Kundenhotline
08751 / 74 – 1183

Sparsam und nachhaltig heizen im Altbau

Heizungen verbrauchen viel Energie: Die Beheizung der Wohnung und die Aufbereitung von Warmwasser nimmt mit 70% den Löwenanteil des Energieverbrauchs privater Haushalte ein. Im Jahr 2016 gab ein Haushalt durchschnittlich 2.600 Euro für die Energieversorgung aus*. Und je älter das Gebäude und die Geräte, desto höher natürlich die Kosten. Ob einfache Heiztipps, Dämmung erneuern oder Heizung austauschen: Wir zeigen, wie Sie im Altbau Ihre Heizkosten deutlich senken.

Inhaltsverzeichnis

  1. Großer Modernisierungsbedarf im Gebäudebestand
  2. Energetische Eigenschaften von Altbauten
  3. Besonders im Altbau entscheidend: Ihr Heizverhalten
  4. So optimieren Sie die bestehende Heizung im Altbau
  5. Moderne Technologien für das Heizen im Altbau
  6. Förderangebote machen das Heizen im Altbau zukunftssicher

Teilweise reichen vergleichsweise kleine Vorkehrungen. In manchen Fällen machen Sie aber das beste Geschäft, wenn Sie sich für eine konsequente energetische Sanierung entscheiden. Dieser Beitrag ist der Startpunkt für Ihr persönliches Sparprogramm beim Heizen im Altbau.

Großer Modernisierungsbedarf im Gebäudebestand

Ein Haus aus den 1940er Jahren benötigt circa doppelt so viel Energie wie ein vergleichbares Gebäude mit Baujahr ab 20001. Das zeigt, wie sehr sich die Baustandards in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Gut die Hälfte der deutschen Wohngebäude wurden vor 1970 gebaut2. Ein beachtlicher Anteil dieser älteren Gebäude wurde zwar mittlerweile teil- oder vollsaniert. Doch die Übersicht verdeutlicht: Bei vielen Altbauten steht eine vollständige energetische Sanierung noch aus.

Es lässt sich aber auch eine positive Botschaft ablesen: Bereits durch geringfügige Modernisierungsmaßnahmen können Sie den Energieverbrauchskennwert Ihres alten Hauses deutlich senken und dadurch dauerhaft Kosten beim Heizen sparen.

Neben dem Zustand der Gebäudehülle ist die Heizanlage entscheidend für Ihre laufenden Kosten für Raumwärme und Warmwasser. Nach wie vor bringen die fossilen Energieträger Öl und Gas gut drei Viertel der bestehenden Gebäude auf Temperatur3. Zweifellos arbeiten in vielen Gebäuden bereits moderne Brennwertanlagen – doch trotz gesetzlicher Austauschpflichten befinden sich noch viele alte Geräte im Betrieb.

Möchten Sie Geld investieren, um Ihren Altbau mit einer neuen Heizungsanlage und weiteren energetischen Maßnahmen langfristig günstig und umweltverträglich zu heizen, bietet der Markt attraktive Lösungen. Doch nicht immer müssen Sie ältere Heizungsanlagen gleich austauschen. Es gibt viele Möglichkeiten, mit geringem Aufwand die Kosten für das Heizen im Altbau zu senken. Dazu kommen wir gleich.

Energetische Eigenschaften von Altbauten

Mit Gebäuden verhält es sich wie mit ihren Bewohnern: Alle haben sie ihre Eigenheiten. Dennoch gibt es einige allgemeine Merkmale, die Altbauten von Neubauten abheben. Dabei geht es nicht etwa um Dinge wie den besonderen Charakter alter Fassaden, sondern um die energetischen Qualitäten der Bauwerke.

Schlechte Dämmung

  • Viele Altbauten weisen verhältnismäßig schlecht gedämmte Wände und Fenster auf.

  • Die fehlende oder mangelhafte Dämmung ist dafür verantwortlich, dass ein großer Anteil der Wärme aus dem Wohnraum nach außen verloren geht.

  • Das zeigt sich darin, dass die Innenflächen der Außenwände relativ kühl bleiben.

  • Kondensiert hier warme Luft, kann die entstehende Feuchtigkeit zu Schimmel führen.

  • Sind die betroffenen Wandflächen dann noch durch Möbel oder andere Gegenstände verdeckt, sodass die Luftzirkulation gestört ist, steigt das Schimmelrisiko weiter.

Noch dazu integrierten ältere Architektengenerationen zusätzliche Schwachstellen in die Gebäudehülle. Die sogenannten Heizkörpernischen in den Außenwänden, die meist unterhalb der Fenster eingelassen sind, nehmen auch alte, voluminöse Heizkörper auf. Das bietet zwar Freiheiten für die Einrichtung der Räume, schafft aber auch unerwünschte Wärmebrücken. Abhilfe verspricht eine zusätzliche Dämmung.

Hohe Decken

Viele schätzen sie als Alleinstellungsmerkmal von Altbauten: hohe Decken. Doch diese Besonderheit äußert sich nicht nur in einem besonderen Raumgefühl, sondern oft auch in erhöhten Kosten für das Heizen im Altbau. Denn im Vergleich zu einem Raum gleicher Grundfläche mit den heute üblichen Raumhöhen von 2,5 Metern haben Altbauräume mit Deckenhöhen von über 3 Metern einen deutlich höheren Rauminhalt.

Schon allein deswegen benötigen solche Räume mehr Wärmeenergie, um die Wohlfühltemperatur zu halten. Zusätzlich sorgt das physikalische Prinzip der Konvektion dafür, dass warme Luft nach oben steigt. Das Ergebnis ist eine ungleiche Verteilung der Wärme im Raum. Bei den Bewohnern äußert sich das in einer unvorteilhaften Kombination: Wähnt man sich mit dem Kopf in der Karibik, fühlen sich die Füße eher nach Antarktis an.

Veraltete Heizungstechnik

  • Öl- und Gasheizungen sind die vorherrschenden Wärmeerzeuger in Bestandsbauten.

  • Bei korrekter Auslegung des Heizsystems und guter Wartung können Sie die zentralen Komponenten durchaus 20 Jahre einsetzen.

  • Doch werden Heizungen gegen Ende ihrer Lebensdauer immer unzuverlässiger, sodass ein plötzlicher Defekt droht.

  • Reparaturen lohnen sich dann oft nicht mehr, weshalb ein Austausch fällig wird.

  • Nicht zuletzt wegen der deutlich überlegenen Energieeffizienz moderner Heizungen sollten Sie daher rechtzeitig über einen Austausch nachdenken.

Besonders im Altbau entscheidend: Ihr Heizverhalten

Die Voraussetzungen für das Heizen sind im unsanierten Altbau also nicht ideal. Dennoch können Sie ein bisschen was bewirken. Das eigene Heizverhalten ist einer der Punkte, die Sie relativ einfach beeinflussen können. So lassen sich auch im Altbau mit ein paar Tipps und Tricks Heizkosten senken.

Normalerweise ist die natürliche Reaktion auf einen als zu warm oder zu kalt wahrgenommenen Raum der Gang zum Heizkörper. Über das Drehen am Heizkörperthermostat können Sie die gewünschte Zieltemperatur im Raum einstellen. Das Thermostat passt die Durchflussmenge des Heizungswassers selbstständig an, um die eingestellte Temperatur zu halten.

Praxistipp: Konstante Temperaturen

  • Temperaturschwankungen durch häufiges Hoch- und Herunterregeln treiben den Energieverbrauch in die Höhe.

  • Doch gerade im Altbau mit höheren Decken dauert es länger, bis sich Ihre Zieltemperatur im Raum einstellt.

  • Dass der Raum wegen des höheren Luftvolumens träge auf Temperaturveränderungen reagiert, erhöht die Neigung zum wilden Drehen am Thermostat.

  • Heizen Sie Ihren Altbau auf diese Weise, sind hohe Kosten unausweichlich.

  • Um dem zu entgehen, sollten Sie für jeden Raum eine Solltemperatur festlegen und diese möglichst stabil halten.

Solltemperaturen festlegen

Wenn Sie sich bewusst machen, dass nicht jeder Raum dieselbe Temperatur benötigt, haben Sie bereits viel gewonnen. Einen Anhaltspunkt für die Thermostateinstellung gibt die Tabelle mit anerkannten Richtwerten für unterschiedliche Räume. Bei einem herkömmlichen Thermostat mit fünf Stufen entspricht übrigens Stufe drei circa 20°C Raumtemperatur.

Senken Sie die Raumtemperatur nur um 1°C ab, können Sie den Energieverbrauch um 6% verringern. Ein weiterer Tipp: Lassen Sie die Türen zwischen Räumen mit unterschiedlichen Temperaturen geschlossen, um Temperaturverluste zu vermeiden.

Raum Zieltemperatur
Wohnzimmer
20 bis 22°C
Schlafzimmer
16 bis 18°C
Küche
18 bis 20°C
Badezimmer
24 bis 26°C
Abstellraum, Flur und ähnliches
17 bis 18°C

Zusätzlich können Sie vor dem Zubettgehen die Temperatur in den einzelnen Räumen nach unten regeln. Dabei gilt es aber zwei Dinge zu beachten: Erstens sollte die Temperatur in keinem Raum der Wohnung dauerhaft unter 17°C liegen, da sonst das Schimmelrisiko erheblich ansteigt.

Zweitens sollten Sie bei jeder Absenkung der Temperatur abwägen: Zwar spart die niedrigere Temperatur über Nacht Energie ein, doch gleichzeitig kühlen Luft, Wände und Einrichtung aus. Damit sich am nächsten Tag wieder die angestrebte Temperatur im Raum einstellt, muss mehr Wärme durch den Heizkörper fließen. Wie Sie das Heizkörperthermostat optimal einstellen, erfahren Sie im entsprechenden Artikel.

Nutzen Sie am besten moderne programmierbare Heizkörperthermostate, um komfortabel die Kosten für das Heizen im Altbau zu senken. Alles zum Thema lesen Sie in unserem Beitrag „Elektronisches Thermostat einsetzen“.

Lüften nicht vergessen

Zum Heizen gehört auch immer das Lüften. Der regelmäßige Austausch der Raumluft ist prinzipiell über das ganze Jahr entscheidend für das Wohlbefinden. Im Winter erfüllt Lüften jedoch noch weitere Zwecke.

Lüften im Winter wirkt gleich zweifach: Gegen Schimmelbildung und gegen hohe Heizkosten. Verbrauchte, feuchte Luft lässt sich nämlich schwerer erwärmen als trockene. Sorgen Sie am besten für Durchzug, indem Sie über fünf Minuten zwei gegenüberliegende Fenster oder Türen öffnen. Das reicht für den Luftaustausch und verhindert, dass Wände und Böden auskühlen.

So optimieren Sie die bestehende Heizung im Altbau

Alte Heiztechnik und unzureichende Dämmung sind zwar die Merkmale, die das Heizen im Altbau teuer machen. Ihre Heizkosten können Sie jedoch noch weiter senken, ohne dass dafür größere Änderungen an Gebäudehülle und Anlagentechnik erforderlich wären. So empfehlen Experten die folgenden Optimierungsmaßnahmen:

  1. Hydraulischen Abgleich durchführen lassen

    Lassen Sie von einem Heizungsbauer einen hydraulischen Abgleich durchführen. Dabei wird die Heizung so auf die Wärmebedürfnisse eingestellt, dass nur die Energie erzeugt und verteilt wird, die auch benötigt wird. Eine neue Einstellung der bestehenden Heizung ist besonders wichtig, falls Sie Ihre Dämmung verbessert haben.

  2. Heizungsrohre dämmen

    Gerade im Altbau verlaufen Heizungsrohre oft durch nicht beheizte Gebäudeteile wie den Keller. Die Heizungsrohre können Sie dämmen lassen, um Wärmeverluste zu vermeiden.

  3. Heizungswartung durchführen lassen

    Ältere Heizungsanlagen können effizient und zuverlässig arbeiten – vorausgesetzt ein Profi überprüft bei einer regelmäßigen Heizungswartung die ordnungsgemäße Funktion und passt die Einstellungen an.

  4. Heizungspumpen tauschen lassen

    Heizungen verbrauchen nicht nur Brennstoffe wie Öl oder Gas, sondern auch Strom. Die strombetriebene Pumpe einer Heizung befördert das warme Heizungswasser vom Wärmeerzeuger bis zu den Heizkörpern. Lassen Sie einen Heizungsbauer prüfen, ob Sie Ihre Heizungspumpe tauschen sollten: Moderne Pumpen sparen gegenüber älteren Generationen bis zu 80% der Stromkosten ein.

Mit der beschriebenen Anpassung Ihres Heizverhaltens und kleineren Optimierungen am Heizsystem senken Sie unkompliziert die Kosten für das Heizen im Altbau. Doch früher oder später führt bei älteren Gebäuden am Austausch der bestehenden Heizung kein Weg vorbei. Steigen Brennstoffverbrauch und Reparaturaufwand stark an, dann stellt meist der Austausch der Heizungsanlage die wirtschaftlichere Lösung dar.

Moderne Technologien für das Heizen im Altbau

Kleine Spartipps reichen bei Ihrer Heizung nicht mehr aus? Auch für den Altbau mit seinem meist höheren Wärmebedarf bietet der Heizungsmarkt attraktive, effiziente Heizlösungen.

Heizungsbauer finden

Finden Sie hier den idealen Heizungsbauer für Ihre Heizung! Direkt in Ihrer Nähe und spezialisiert auf Ihr Anliegen!

In Ihrem Altbau nutzen Sie bisher sicherlich entweder eine Öl- oder eine Gasheizung. Denn das sind die verbreitetsten Wärmeerzeuger in Bestandsgebäuden. Während Experten die Zukunft von Heizöl kritisch sehen, gilt eine Gasheizung nach wie vor als gute Option beim Heizungstausch.

Umstieg auf erneuerbare Energien

Selbst der Umstieg auf erneuerbare Energien ist möglich: Pelletheizungen eignen sich vor allem als Ersatz für eine Ölheizung, da Sie die Heizöl-Lagerstätte zum Pelletlager umfunktionieren können. Für manche Anwender sind auch Stückholzkessel eine interessante Alternative. Diese sind wegen der fehlenden automatischen Brennstoffzufuhr jedoch weniger komfortabel.

Kombikessel für Stückholz und Holzpresslinge stellen einen guten Kompromiss dar. Durch die verhältnismäßig günstigen Brennstoffkosten können Sie mit diesen Systemen auch wärmehungrige ältere Gebäude wirtschaftlich beheizen.

Wärmepumpe im Altbau

Wohnen Sie in einem Altbau mit moderner Dämmung, sollten Sie sich Gedanken über das Heizen per Wärmepumpe machen. Diese nutzt die in Luft, Erde oder Wasser enthaltene Wärmeenergie. Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe ist ein niedriger Wärmebedarf des Gebäudes.

Praxistipp: Innovative Heizmethoden im Altbau

  • Innovative Technologien wie die Solarthermie oder Wärmepumpen lassen sich in vielen Fällen einfacher in das bestehende Heizsystem integrieren als gedacht.

  • Mit ihrer Hilfe können auch bestehende Öl- und Gasheizungen zu einer nachhaltigen Lösung werden.

  • Die Grundversorgung mit Warmwasser und Raumwärme übernehmen dann die Solaranlage und die Wärmepumpe.

  • Denn diese arbeiten bei geringer Last besonders effizient.

  • Der Ölkessel oder die Gastherme schalten sich dagegen bei einem erhöhten Wärmebedarf dazu.

Förderangebote machen das Heizen im Altbau zukunftssicher

Nur mit dem Austausch des alten Wärmeerzeugers ist es im Altbau in der Regel nicht getan, wenn Sie konsequent Heizkosten sparen möchten. Denn moderne Heizungen arbeiten mit niedrigeren Systemtemperaturen als ältere Geräte. Dadurch werden meist Anpassungen am Abgassystem einerseits und am Dämmstandard andererseits erforderlich. Auch die Größe der Heizflächen müssen Sie beim Umstieg auf eine moderne Heizung gelegentlich optimieren.

Das BAFA und die KfW unterstützen finanziell, wenn Sie Ihre Heizung modernisieren oder Ihren Altbau energetisch sanieren möchten. Zum Beispiel bietet die KfW die Programme "Energieeffizient Sanieren – Kredit" oder "Energieeffizient Sanieren – Investitionszuschuss". Mehr zur Förderung lesen Sie unter „BAFA Förderung: Die Heizung staatlich fördern lassen“ und „KfW-Fördermittel: Finanzielle Unterstützung für Ihr Traumhaus“.

Mehr zu den Anforderungen neuer Heizungen an den Altbau haben wir im Beitrag „Neue Heizung, aber welche?“ für Sie zusammengestellt. Hier lesen Sie auch, für welche Heizarten sich Sanierer am häufigsten entscheiden.

* Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Energiekosten der privaten Haushalte Deutschland

1 Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V.: Typische Energieverbrauchskennwerte deutscher Wohngebäude

2 Destatis: Gebäude- und Wohnungsbestand in Deutschland

3 Agentur für erneuerbare Energien e.V.: Beheizungsstruktur deutscher Haushalte im Alt- und Neubau

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

Verwandte Artikel

Welche Fördermittel gibt es für die Heizung?

Effiziente Heizungen und erneuerbare Energien werden gefördert. Diese Optionen gibt’s
Weiterlesen

Heizungsrohre dämmen und damit Kosten senken

Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Heizungsrohre dämmen und so deutlich Kosten sparen.
Weiterlesen

Energieberatung: Kosten und Möglichkeiten

Eine professionelle Energieberatung lohnt sich in den meisten Fällen. Lesen Sie mehr!
Weiterlesen
Bewerten Sie den Artikel
Datenschutz-Hinweis Bitte beachten Sie unsere Informationen und Hinweise zum Datenschutz.