Die meisten Deutschen heizen mit Gas. Doch im Neubau hat die Wärmepumpe längst die Nase vorn: Bereits seit 2022 ist sie das System, das am meisten eingebaut wird.1 Eine neue Gasheizung rentiert sich durch moderne Brennstofftechnik oft im Gegensatz zu einem älteren Kessel. Doch wann lohnt es sich heute noch eine neue Gasheizung zu kaufen? Und wann investieren Sie besser direkt in eine Wärmepumpe? Erfahren Sie es in diesem Beitrag.
Neue Gasheizung: Darauf kommt es an

Das Wichtigste im Überblick
Neue Gasheizungen setzen Brennwerttechnik ein: Diese nutzt die Abgaswärme (Kondensation) und senkt so den Brennstoffverbrauch spürbar.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) schreibt keine bestimmte Technologie für neue Heizungen vor. Für neu eingebaute Gasheizungen gilt aber ab 2029 die Bio-Treppe.
Ein festes gesetzliches Enddatum für den Betrieb bestehender Gasheizungen gibt es nicht mehr. Durch die Bio-Treppe dürften die Betriebskosten neu installierter Gasheizungen aber schrittweise steigen.
In den meisten Fällen ergibt es Sinn, direkt auf die Wärmepumpe als einziges Heizsystem umzusteigen, statt eine neue Gasheizung zu kaufen.
Heizen mit Gas im Neubau und Bestandsbau möglich
Eine neue Gasheizung kann sowohl einen modernen Neubau beheizen als auch im Gebäudebestand eine veraltete Heiztechnik ersetzen. Die Wahl des Heizsystems unterliegt den Vorgaben des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Dieses schreibt keine bestimmte Technologie vor, verpflichtet Betreiber neu eingebauter Gasheizungen aber ab dem Jahr 2029 über die Bio-Treppe zu einem steigenden Anteil an Bio-Brennstoffen. Entscheiden Sie sich stattdessen für eine Wärmepumpe, können Sie zudem von den aktuellen Förderungen durch den Staat profitieren.
Heizungsberatung starten
Heizsysteme, die wirklich zu Ihrem Zuhause passen
Persönliche Beratung vom Fachpartner in Ihrer Nähe
Fördermöglichkeiten optimal nutzen
Keine Austauschpflicht für alte Heizungen
Unter dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) besteht keine gesetzliche Pflicht, eine Gasheizung allein aufgrund ihres Alters auszutauschen, auch nicht für ältere Konstanttemperatur-Kessel oder bei einem Eigentümerwechsel.
Ebenso existiert kein Betriebsverbot für bestehende Gasheizungen.
Ihr Schornsteinfeger prüft die Anlage im Rahmen der Feuerstättenschau aber weiterhin regelmäßig.
Generell sollten Sie, wenn Ihre Heizung schon mehr als 20 Jahre alt ist, über einen Austausch nachdenken. Die Störanfälligkeit steigt und auch die Reparaturen kosten immer mehr. Wenn die Heizung mitten im Winter ausfällt, haben Sie die Herausforderung, schnell einen Ersatz zu bekommen. Ein gut vorbereiteter Heizungstausch im Sommer gelingt meist entspannter. Außerdem amortisiert sich ein neues System durch geringere Betriebskosten.
Vorteile der Brennwerttechnik nutzen
Eine neue Gasheizung scheint zunächst die einfachste Möglichkeit zu sein: Sie kennen das System bereits und nutzen mit einer modernen Brennwertheizung den Energiegehalt des Brennstoffs Erdgas optimal aus. In vielen Fällen ist eine alte Heizung zudem nicht optimal hydraulisch abgeglichen. Auch das verursacht Mehrkosten. Dieses Problem behebt der Heizungsbauer im Zuge der Modernisierung gleich mit.
Doch durch die Bio-Treppe dürften die Betriebskosten einer neu eingebauten Gasheizung mit der Zeit weiter steigen. Vor diesem Hintergrund ergibt es in der Regel viel mehr Sinn, direkt auf eine Wärmepumpe umzusteigen – inklusive der bereits erwähnten Fördermöglichkeiten.
Fragestellungen rund um die neue Gasheizung
Sie liebäugeln trotzdem mit dem Einbau einer neuen Gasheizung? Dann sollten Sie für eine endgültige Entscheidung folgende Punkte in Ihre Überlegungen miteinbeziehen.
Gasanschluss vorhanden?
Die Grundvoraussetzung für eine neue Gasheizung ist ein Gasanschluss oder ein Flüssiggastank. Wenn Sie von einem anderen Energieträger auf Gas umsteigen, müssen Sie zunächst prüfen, ob eine Gasleitung vorhanden ist. Wenn keine Gasleitung in der Umgebung existiert, bietet Flüssiggas eine Alternative. Hier stellt sich die Frage, ob Ihr Grundstück ausreichend Platz für einen Gastank bietet. Lassen Sie sich beraten, ob eine Investition in die Wärmepumpe nicht sinnvoller ist.
Heizleistung angepasst?
Wichtig ist die Frage nach der richtigen Größe der Heizung. Ist die Leistung zu klein, kann es an extrem kalten Tagen passieren, dass die Energie nicht für alle Räume im Gebäude ausreicht und es dort kühl bleibt. Um das zu vermeiden, wurde die Heizung in der Vergangenheit oft überdimensioniert. Aber das geht auf Kosten der Effizienz, erhöht unter Umständen das Takten und verringert so die Lebensdauer der Heizung.
Besonders viel Planung erfordert die korrekte Auslegung, wenn Sie neben der Heizungssanierung auch weitere energetische Maßnahmen planen. Eine verbesserte Dämmung oder neue Fenster und Türen verringern den Heizenergiebedarf Ihres Hauses und damit auch die Nennleistung, die Ihre neue Gasheizung aufweisen sollte.
Heizungsbauer finden
Erneuerbare Energien ergänzen?
Ob Sie bei einer neuen Gasheizung zusätzlich erneuerbare Energien einsetzen, bleibt laut GModG Ihnen überlassen. Eine Warmwasser-Wärmepumpe kann beispielsweise ergänzend nur das Wasser erwärmen, sodass die Gasheizung weniger Brennstoff benötigt. Wenn Sie später komplett auf eine Wärmepumpe umsteigen möchten, können Sie das Gasheizgerät zur Beheizung entsprechend kleiner dimensionieren.
Alternativ lassen Sie direkt eine Wärmepumpe als alleiniges System einbauen. Denn diese heizt auch Bestandsgebäude zu jeder Zeit zuverlässig. Eine Wärmepumpe hat gleich mehrere Vorteile: Sie ist günstig im Betrieb, unabhängig von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe und zukunftssicher.
Abgassystem weiterverwenden?
Wenn Sie eine alte Gasheizung oder eine alte Ölheizung durch moderne Gas-Brennwerttechnik ersetzen, ist ein Schornstein schon vorhanden. In aller Regel können Sie diesen weiterhin nutzen, indem der Heizungsfachbetrieb ein neues Abgasrohr aus Kunststoff in den alten Schornstein einbaut.
Wenn das nicht geht oder bisher keine Abgasleitung im Aufstellungsraum der Heizung vorhanden ist, gehört die Planung der Abgasführung zu den Arbeiten im Vorfeld der Sanierung.
Vorlauftemperatur im grünen Bereich?
Auch die Frage der Dimensionierung der Heizkörper spielt eine Rolle. Denn eine neue Gasheizung funktioniert nur dann optimal, wenn die Vorlauftemperatur nicht zu hoch ist.
Wenn Sie eine Fußbodenheizung haben, müssen Sie sich in diesem Punkt keine Gedanken machen. Denn dann ist die Vorlauftemperatur sowieso niedrig und die Effizienz entsprechend hoch.
Exkurs: Wie funktioniert die Brennwerttechnik?
Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen neben der Wärme hauptsächlich CO2 und Wasser.
Das Wasser befindet sich in Form von Wasserdampf im Abgas der Heizung.
Die Brennwerttechnik nutzt auch die in dem Wasserdampf gespeicherte Wärme.
Das geschieht dadurch, dass sich das Abgas im Wärmetauscher des Kessels so weit abkühlt, bis der Wasserdampf zu Wasser kondensiert.
Denn bei der Kondensation wird zusätzlich Wärme frei.
Damit die Kondensation stattfinden kann, muss sich das Abgas auf etwa 60°C abkühlen.
Die Vorlauftemperatur der Heizung sollte daher auch nicht höher sein.
Diese Kosten kommen für die neue Gasheizung auf Sie zu
Neben den Anschaffungskosten für das Brennwertgerät müssen Sie mit weiteren Kosten rechnen, wenn Sie sich eine neue Gasheizung einbauen lassen. Welche das sind, haben wir Ihnen hier aufgeschlüsselt.
Die Gasheizung: Zuverlässige Technologie mit starker Konkurrenz
Eine neue Gasheizung für Ihr Haus bringt aktuell nur noch bedingt Vorteile mit sich. Sie nutzen zwar eine Ihnen vielleicht bekannte Technik und senken Ihre laufenden Kosten gegenüber einem alten Kessel. Der Nachteil fällt aber deutlich ins Gewicht: Durch die ab 2029 geltende Bio-Treppe dürften die Betriebskosten neu eingebauter Gasheizungen mit der Zeit weiter steigen. In den meisten Fällen ist eine Wärmepumpe als alleiniger Wärmeerzeuger sinnvoller. Sie sind sich noch unsicher? Wir beraten Sie gerne kostenlos und unabhängig zu Ihren Optionen.
In 3 Schritten zur neuen Heizung
Beratungsanfrage schicken
Vermittlung zum Heizungsbauer
Installation der Heizung

Dr. rer. nat. Jens-Peter Meyer
Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.


