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Die Entwicklung der Gaspreise: Sind steigende Kosten zu erwarten?

In Deutschland sind rund 7 Millionen Gasheizungen in Betrieb.1 Damit ist Gas der wichtigste Energieträger für Heizungsanlagen und versorgt knapp 50% aller Haushalte mit Wärme.2 Aus diesem Grund ist die Entwicklung der Gaspreise für Verbraucher immer relevant. Denn neben einer modernen, effizienten Heizung und dem sparsamen Heizen hat der Preis für Gas direkten Einfluss auf Ihre Heizkosten. In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige rund um die Gaspreisentwicklung in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

  1. So haben sich die Gaspreise in den letzten Jahren entwickelt
  2. Wann steigt oder sinkt der Gaspreis?
  3. Erdgas oder Flüssiggas?
  4. Prognose und Entwicklung: Der Gaspreis steigt wieder
  5. Was Verbraucher bei steigenden Gaspreisen tun können
Entwicklung Gaspreise: Gasherd

So haben sich die Gaspreise in den letzten Jahren entwickelt

Wer die Entwicklung beim Gaspreis verfolgt, wird ein fast konstantes Preisniveau seit 2009 feststellen. Auch wenn der Preis für Erdgas bis 2013 leicht gestiegen und bis 2019 wieder gefallen ist, bewegten sich die Gaskosten seit 2009 zwischen rund 61 und 71 Euro pro MWh. Somit konnten Sie Ihre Brennstoffkosten für Gas bisher deutlich einfacher kalkulieren als bei Heizöl oder Holzpellets.

Entwicklung Gaspreise: Preisentwicklung Grafik
Vergleichen Sie hier die Entwicklung der Gaspreise mit der Preisentwicklung von Holzpellets und Heizöl. Sie sehen, dass die Gaspreise seit 2009 relativ konstant geblieben sind.

Wann steigt oder sinkt der Gaspreis?

Die Gaspreisentwicklung zeigt, dass ab 2012 die Preise gesunken sind. Gründe dafür gibt es viele.

Zunächst bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis für Gas genauso wie die Preise für Konsumgüter oder andere Energieträger. Steigt die Nachfrage und das Angebot bleibt gleich, kommt es automatisch zu Preiserhöhungen. Sinkt die Nachfrage bei gleich hohem Angebot, werden die Preise sinken.

Neben diesem marktwirtschaftlichen Prinzip spielen im Hintergrund weitere Faktoren eine wichtige Rolle. So entwickelte sich der Gaspreis häufig analog zu den Preisen auf dem Energiemarkt. Lange Zeit – bis 2010 – war der Gaspreis zudem an den Ölpreis gebunden. Stieg der Preis für das Barrel Öl, wurde auch das Erdgas teurer.

Trotz der Aufhebung der Ölpreisbindung ließ sich in der Praxis bisher immer noch eine gewisse Abhängigkeit des Gaspreises vom Ölpreis feststellen. Das hat damit zu tun, dass die Nachfrage nach Gas als alternativem Energieträger steigt, wenn das Öl teurer wird. Diese Preiserhöhung hat in der Regel die Industrie zu verantworten, die in großem Maßstab Energie einkauft und verbraucht.

Das Angebot an Gas können zudem die Gasanbieter steuern. Diese können ihre Gasspeicher bei niedrigen Gaspreisen auffüllen. Sind die Speicher ausgelastet, können sie das Gas zu günstigen Preisen an Verbraucher weitergeben.

Erdgas oder Flüssiggas?

  • Flüssiggas ist ein Nebenprodukt der Erdöl- und Erdgasförderung. Es besteht aus Propan oder Butan beziehungsweise aus einem Gemisch dieser beiden Kohlenwasserstoffe.

  • Bei einem Überdruck von rund 7 bar wird dieses Gas flüssig und benötigt dadurch weniger Volumen. Auf diese Weise lässt es sich einfach in Tanks füllen, lagern und transportieren.

  • Neben einem höheren Brennwert hat Flüssiggas den Vorteil, dass es flexibler eingesetzt werden kann.

  • Flüssiggas-Heizungen kommen zum Einsatz, wenn in Ihrer Umgebung kein Gasnetz vorhanden ist.

  • Nachteilig sind der höhere Gaspreis sowie das Erfordernis, einen Tank aufzustellen.

  • Moderne Heizungsanlagen können Sie sowohl mit Flüssiggas als auch mit Erdgas betreiben.

Prognose und Entwicklung: Der Gaspreis steigt wieder

Seit 2012 konnten Verbraucher von sinkenden Gaspreisen profitieren. Doch bereits seit dem Winter 2020/2021 steigen die Preise enorm. Dafür sprechen verschiedene Entwicklungen:

  • Gas ist ein fossiler Brennstoff: Auch wenn es noch sehr große Erdgasvorkommen weltweit gibt, ist auch Erdgas als fossiler Brennstoff endlich. Je kleiner die Gasvorräte werden, desto höher wird der Preis für den Energieträger.
  • Abhängigkeit von Lieferländern: Deutschland importiert die überwiegende Menge seines Gases. Daher ist unsere Entwicklung des Gaspreises abhängig von der Förderung in den Lieferländern. Handelskonflikte mit und Sanktionen gegen Russland als größtem Gaslieferanten für Deutschland können zum Beispiel zu steigenden Gaspreisen führen.
  • Sinkende Erdölvorräte: Durch die günstigen Gaspreise hat auch die Industrie in vielen Sektoren damit begonnen, Gas anstatt Öl zu verwenden. Durch die steigende industrielle Nachfrage werden die Gaspreise langfristig steigen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich analog zu den sinkenden Erdölvorräten laufen, solange keine anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Energiegewinnung für die Industrie gefunden sind.

Auch die CO2-Steuer, durch die kalte Wintersaison 2020/2021 noch nicht aufgefüllte Gasspeicher und die generell gestiegenen Preise der Gasanbieter führen zu den gegenwärtigen Preiserhöhungen.

Für das Jahr 2021 sehen Experten daher einen Preisanstieg für Gas von rund 13%.3 Im Trend der nächsten Jahre wird das Gas teurer, auch wenn Verbraucher in den letzten drei Jahren von durchschnittlich günstigeren Gaspreisen profitieren konnten.

Entwicklung der Gaspreise sowie Prognose

Um was geht's?
Kosten4
aktueller Gaspreis pro kWh für Verbraucher
6,2 Cent
prognostizierter Gaspreis pro kWh für Verbraucher im Jahr 2022
6,8 Cent
Gaspreisentwicklung im Zwölf-Monats-Trend
+4,5%
Entwicklung der Gaspreise in den letzten fünf Jahren
+8,5%
Entwicklung der Gaspreise von 2020 auf 2021
+4,2%

Welche Faktoren bestimmen den Gaspreis?

  • Einkaufspreis: Ein großer Anteil des Gaspreises wird durch den Preis bestimmt, den Anbieter für die Gasbeschaffung bezahlen müssen.

  • Gewinnmarge für den Gasanbieter: Abhängig vom Gewinnstreben der Energieanbieter können die Kosten für Gas steigen.

  • Netzentgelt: Für die Nutzung von Gasleitungen müssen Anbieter an die Betreiber der Gasnetze Gebühren, das sogenannte Netzentgelt, bezahlen.

  • Messung: Meist Teil des Netzentgeltes. Um den Gasverbrauch der einzelnen Verbrauchsstellen korrekt zu erheben, muss eine entsprechende Infrastruktur und Verwaltung unterhalten werden. Die Kosten dafür werden auf die Gaspreise umgelegt und betragen rund 2% der Gaskosten.

  • Kosten für Vertrieb/Verkauf: Investiert ein Anbieter viel Geld in Marketing und Verwaltung, kann sich das auf den Gaspreis auswirken.

  • Steuern: Einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Gaspreis haben Steuern (zum Beispiel CO2-Steuer, Erdgassteuer, Umsatzsteuer).

  • Konzessionen: Da die Gasleitungen auf öffentlichem Grund liegen und den Kommunen gehören, müssen die Anbieter eine Konzessionsabgabe an Kommunen oder Städte bezahlen.

Tipp: Der Grundversorger ist oft nicht der günstigste Anbieter für Gas in Ihrer Region. Nutzen Sie einen Gaspreisvergleich, um das günstigste Angebot zu finden!

Was Verbraucher bei steigenden Gaspreisen tun können

Steigende Gaspreise können die Haushaltskasse deutlich belasten. Um zu prüfen, ob Ihr aktueller Gaspreis günstig ist, sollten Sie zunächst Gaspreise bei verschiedenen Anbietern vergleichen. Finden Sie deutlich günstigere Tarife, lohnt sich ein Wechsel eigentlich immer.

In einem zweiten Schritt können Sie auch Ihr Heizsystem prüfen. So senken moderne Gas-Brennwertthermen den Gasverbrauch deutlich. Darüber hinaus kann eine energetische Sanierung ebenfalls für einen geringeren Bedarf an Gas für die Heizungsanlage sorgen. Zu diesem Zweck lohnt sich die Beauftragung eines Energieberaters.

Langfristig kann sich darüber hinaus Solarthermie oder eine Wärmepumpe als sinnvolle Ergänzung beziehungsweise Ersatz der Gasheizung anbieten. Die regenerativen Energieträger helfen effizient dabei, den Gasverbrauch zu senken und zugleich leisten Sie einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Artikel „Neue Heizung, aber welche?“.

Nutzen Sie Wohnraum nur gelegentlich – zum Beispiel eine Ferienwohnung – oder leben Sie in einer Region ohne vorhandene Gasleitungen, kann sich eine mit Flüssiggas betriebene Heizung in Kombination mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe lohnen.

Tipp: Bei steigenden Gaspreisen Anbieter wechseln

  • Wenn Ihr Gasanbieter die Preise erhöht und diese Erhöhung ankündigt, können Sie von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

  • Eine solche Ankündigung erfolgt in der Regel schriftlich. In diesem Schreiben steht das genaue Datum der künftigen Preisanhebung.

  • Ab dem Erhalt des Schreibens haben Sie dann eine Frist von vier Wochen, um den bisherigen Vertrag zu kündigen und sich um den Wechsel zu einem neuen Anbieter zu kümmern.

1 Statista: Anzahl der Gasheizungen in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2019

2 BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.: Wie heizt Deutschland 2019?

3 Heizspiegel: Heizspiegel für Deutschland 2021: Vergleichen Sie Ihre Heizkosten!

4 Gasvergleich: Gaspreise vergleichen

Phil R.,
M.A.

Über den Autor

Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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