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Energiewende in Deutschland: Langzeitprojekt für alle

Wer den Begriff Energiewende hört, denkt meistens sofort an die Umstellung von nuklearen und fossilen auf erneuerbare Energiequellen. Das ist zwar ein zentraler Bestandteil der Energiewende, aber längst nicht das einzige Ziel, das sich Deutschland für die Energieversorgung der Zukunft gesetzt hat. Neben dem Wechsel der Energieträger gehört es auch zur Energiewende, den Energiehunger Deutschlands zu reduzieren und die Effizienz der Energienutzung zu steigern. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche konkreten Maßnahmen dies erfordert und wie Sie selbst zur Energiewende beitragen können.

Inhaltsverzeichnis

  1. Betrifft nicht nur Deutschland: Ohne die Energiewende geht es nicht
  2. Welche Maßnahmen stehen hinter der Energiewende in Deutschland?
  3. Was bedeutet die Energiewende für die Privathaushalte in Deutschland?
  4. Deutschlands Energiewende als Chance: Nutzen Sie die Förderangebote

Betrifft nicht nur Deutschland: Ohne die Energiewende geht es nicht

Die unkalkulierbare Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Dürren oder Überflutungen durch die Erderwärmung sowie Unfälle wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima machen es deutlich: Ohne sich selbst und die Nachkommen zu gefährden, kann die Menschheit nicht weiterhin so viel und auf die Art und Weise Energie verbrauchen wie bisher.

Die Folgen der Erderwärmung sind spürbar

Die Emission der hauptsächlich für den Treibhauseffekt und damit die Erderwärmung verantwortlichen Gase Wasserdampf, Kohlendioxid, Lachgas, Methan und Ozon gelten als Gradmesser für die Schäden, die die vorherrschende Wirtschaftsweise dem Planeten zufügt. Dabei sind direkte Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland keine Zukunftsvision mehr: Hitzewellen, Stürme und Starkregen verursachen bereits heute beträchtliche volkswirtschaftliche Schäden.

Um die Erderwärmung und ihre negativen Folgen zu begrenzen, hat sich Deutschland gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 ehrgeizige Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen gesetzt. Die Grafik veranschaulicht das:

  • Reduktion um 40% bis 2020
  • Reduktion um 55% bis 2030
  • Reduktion um 70% bis 2040
  • Reduktion um 80 bis 95% (weitgehende Treibhausgasneutralität) bis 2050

Was die Grafik noch zeigt: Die Verfehlung des Ziels für 2020 ist bereits absehbar. Damit die Energiewende zum Erfolg wird, muss Deutschland seine Bemühungen also intensivieren. Am strategischen Fahrplan mangelt es nicht, allerdings zeigen die bisherigen Maßnahmen noch nicht die gewünschten Effekte.

Deutschlands Energiewende betrifft alle Bereiche

Die Energiewende für Deutschland besteht nicht nur aus der Einhaltung der ambitionierten Emissionsziele, sondern ist auch ein Innovationstreiber. Schließlich macht der verhaltene Fortschritt deutlich, dass es ohne innovative Ideen und deren konsequente Umsetzung nicht gehen wird. Die Energiewende ist also eine Chance zur Entwicklung neuer Technologien für Stromerzeugung, Wärme und Verkehr sowie für die intelligente Vernetzung dieser Sparten.

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Dazu müssen neben der Energietechnik ebenso die Informations-, Kommunikations-, Werkstoff- und Fahrzeugtechnik ihren Beitrag leisten. Kann sich Deutschland in diesen Gebieten eine Vorreiterrolle sichern, sind die Aussichten für die Zukunft gut. Denn die Energiewende ist ein langfristiges Vorhaben und fördert nachhaltige Technologien in allen Bereichen.

Neben der Sicherung der Stellung Deutschlands als Exportnation geht es bei der Energiewende um eine Steigerung der Versorgungssicherheit für die Bevölkerung. Schließlich ist das Land nach wie vor auf den Import fossiler Energieträger aus dem Ausland und die umstrittenen Atomkraftwerke angewiesen. Auch das Schließen von Versorgungslücken und die Abwendung steigender Verbraucherpreise gehören folglich zu den Zielen der Energiewende.

Welche Maßnahmen stehen hinter der Energiewende in Deutschland?

Alle Bereiche des privaten und wirtschaftlichen Lebens tragen zum Energieverbrauch bei. Die Stromerzeugung ist zwar ein wichtiger Ansatzpunkt für die Energiewende, jedoch müssen die Sektoren Verkehr und Wärme in absoluten Zahlen gemessen sogar einen größeren Beitrag zur Zielerfüllung leisten.

Die Maßnahmen für diese Sektoren lassen sich unter drei Stichpunkten zusammenfassen:

  • Umstieg auf erneuerbare Energien
  • Verbrauchsreduktion
  • Steigerung der Produktivität

Das heißt: Die Energiewende bedeutet nicht allein, auf die Nutzung von Energie zu verzichten. Der Rückgang des Energiekonsums ist nur eine Säule neben dem Umstieg auf erneuerbare Energien und der Effizienzsteigerung bei der Energienutzung.

Erneuerbare Energien: Windkraft und Solar stehen im Fokus

Der Wechsel auf erneuerbare Energien soll Emissionen direkt reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von Rohstoffimporten abbauen. Als erneuerbar oder regenerativ bezeichnen Experten alle Energieträger, die praktisch unbegrenzt vorhanden sind oder sich durch natürliche Prozesse regenerieren:

  • Wind- und Wasserkraft
  • Erdwärme
  • Sonnenstrahlung
  • Nachwachsende Rohstoffe (Biomasse)

Schon im Jahr 2025 sollen diese Quellen mindestens 40% zu unserer Stromversorgung beitragen. Dieses Ziel scheint nicht unerreichbar: Ende 2018 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix bei knapp 38%.1

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In Deutschland sind Windkraft und Solarstrom die günstigsten erneuerbaren Energien. Die Kosten für die Erzeugung von 1 kWh Strom liegen auf dem Niveau von Kohle- und Gaskraftwerken. Doch Wind und Sonne liefern ihre Energie im Gegensatz zu Verbrennungsprozessen weit weniger kontinuierlich. So werden mittelfristig weiterhin Kohle- und Gaskraftwerke den schwankenden Ertrag von Windkraftanlagen und Solarparks ausgleichen müssen. Langfristig sollen aber die übrigen erneuerbaren Energien diese Aufgabe übernehmen.

Auch die Infrastruktur zur Verteilung des Stroms muss sich den geänderten Voraussetzungen anpassen. Denn Windkraft lässt sich besonders gut an der Küste erzeugen, die energiehungrigen Regionen liegen aber im Westen und Süden. Deswegen gehört die Integration in ein leistungsfähiges europäisches Stromnetz zum Fahrplan für Deutschlands Energiewende.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

  • Energieerzeugung wird dezentraler: Vor allem kleine Erzeuger sollen verstärkt Strom in die Netze einspeisen.

  • Die Voraussetzung dafür bildet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): Es regelt die vorrangige Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien zu garantierten Vergütungssätzen.

  • Die daraus entstehenden Kosten tragen die Stromverbraucher durch die sogenannte EEG-Umlage: Intelligente Stromzähler sollen Stromangebot und -verbrauch so koordinieren, dass es weder zu Über- noch Unterversorgungen kommt.

Mehr Elektromobilität für die Verkehrswende

Im Bereich Verkehr geht es nicht nur um die Verringerung der Abhängigkeit von Treibstoffimporten und der Emissionen: Die Energiewende soll auch die in Deutschland traditionell starke Automobilindustrie bereit für die Zukunft machen. Wie das geht? Wächst die Zahl der Elektroautos und will die deutsche Automobilindustrie keine Marktanteile einbüßen, dann sind überzeugende Angebote gefragt:

  • Um die Zulassungszahlen von Hybridfahrzeugen und rein elektrisch betriebenen Autos zu steigern, gibt es umfangreiche Fördermaßnahmen.
  • Zu Kaufprämien von bis zu 4.000 Euro kommt die mehrjährige Befreiung von der Kfz-Steuer.
  • Mit dem Elektromobilitätsgesetz will die Bundesregierung das größte Hemmnis für die Verbreitung des elektrischen Antriebs beseitigen: die Infrastruktur. Das Gesetz ermöglicht es Kommunen, exklusive Parkplätze für Elektroautos mit Ladestationen auszustatten und beispielsweise Busspuren zum Befahren freizugeben.
  • Daneben fördert die Bundesregierung Forschungsaktivitäten zu alternativen Antriebskonzepten.

Die Erreichung des ursprünglichen für 2020 ausgegebenen Zieles von einer Million Elektroautos prognostizieren Experten für das Jahr 2022.2

Bei der Wärmewende sind die Privatleute gefragt

Anders als elektrische Energie lässt sich Wärme für Heizung und Trinkwasser nur unter sehr großem Aufwand über weite Strecken transportieren. In diesem Bereich setzt die Energiewende in Deutschland daher auf die Bildung regionaler Versorgungssysteme. Über Nah- und Fernwärmenetze sollen Wohngebiete ihre Wärme verstärkt aus großen Solarparks oder Holzfeuerungen beziehen.

Auch die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kann einen Beitrag leisten. Sie stellt gleichzeitig elektrische Energie und Wärme bereit. Ihr Einsatz bietet sich für solche Zeiten an, in denen Wärmebedarf besteht und elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen knapp ist.

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Die Effizienz dieser größeren Anlagen kann schon heute für günstigere Preise sorgen als die lokale Verfeuerung von Heizöl. Daneben bieten solche größeren Verbunde die Möglichkeit zur Umsetzung saisonaler Speicher. Diese halten die in den Sommermonaten im Überfluss vorhandene Wärme aus der Solarthermie bis in den Winter vor. Entsprechende Speicherlösungen für Privatanwender lassen dagegen noch auf sich warten.

Die Zielsetzung der Politik macht deutlich, dass es nicht nur um den Umstieg auf regenerative Energiequellen für die Wärmeerzeugung geht. Auch der Wärmebedarf soll deutlich reduziert werden. So werden Miet- und Kaufinteressenten durch die verpflichtenden Energieausweise für die Gebäudeeffizienz sensibilisiert.

Vor allem die Sanierungsrate von Bestandsgebäuden soll gesteigert werden. Derzeit wird pro Jahr lediglich eines von hundert Häusern saniert. Nach dem Willen der Politik sollten es aber doppelt so viele sein. Hier besteht ein erhebliches Optimierungspotenzial, denn ein unsanierter Altbau braucht viel mehr Heizenergie als ein Neubau3, zum Beispiel ein Niedrigenergie- oder Passivhaus.

Das Problem: Die große Menge der Bestandsgebäude wird sich kaum kurzfristig durch neue Gebäude ersetzen lassen. Stattdessen muss es die energetische Sanierung von Altbauten richten. Auch hier gibt es vielfältige Ansatzpunkte zum Umstieg auf regenerative Energiequellen zur Verringerung des Wärmebedarfs und zur effizienteren Nutzung der Energie.

Hohe Investitionen und die Komplexität der Vorhaben schrecken nach wie vor viele sanierungswillige Eigenheimbesitzer ab. Dem begegnet die Politik mit subventionierten Beratungsleistungen und Investitionszuschüssen oder Krediten für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Was bedeutet die Energiewende für die Privathaushalte in Deutschland?

Sie müssen aber gar nicht so tief in die Tasche greifen, wenn Sie Ihren persönlichen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten wollen. Oftmals reichen kleine Schritte aus, um einen wirkungsvollen Anfang zu machen. Wo Sie beginnen sollten, zeigt die Grafik:

Der Energieverbrauch der Privathaushalte nimmt mit 30% einen beachtlichen Anteil am deutschen Energiekonsum ein. Gleichzeitig machen Heizung und Warmwasser über drei Viertel des Energieverbrauchs der Privathaushalte aus. Das Bild fügt sich zusammen: Die Energiewende in Deutschland kann ohne die Mitwirkung der Privathaushalte nicht gelingen.

Energiewende in den eigenen vier Wänden leicht gemacht

  1. Überprüfen Sie Ihr Nutzerverhalten: Stoßlüften, statt das Fenster im Winter zu kippen und die passende Einstellung der Heizkörper; beides spart viel und kostet nichts.

  2. Verbessern Sie die bedarfsabhängige Wärmebereitstellung, indem Sie programmierbare Heizkörperthermostate einsetzen.

  3. Dämmen Sie die Kellerdecke und die oberste Geschossdecke, um unnötige und teure Wärmeverluste zu verhindern. Auch Heizungsrohre, die durch kalte Bereiche verlaufen, sollten Sie vor Wärmeverlusten schützen.

  4. Mit dem Wechsel in einen Ökostromtarif unterstützen Sie den Aufbau von Kapazitäten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und tun somit etwas für den Klimaschutz.

  5. Analysieren Sie Ihren Stromverbrauch und identifizieren Sie versteckte Verschwendungen wie Geräte im dauerhaften Stand-by oder stromfressende alte Waschmaschinen und zu große Kühlschränke.

  6. Tauschen Sie veraltete und ineffiziente Heizgeräte und Heizungspumpen aus. Eine Heizung gilt nach 15 Jahren bereits als technisch veraltet. Das gilt für knapp drei Viertel der Heizungen in Deutschland. Bedenken Sie, dass der Löwenanteil (und zwar ganze 84%) Ihres privaten Energieverbrauchs auf das Konto von Beheizung und Warmwasserbereitstellung geht. Daran sehen Sie, wie wichtig eine effiziente Heizung ist, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht.

  7. Denken Sie über die Nutzung von Photovoltaik oder Solarthermie nach. Bereits mit einer kleinen und kostengünstig erhältlichen Kollektorfläche können Sie mit Solarthermie die Heizung deutlich entlasten oder mit PV sogar zum Stromproduzenten werden.

Deutschlands Energiewende als Chance: Nutzen Sie die Förderangebote

Auch Deutschlands Politik weiß, dass das Engagement der Verbraucher kritisch für den Erfolg der Energiewende ist. Die Anreize für private Initiativen zur Steigerung der Energieeffizienz waren darum noch nie so groß wie heute.

Die staatlichen Förderangebote für die Heizung oder energetische Sanierung zum Beispiel, verwaltet von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), sorgen dafür, dass sich selbst größere Investitionen in die Energieeffizienz von Eigentumswohnung oder Haus in überschaubarer Zeit amortisieren.

Die Förderprogramme decken alle Maßnahmenarten der Energiewende ab:

  • Wer den Wärmebedarf durch Dämmmaßnahmen senkt,
  • in Form von Solarthermie oder Wärmepumpe auf erneuerbare Energien setzt
  • oder durch einen hydraulischen Abgleich die Wärmeausbeute verbessert, kann sich die Förderung sichern.

Damit es am Ende nicht am Förderantrag scheitert, sollten Sie sich fachkundig beraten lassen. Auch für Beratungsleistungen können Sie übrigens Fördermittel in Anspruch nehmen.

 

Die Bundesregierung: Energiewende im Überblick

Zeit Online: Regierung verfehlt Ziel für Elektroautos

Auswärtiges Amt: Die deutsche Energiewende

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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