Durchschnittlicher Gasverbrauch: So berechnen Sie ihn

Sie möchten Ihren durchschnittlichen Gasverbrauch errechnen, um sich einen Überblick über Ihre Gaskosten zu verschaffen? In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie die Berechnung funktioniert und auf welche weiteren Faktoren Sie dabei achten müssen.

Durchschnittlicher Gasverbrauch: Taschenrechner, Gasrechnung

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum überhaupt den durchschnittlichen Gasverbrauch ermitteln?
  2. Wie wird der Gasverbrauch angegeben?
  3. Wie ermittle ich meinen durchschnittlichen Gasverbrauch?
  4. Welche Faktoren beeinflussen den durchschnittlichen Gasverbrauch?

Warum überhaupt den durchschnittlichen Gasverbrauch ermitteln?

Es gibt mehrere gute Gründe, Ihren durchschnittlichen Gasverbrauch zu ermitteln:

  • Sie möchten sich einen Überblick über Ihre jährlichen Energiekosten verschaffen, an denen der Gasverbrauch einen signifikanten Anteil hat.
  • Sie benötigen Ihren Gasverbrauch als Vergleichswert: Entspricht mein Gasverbrauch dem der Allgemeinheit oder verbrauche ich zu viel?
  • Sie möchten Ihren Gasverbrauch reduzieren und brauchen dafür erst einmal den Ist-Wert.
  • Sie wollen bei Preisschwankungen schnell reagieren und den Anbieter wechseln können. Dazu müssen sie die aktuellen mit den zukünftigen Kosten vergleichen können.

Gasverbrauch in Deutschland: Tendenz steigend

Generell steigt der Gasverbrauch in Deutschland seit Jahrzehnten. 1982 lag der Totalverbrauch noch bei knapp 51 Milliarden Kubikmetern, 1996 schon bei 83 Milliarden. Im Jahr 2017 wurde ein neuer Höchststand erreicht: 90 Milliarden Kubikmeter1. Der größte Teil des deutschen Erdgases wird aus dem Ausland importiert, wobei die Zahlen in den letzten Jahren leicht rückläufig sind. Die wichtigsten Lieferanten sind Russland und Norwegen.

Wie wird der Gasverbrauch angegeben?

Um den Gasverbrauch vergleichen zu können, sollten Sie sich als erstes über die verwendeten Einheiten im Klaren sein. Gasanbieter geben den Gasverbrauch normalerweise in kWh (Kilowattstunden) an. Eine Kilowattstunde bezeichnet dabei die Energiemenge, die ein Gerät – in diesem Fall die Gasheizung – bei einer Leistung von einem Kilowatt (= 1000 Watt) innerhalb von einer Stunde verbraucht.

Wie ermittle ich meinen durchschnittlichen Gasverbrauch?

Alte Gasrechnung konsultieren

Die einfachste Methode, um Ihren Gasverbrauch zu ermitteln, liegt auf der Hand: Suchen Sie die letzte Abrechnung heraus. Hier können Sie auf einen Blick Ihren exakten Jahresverbrauch ablesen. Teilen Sie den Jahresverbrauch durch zwölf und Sie erhalten Ihren durchschnittlichen Monatsverbrauch. Natürlich liegt der tatsächliche Verbrauch in den kalten Wintermonaten höher als in der warmen Jahreszeit.

Alternativ können Sie den Jahresverbrauch durch die Quadratmeterzahl Ihrer Wohnung teilen, um den durchschnittlichen Jahresverbrauch pro Quadratmeter zu ermitteln. Das ist besonders dann praktisch, wenn Sie die Anschaffung einer neuen Heizung erwägen und deren Einsparpotenzial gegenüber der aktuellen Heizung herausfinden wollen.Gasverbrauch fortlaufend ablesen

Wenn Sie die letzte Jahresabrechnung nicht mehr finden können und keinen großen Zeitdruck bei der Ermittlung Ihres Gasverbrauchs haben, können Sie einfach fortlaufend die Gasstände ablesen. Am besten tun Sie das einmal pro Monat an einem festgelegten Tag und notieren sich den Wert. Nach einigen Monaten können Sie dann den Mittelwert ausrechnen, um eine ziemlich genaue Vorstellung davon zu erhalten, wie viel Gas Sie tatsächlich verbrauchen.

Gasverbrauch schätzen

Es gibt aber auch Situationen, in denen man keinen guten Anhaltspunkt in Sachen Gasverbrauch hat, zum Beispiel wenn Sie von einem Altbau in ein neues, energieeffizientes Haus ziehen oder eine neue Heizung einbauen möchten. Hier liegen normalerweise keine Erfahrungswerte vor, auf die Sie zurückgreifen können, weshalb Sie eine möglichst exakte Schätzung vornehmen müssen. Folgend finden Sie ein paar Tipps und Anhaltspunkte dazu.

Berechnung des eigenen Verbrauchs

Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Gasverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche für zwei Personen bei 14 beziehungsweise 16 Kubikmetern liegt: 14 Kubikmeter für den Fall, dass Sie das Gas nur zum Heizen verwenden; 16 Kubikmeter für den Fall, dass Sie auch Ihr Warmwasser mit Gas erhitzen. Möchten Sie die somit ermittelten Kubikmeter in kWh umwandeln, multiplizieren Sie den Wert mit 10,3. Sie können sich die Berechnung übrigens erleichtern, indem Sie auf einen der zahlreichen Online-Rechner zurückgreifen.

Durchschnittswerte: So sieht der Gasverbrauch in anderen Haushalten aus

Werfen Sie zudem einen Blick in unsere Tabelle mit den Durchschnittswerten für unterschiedlich große Wohnungen und Häuser. Bitte beachten Sie aber, dass verschiedene Faktoren die Heizleistung positiv oder negativ beeinflussen können – mehr hierzu lesen Sie unten im Abschnitt „Welche Faktoren beeinflussen den durchschnittlichen Gasverbrauch?“. Verwenden Sie das Gas nur zum Heizen, bewegt sich Ihr Verbrauch vermutlich im unteren Bereich der Spanne, verwenden Sie es auch für Warmwasser, liegen Sie wahrscheinlich im oberen Bereich.

Wohnfläche Gasverbrauch (kWh/Jahr)
30 qm
3.800 – 5.000 kWh
50 qm
5.000 – 7.000 kWh
100 qm
12.000 – 15.000 kWh
Reihenhaus
17.000 – 20.000 kWh
Einfamilienhaus
23.000 – 30.000 kWh

Sonderfall Passivhäuser

Etwas anders verhält es sich mit den speziell gedämmten Passivhäusern: Hier liegt der Gasverbrauch deutlich unter den oben genannten Durchschnittswerten. Ein Passivhaus mit 120 qm Wohnfläche kommt mit gerade einmal 1.800 kWh pro Jahr aus, bei 160 qm Wohnfläche sind es zirka 2.400 kWh pro Jahr. Weil Passivhäuser geschickt vorhandene Energiequellen wie Sonneneinstrahlung und Abwärme von Personen nutzen, fällt der Energieverbrauch extrem niedrig aus.

Welche Faktoren beeinflussen den durchschnittlichen Gasverbrauch?

Wollen Sie den Gasverbrauch analysieren, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, welche Faktoren den Gasverbrauch positiv und negativ beeinflussen. Die wichtigsten in Kürze:

Fläche des Haushalts

Der schwerwiegendste Faktor ist normalerweise die Fläche, die beheizt wird. Ein Mehrfamilienhaus, in dem mehrere Großfamilien wohnen, verbraucht natürlich viel mehr Gas als ein 1-Zimmer-Studentenappartment.

Dämmung

Ein wesentlicher Faktor für den durchschnittlichen Gasverbrauch sind der Zustand und im Speziellen die Dämmung des Hauses. Häuser, die vor 1977 gebaut wurden, verfügen meist über weniger effiziente Heizungen mit schlechter Dämmung. Bei neuen Häusern ab einem Baujahr nach 2002 ist die Dämmung dagegen meist hervorragend. Diese Unterschiede in der Bausubstanz, im Heizungssystem und der Dämmung machen sich drastisch bemerkbar: Differenzen im Verbrauch zwischen 30 und 50% sind keine Seltenheit, bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Verwendungszwecke

Hinzu kommt, für welche Zwecke Gas in einem Haushalt eingesetzt wird. Dient Ihr Gas lediglich als Brennstoff zum Heizen? Dann fällt der Verbrauch geringer aus, als wenn Sie zusätzlich Ihr Warmwasser damit erhitzen. Wenn Sie außerdem in der Küche Gaskochfelder haben, steigt Ihr Gasverbrauch weiter.

Verlieren Sie aber nicht die Verhältnisse aus den Augen: Selbst, wenn Sie Gas auch für Warmwasser und Küche benutzen – den Löwenanteil macht immer die Heizung aus, nämlich zirka 85%. Danach kommt der Warmwasserverbrauch mit zirka 14%; das Kochen mit Gas schlägt mit nur zirka 1% Anteil am Gesamtverbrauch zu Buche.

Anzahl der Personen im Haushalt

Je mehr Personen in einem Haushalt zusammenleben, desto höher ist in der Regel der Gasverbrauch, weil zum Beispiel mehrere beheizte Räume parallel genutzt werden oder mehr Personen beim Duschen Warmwasser verbrauchen.

Nutzungsverhalten

Natürlich spielt auch das individuelle Nutzungsverhalten der Bewohner eine wichtige Rolle: Personen haben ein unterschiedliches Wärmegefühl. Während manchen Menschen schon bei 20°C Raumtemperatur angenehm warm ist, sollte es für andere 23°C warm sein, damit sie sich wohlfühlen.

Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel Zeit die Bewohner in der Wohnung verbringen. Jemand, der zehn Stunden am Tag im Büro des Arbeitgebers sitzt, muss natürlich weniger heizen als jemand, der den ganzen Tag zuhause ist.

Ein dritter Punkt: Wie verbringe ich meine Zeit zuhause? Wer in den eigenen vier Wänden viel auf den Beinen ist, dem ist in aller Regel wärmer. Wer dagegen stundenlang sitzend auf der Couch oder im Homeoffice verbringt, dem wird schneller kalt – entsprechend mehr heizen Sie. 

Mehr Tipps zum Thema Heizkosten senken finden Sie übrigens auch in unserem Artikel „Heizkosten sparen“. Welche Maßnahme in Ihrem Fall die richtige ist, weiß ein kompetenter Heizungsbauer. Er berät Sie gerne ausführlich und objektiv. In unserer Installateur-Suche finden Sie Ansprechpartner für all Ihre Fragen. 

1 Statista: Erdgasverbrauch in Deutschland in den Jahren von 1980 bis 2017

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