des Energieversorgers verzichten? Dann sind Sie bei Fernwärme gut aufgehoben.

Phil R.,
M.A.

Über den Autor

Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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