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Die Entwicklung der Gaspreise: Sind steigende Kosten zu erwarten?

In Deutschland waren im Jahr 2016 rund 7,8 Millionen Gasheizungen in Betrieb*. Damit ist Gas der wichtigste Energieträger für Heizungsanlagen und versorgt über 20 Millionen Haushalte mit Wärme**. Aus diesem Grund ist die Entwicklung der Gaspreise für Verbraucher immer relevant. Denn neben einer modernen, effizienten Heizung und dem sparsamen Heizen hat der Preis für Gas direkten Einfluss auf Ihre Heizkosten. In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige rund um die Gaspreisentwicklung in Deutschland.

Entwicklung Gaspreise: Gasherd

Inhaltsverzeichnis

  1. So haben sich die Gaspreise in den letzten Jahren entwickelt
  2. Wann steigt oder sinkt der Gaspreis?
  3. Erdgas oder Flüssiggas?
  4. Prognose und Entwicklung: Der Gaspreis steigt wieder
  5. Was Verbraucher bei steigenden Gaspreisen tun können

So haben sich die Gaspreise in den letzten Jahren entwickelt

Wer die Entwicklung beim Gaspreis verfolgt, wird ein fast konstantes Preisniveau seit 2009 feststellen. Auch wenn der Preis für Erdgas bis 2013 leicht gestiegen und bis 2017 wieder gefallen ist, bewegten sich die Gaskosten seit 2009 zwischen rund 61 und 71 Euro pro MW/h. Somit können Sie Ihre Brennstoffkosten für Gas deutlich einfacher kalkulieren als bei Heizöl oder Holzpellets.

Wann steigt oder sinkt der Gaspreis?

Die Gaspreisentwicklung zeigt, dass seit 2012 die Preise sinken. Gründe dafür gibt es viele.

Zunächst wird der Preis für Gas genauso wie die Preise für Konsumgüter oder andere Energieträger durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Steigt die Nachfrage und das Angebot bleibt gleich, werden die Preise automatisch anziehen. Sinkt die Nachfrage bei gleich hohem Angebot, werden die Preise sinken.

Neben diesem marktwirtschaftlichen Prinzip spielen im Hintergrund weitere Faktoren eine wichtige Rolle. So entwickelt sich der Gaspreis häufig analog zu den Preisen auf dem Energiemarkt. Lange Zeit – bis 2010 – war der Gaspreis zudem an den Ölpreis gebunden. Stieg der Preis für das Barrel Öl, wurde auch das Erdgas teurer.

Trotz der Aufhebung der Ölpreisbindung lässt sich in der Praxis immer noch eine gewisse Abhängigkeit des Gaspreises vom Ölpreis feststellen. Das hat damit zu tun, dass die Nachfrage nach Gas als alternativem Energieträger steigt, wenn das Öl teurer wird. Diese Preissteigerung hat in der Regel die Industrie zu verantworten, die in großem Maßstab Energie einkauft und verbraucht.

Das Angebot an Gas kann zudem durch die Gasanbieter gesteuert werden. Diese können ihre Gasspeicher bei niedrigen Gaspreisen auffüllen. Sind die Speicher ausgelastet, können sie das Gas zu günstigen Preisen an Verbraucher weitergeben.

Erdgas oder Flüssiggas?

  • Flüssiggas ist ein Nebenprodukt der Erdöl- und Erdgasförderung. Es besteht aus Propan oder Butan beziehungsweise aus einem Gemisch dieser beiden Kohlenwasserstoffe.

  • Bei einem Überdruck von rund sieben bar wird dieses Gas flüssig und benötigt dadurch weniger Volumen. Auf diese Weise kann es einfach in Tanks gefüllt, gelagert und transportiert werden.

  • Neben einem höheren Brennwert hat Flüssiggas den Vorteil, dass es flexibler eingesetzt werden kann.

  • Flüssiggas-Heizungen kommen zum Einsatz, wenn in Ihrer Umgebung kein Gasnetz vorhanden ist.

  • Nachteilig sind der höhere Gaspreis sowie das Erfordernis, einen Tank aufzustellen.

  • Moderne Heizungsanlagen können Sie sowohl mit Flüssiggas als auch mit Erdgas betreiben.

Prognose und Entwicklung: Der Gaspreis steigt wieder

In den letzten Jahren seit 2012 konnten Verbraucher von sinkenden Gaspreisen profitieren. Doch langfristig gehen Experten davon aus, dass die Preise für Gas wieder steigen werden. Dafür sprechen verschiedene Entwicklungen:

  • Gas ist ein fossiler Brennstoff: Auch wenn es noch sehr große Erdgasvorkommen weltweit gibt, ist auch Erdgas als fossiler Brennstoff endlich. Je kleiner die Gasvorräte werden, desto höher wird der Preis für den Energieträger.
  • Abhängigkeit von Lieferländern: Deutschland importiert die überwiegende Menge seines Gases. Daher ist unsere Preisentwicklung für Gas abhängig von der Förderung in den Lieferländern. Handelskonflikte mit und Sanktionen gegen Russland als größtem Gaslieferanten für Deutschland können zum Beispiel zu steigenden Gaspreisen führen.
  • Sinkende Erdölvorräte: Durch die günstigen Gaspreise hat auch die Industrie in vielen Sektoren damit begonnen, Gas anstatt Öl zu verwenden. Durch die steigende industrielle Nachfrage werden die Gaspreise langfristig steigen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich analog zu den sinkenden Erdölvorräten laufen, solange keine anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Energiegewinnung für die Industrie gefunden sind.

Für das kommende Jahr sehen Experten einen Preisanstieg für Gas von rund 5%, bedingt durch steigende Preise auf dem Terminmarkt. Im Trend der nächsten fünf bis zehn Jahre wird das Gas 6% teurer werden, auch wenn Verbraucher in den letzten drei Jahren von durchschnittlich 3% günstigeren Gaspreisen profitieren konnten.

Entwicklung der Gaspreise sowie Prognose

Um was geht's? Kosten***
Aktueller Gaspreis pro kWh für Verbraucher
5,69 Cent
Prognostizierter Gaspreis pro kWh für Verbraucher bis Ende 2019
6,0 Cent
Gaspreisentwicklung im Zwölf-Monats-Trend (gemessen am Durchschnittspreis für Gas für Verbraucher 2018)
+ 5%
Entwicklung der Gaspreise in den letzten zehn Jahren
- 19%
Entwicklung der Gaspreise in den letzten fünf Jahren
- 13%
Entwicklung der Gaspreise in den letzten drei Jahren
- 3%

Welche Faktoren bestimmen den Gaspreis?

  • Einkaufspreis: Rund 50% des Gaspreises werden durch den Preis bestimmt, den Anbieter für die Gasbeschaffung bezahlen müssen.

  • Gewinnmarge für den Energieanbieter: Abhängig vom Gewinnstreben der Energieanbieter können die Kosten für Gas steigen.

  • Abgaben an den Gasnetzbetreiber: Für die Nutzung von Gasleitungen müssen Anbieter an die Betreiber der Gasnetze Gebühren bezahlen. Sie betragen rund 21% des Gaspreises.

  • Kosten für Vertrieb/Verkauf: Investiert ein Anbieter viel Geld in Marketing und Verwaltung, kann sich das auf den Gaspreis auswirken.

  • Erdgassteuer: Rund ein Viertel (24,4%) des Gaspreises machen Steuern aus.

  • Konzessionen: Da die Gasleitungen auf öffentlichem Grund liegen und den Kommunen gehören, müssen die Anbieter Geld an Kommunen oder Städte bezahlen. Die Konzessionsabgabe macht circa 1,3% des Gaspreises aus.

  • Umsatzsteuer: Wie auf alle Dienstleistungen und Produkte werden für Gas 19% Umsatzsteuer fällig, die der Endkunde bezahlen muss.

  • Verwaltung und Messung: Um den Gasverbrauch der einzelnen Verbrauchsstellen korrekt zu erheben, muss eine entsprechende Infrastruktur und Verwaltung unterhalten werden. Die Kosten dafür werden auf die Gaspreise umgelegt und betragen rund 2% der Gaskosten.

Tipp: Der Grundversorger ist oft nicht der günstigste Anbieter für Gas in Ihrer Region. Nutzen Sie einen Gaspreisvergleich, um das günstigste Angebot zu finden!

Was Verbraucher bei steigenden Gaspreisen tun können

Steigende Gaspreise können die Haushaltskasse deutlich belasten. Um zu prüfen, ob Ihr aktueller Gaspreis günstig ist, sollten Sie zunächst Gaspreise bei verschiedenen Anbietern vergleichen. Finden Sie deutlich günstigere Tarife, lohnt sich ein Wechsel eigentlich immer.

In einem zweiten Schritt können Sie auch Ihr Heizsystem prüfen. So senken moderne Gasbrennwertthermen den Gasverbrauch deutlich. Darüber hinaus kann eine energetische Sanierung ebenfalls für einen geringeren Bedarf an Gas für die Heizungsanlage sorgen. Zu diesem Zweck lohnt sich die Beauftragung eines Energieberaters.

Langfristig kann sich darüber hinaus Solarthermie oder eine Wärmepumpe als sinnvolle Ergänzung beziehungsweise Ersatz der Gasheizung anbieten. Die regenerativen Energieträger helfen effizient dabei, den Gasverbrauch zu senken und zugleich leisten Sie einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Artikel "Neue Heizung, aber welche?".

Nutzen Sie Wohnraum nur gelegentlich – zum Beispiel eine Ferienwohnung – oder leben Sie in einer Region ohne vorhandene Gasleitungen, kann sich eine mit Flüssiggas betriebene Heizung in Kombination mit Solarthermie oder eine Wärmepumpe lohnen.

Tipp: Bei steigenden Gaspreisen Anbieter wechseln

  • Wenn Ihr Gasanbieter die Preise erhöht und diese Erhöhung ankündigt, können Sie von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

  • Eine solche Ankündigung erfolgt in der Regel schriftlich. In diesem Schreiben steht das genaue Datum der künftigen Preisanhebung.

  • Ab dem Erhalt des Schreibens haben Sie dann eine Frist von vier Wochen, um den bisherigen Vertrag zu kündigen und sich um einen neuen Anbieter zu kümmern.

* Statista: Anzahl der Gasheizungen in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2016

** CO2 Online: Brennstoffe & Energieträger: Wichtige Fragen und direkter Vergleich

*** Gasvergleich: Gaspreisentwicklung und Prognose 2019

Phil R.

Über den Autor

Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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