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Wärmewende: Herausforderung und Chance zugleich

Ohne Wärmewende kann die Energiewende nicht gelingen – daran lässt ein nüchterner Blick auf die Fakten keinen Zweifel. Im Rahmen der Energiewende hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, Energie vermehrt aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen und diese bewusster zu nutzen, um die negativen Konsequenzen des Klimawandels abzuschwächen. Doch obwohl der Energiekonsum für die Wärmeversorgung den Stromverbrauch weit übersteigt, genießt der Wärmesektor deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit. Das bleibt nicht ohne Folgen: Um die engagierten Klimaschutzziele zu erreichen und die Wärmeversorgung für alle bezahlbar zu halten, gibt es vor allem bei der Wärmewende noch viel zu tun.

Inhaltsverzeichnis

  1. Umstellung der Wärmeversorgung: Ohne Wärmewende gelingt keine Energiewende
  2. Die deutsche Wärmeversorgung: Eine Bestandsaufnahme
  3. Bedeutung der Wärmeversorgung von Privathaushalten
  4. Möglichkeiten für die Wärmewende in Ihrem Haushalt
  5. Die Beteiligung an der Wärmewende lohnt sich

Umstellung der Wärmeversorgung: Ohne Wärmewende gelingt keine Energiewende

Die Energiewende ist ein Generationenprojekt Deutschlands zur Umstellung der Energieerzeugung und -nutzung. Dass die Transformation langfristig angelegt ist, macht der strategische Zielhorizont deutlich:

  • Die Treibhausgasemissionen sollen sich bis 2050 um mindestens 80% gegenüber 1990 verringern.1

Der Plan ist ehrgeizig – in Expertenkreisen besteht kein Zweifel, dass Deutschland das Zwischenziel zur Emissionsreduktion von 40% bis 2020 verpasst. Doch bei einzelnen Maßnahmen der Energiewende gibt es mehr Grund zum Optimismus:

  • Spätestens im Jahr 2025 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch mindestens 40% ausmachen.

Ende 2018 betrug die Ziellücke nur noch gut zwei Prozentpunkte.

Die Wärmewende muss den größten Beitrag leisten

Die folgende Grafik verdeutlicht es: Der Stromverbrauch macht nur gut ein Fünftel des gesamten deutschen Energiekonsums aus. Die Bereitstellung von Wärme und Kälte sowie die Mobilität tragen deutlich mehr zum Energieverbrauch bei.

Deswegen kann die Energiewende erst gelingen, wenn alle Sektoren proportional zu ihrer Bedeutung an der Umstellung mitwirken. Dabei verfolgt die Energiewende immer zwei Ansatzpunkte. Es geht nicht nur um die Umstellung der Energiegewinnung auf erneuerbare Ressourcen, sondern auch um ein bewussteres Nutzungsverhalten.

Die Wärmewende ist weit mehr als Klimaschutz

Genau wie bei der Energiewende geht es bei der Wärmewende nicht allein um die Einhaltung von Emissionszielen. Es geht auch um die Gewährleistung einer zuverlässigen und bezahlbaren Wärmeversorgung für Industrie und Bevölkerung. Das Vorhaben hat eine starke soziale Komponente: Über 84% des Energieverbrauchs der Privathaushalte fällt auf Raumwärme und Warmwasser.

Das macht deutlich, welche Folgen bei Preissteigerungen drohen. Denn die Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger und die zur Neige gehenden Vorräte machen die Preisentwicklung immer unkalkulierbarer. Wer schon einmal wegen eines Heizungsschadens eine Winternacht in der unbeheizten Wohnung verbracht hat und am nächsten Morgen obendrein noch kalt duschen musste, kann erahnen, wie sich ein Engpass bei der Wärmeversorgung auswirken würde.

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Die deutsche Wärmeversorgung: Eine Bestandsaufnahme

Die Versorgung mit Wärme ist grundlegend anders strukturiert als die Stromversorgung. Das liegt schon allein an den technischen Möglichkeiten: Im Gegensatz zur elektrischen Energie lässt sich Wärme ökonomisch und ökologisch kaum sinnvoll über längere Strecken transportieren.

Dafür sind die Technologien für die vorübergehende Speicherung von Wärmeenergie deutlich weiter fortgeschritten. Die Wärmeerzeugung muss also noch dezentraler und vor allem näher am Verbrauchsort angesiedelt sein als die Stromproduktion. Trassen für den Energietransport von der Küste bis in den Süden wie beim Strom wird es daher bei der Wärme nicht geben.

Anders als bei der Stromerzeugung ist traditionell jedes Gebäude meist selbst für die Wärmeerzeugung zuständig. Rund 20 Millionen Wärmeerzeuger stehen hierzulande in Heizungskellern oder Abstellkammern. Die Ausnahme bildet die vergleichsweise geringe Zahl an Gebäuden, die ihre Wärme aus Nah- und Fernwärmenetzen beziehen. Der Ausbau dieser Versorgungssysteme ist eine wichtige Voraussetzung für die Wärmewende. Sie ermöglichen nämlich den Aufbau größerer Anlagen für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Solarthermie und die intensivere Nutzung von Abwärme aus der Industrie.

Der Entwicklungsstand bei der Wärmeversorgung

Die Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser verursacht mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Energieverbrauchs. Erfasst sind dabei neben Wohnimmobilien noch öffentliche Gebäude und Industriebauten.

Die besondere Bedeutung der Wärmeversorgung speziell von Wohnimmobilien macht diese Rechnung deutlich.

Bedeutung der Wärmeversorgung von Privathaushalten

  • Mehr als 84% des Energieverbrauchs der Privathaushalte gehen auf das Konto der Versorgung mit Raumwärme und Warmwasser.

  • Gleichzeitig haben die Haushalte einen Anteil von 30% am deutschen Energiehunger.

  • Das bedeutet nicht nur Verantwortung, sondern birgt auch finanzielle Anreize: Als Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses und selbst als Mieter können Sie durch Ihre private Wärmewende erhebliche Einsparungen erzielen.

  • Denn fast 60% der Heizungen sind seit mindestens 15 Jahren in Betrieb und gehen auf das Ende ihrer Lebensdauer zu.

  • Gerade hier sind durch den Einbau einer neuen Heizung Effizienzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich möglich.

  • Dies gilt natürlich auch für den Fall, dass Sie weiterhin auf einen fossilen Energieträger – vorzugsweise Gas – setzen.

Ähnliches Potenzial besteht beim energetischen Stand der Gebäude: Ein bedeutender Anteil des Gebäudebestandes stammt aus der Periode von 1949 bis Ende 1978, wurde also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet. Die hohen Verluste solcher Gebäude sorgen dafür, dass ihr Wärmebedarf ein Vielfaches über dem von Gebäuden mit aktuellem energetischen Stand liegt:

Baujahr Jährlicher Endenergieverbrauch pro Quadratmeter [kWh/m²a]
1949-1978
208
2010-2011
50
Mittelwert des gesamten Bestandes
169

Es ist zwar kaum wirtschaftlich möglich, Altbauten so zu optimieren, dass sie so wenig Energie verbrauchen wie Niedrigenergie- oder Passivhäuser. Allerdings sind die Potenziale doch beachtlich, wie der hohe mittlere Energieverbrauch des Gebäudebestandes zeigt. Im Interview hat Förderexperte Martin Kutschka zum Beispiel erzählt, wie er durch energetische Sanierung den Energiebedarf seines Altbaus um zwei Drittel reduzieren konnte.

Wie steht es derzeit um die Wärmewende?

Die Qualität der Heizungs- und Gebäudebestände bietet zahlreiche Ansatzpunkte für die Effizienzsteigerung bei der Wärmeerzeugung und die Verringerung des Wärmebedarfs. Dennoch mangelt es den Eigentümern scheinbar an der Entschlussfreudigkeit: Die jährliche Sanierungsrate bei der Gebäudehülle liegt bei gerade einmal 1%, während die Erneuerung des Heizungsbestandes pro Jahr 3% ausmacht. Beides sind extrem geringe Zahlen.

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sieht allerdings ein deutlich gesteigertes Sanierungstempo bei Heizanlagen und Gebäudehüllen vor, um die Wärmewende voranzutreiben:

Möglichkeiten für die Wärmewende in Ihrem Haushalt

Auch mit kleinen, zum Teil förderfähigen Maßnahmen können Sie in Ihrem Haushalt einen Beitrag zur Wärmewende leisten. Davon profitieren nicht zuletzt Sie selbst, denn die meisten Maßnahmen senken auch Kosten. Dabei können Sie die Wärmeerzeugung durch eine moderne Heizung verlustfreier gestalten oder durch Dämmmaßnahmen und die Anpassung Ihres Nutzungsverhaltens den gesamten Wärmebedarf senken.

Wärmewende-Tipp 1: Setzen Sie auf erneuerbare Energien

Jede zweite deutsche Wohnung bezieht ihre Wärme aus einer Gasheizung. Nimmt man noch die Ölheizungen dazu, dann macht der Anteil dieser fossilen Energieträger an der Wärmeerzeugung knapp 74% aus.2

Das ist generell nicht schlecht: Sowohl im Alt- als auch im Neubau hat eine moderne Brennwertheizung nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Dennoch sollten Sie im Hinblick auf die Wärmewende auch den Einsatz regenerativer Energieträger prüfen, da sie zu einem noch umweltfreundlicheren heizen führen und Ihre Abhängigkeit von Rohstoffimporten und schwankenden Preisen verringern. Bei einem Neubau sind Sie in der Regel ohnehin verpflichtet, einen Mindestanteil Ihres Wärmebedarfs aus regenerativen Quellen zu decken.

  1. Holz und Biogas

    Interessante Optionen für regenerative Quellen sind Holz und Biogas. Beide zeichnen sich durch lokale Erzeugung und nachwachsende Rohstoffe aus.

  2. Wärmepumpe

    Ganz kostenfrei können Sie Wärmequellen aus der Umwelt nutzen – und zwar durch eine Wärmepumpe als emissionsfreie und zukunftssichere Heizart. Damit eine Wärmepumpe den Wärmevorrat aus Luft, Grundwasser oder Erdreich verarbeiten kann, braucht sie jedoch Strom. Mit ihrem Stromeinsatz erschließt eine Wärmepumpe ein Vielfaches an Umweltenergie. Nutzen Sie Ökostrom oder eine eigene Photovoltaikanlage, ist Ihre Wärmepumpen-Heizung besonders umweltfreundlich.

  3. Wartung und hydraulischer Abgleich

    Auch wenn Ihr bestehender Wärmeerzeuger noch effizient und zuverlässig ist, müssen Sie nicht untätig bleiben. Durch die regelmäßige Überprüfung der Einstellungen der Heizungseinstellungen, eine fachgerechte jährliche Heizungswartung und einen hydraulischen Abgleich können Sie den Heizungsbetrieb auch ohne größere Eingriffe optimieren.

  4. Eigene Solarthermieanlage

    Die Solarthermie, die Wärme aus der Sonnenstrahlung gewinnt, ist eine gute Ergänzung zur Hauptheizung. Bereits mit einer kleinen Kollektorfläche können Sie von Frühling bis Herbst den Warmwasserbedarf Ihres Hauses vollständig decken. Selbst im Winter entlastet die Solarthermie und steuert je nach Anlage etwa 20% der für Heizung und Warmwasser benötigten Wärme bei.

  5. Anschluss an Nah- oder Fernwärme

    Haben Sie die Möglichkeit, Ihr Gebäude an Nah- oder Fernwärme anzuschließen, dann sollten Sie überlegen, diese zu nutzen.

  6. Photovoltaikanlage gegebenenfalls mit Speicher

    Die Eigenerzeugung von Solarstrom ist vor dem Hintergrund steigender Strompreise sehr attraktiv. Idealerweise nutzen Sie einen Speicher, der überschüssige Energie später auf Abruf bereitstellt.

  7. Hybridanlagen

    Die Kombination von einer konventionellen Gas- oder Ölheizung mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie bietet höchste Zuverlässigkeit bei hoher Umweltfreundlichkeit.

Wärmewende-Tipp 2: Reduzieren Sie den Wärmebedarf

Sie bewohnen ein Haus mit zeitgemäßer und effizienter Heiztechnik, haben aber trotzdem Probleme mit hohen laufenden Kosten? Dann liegt es oft daran, dass die Wärmeverluste des Gebäudes größer sind, als sie sein sollten. Den Grund dafür sollten Sie nicht nur in der eventuell mangelhaften Dämmung des Gebäudes suchen, sondern auch im eigenen Nutzungsverhalten.

Wärmeverluste verringern – Tipps für Mieter und Eigentümer:

  • Schalten Sie Ihre Heizung wirklich erst dann ein, wenn die Raumtemperatur Ihr Wohlfühlniveau über mehrere Tage hinweg unterschreitet.

  • Statt das Fenster zum Lüften zu kippen, sollten Sie im Winter die Stoßlüftung anwenden, um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden.

  • Programmierbare Heizkörperthermostate gleichen die Wärmezufuhr im Tagesverlauf optimal an Ihr Nutzungsprofil an.

  • Zu den finanziell überschaubaren und dennoch wirkungsvollen Maßnahmen gehört die Dämmung der Keller- und obersten Geschossdecke.

Auch durch unbeheizte Räume verlaufende Heizungsrohre können Sie mit einer isolierenden Hülle versehen lassen. Erst wenn Sie diese Potenziale für Ihren persönlichen Beitrag zur Wärmewende genutzt haben, sollten Sie die Umsetzung kostenintensiver Dämmmaßnahmen an der Fassade oder den Austausch der Fenster und Türen in Angriff nehmen.

Die Beteiligung an der Wärmewende lohnt sich

Die Bundesregierung muss das Sanierungstempo forcieren, damit die Wärmewende ihren notwendigen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Dabei kommt es natürlich auch nicht zuletzt auf das Engagement der Privatleute im Hinblick auf den Wärmesektor an. Obwohl es nicht gleich eine neue Heizung oder eine Fassadendämmung sein muss, versprechen diese Schritte die größte Verbesserung für die Energieeffizienz von Bestandsgebäuden.

Als Entscheidungshilfe für zweifelnde Eigentümer bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)  und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Förderung an. Optimierungen an und ein Austausch der bestehenden Heizanlage werden ebenso bezuschusst wie Energieberatungen und Dämmmaßnahmen.

 

1 Bundesregierung.de: CO2-Emission 

2 BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.: Erste Ergebnisse zur BDEW-Studie: Wie heizt Deutschland 2019? 

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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