Um im Kampf gegen den Klimawandel voranzukommen, hat die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen. Im Bereich Wohnen und Wärme (Gebäude) will sie große CO2-Einsparungen erreichen, indem sie die Bevölkerung durch Förderungen für umweltfreundliche Lösungen motiviert. Aber auch beim Strom und im Verkehrssektor kommen Änderungen auf Sie zu. Lesen Sie weiter, um mehr über die konkreten Ziele und Maßnahmen zu erfahren.
Klimaziele für Deutschland: Was die Bundesregierung in allen Sektoren plant

Wie lauten die Klimaziele von Deutschland?
Die Wissenschaft ist sich einig: Um die Auswirkungen des Klimawandels auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, darf die Durchschnittstemperatur auf der Erde nicht mehr als 1,5 bis 2°C ansteigen. Dafür sollen die Staaten weltweit in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasen und deren Abbau erreichen. Das hat die internationale Gemeinschaft im Pariser Klimaabkommen 2015 vereinbart.
Die Bundesregierung hat als eine der ersten Regierungen schon im November 2016 die Klimaziele für das Land im Klimaschutzplan 2050 festgelegt. Und mit der neuesten Novelle lautet Deutschlands Ziel, schon ab dem Jahr 2045 weitgehend treibhausgasneutral zu sein. Das heißt, dass die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2040 verglichen mit dem Basisjahr 1990 um 88% sinken sollen.1 Für das Jahr 2030 beträgt die Zwischenetappe für das Klimaziel in Deutschland -65%.
Was die Klimaziele Deutschlands genau beinhalten und wie es um die Erreichung gegenwärtig steht, können Sie im Folgenden nachlesen.
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Klimaziel für das Jahr 2020 erreicht, doch der Weg bleibt steinig
Bis zum Jahr 2020 war geplant gewesen, den Ausstoß von Treibhausgasen um 40% gegenüber dem Basisjahr zu reduzieren. Dafür hatte die Bundesregierung das spezielle Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 geschaffen. Lange bestand die Befürchtung, dass Deutschland das Etappen-Klimaziel für 2020 deutlich verfehlen würde. Denn in den Jahren 2011 bis 2017 konnten wir so gut wie keine Verbesserungen erzielen. In manchen Jahren waren die Emissionen sogar leicht angestiegen.

In den Jahren 2018 und 2019 gelang dann eine Trendwende. Nach Angaben des Umweltbundesamtes betrugen die deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2019 nur noch 810 und im Jahr 2020 noch 729 Millionen Tonnen. Diese Angabe fasst alle Treibhausgase in CO2-Äquivalenten zusammen.
Lange schien das 40%-Ziel für 2020 unerreichbar. Dann sorgten die Coronavirus-Pandemie und der Einbruch der Wirtschaft dafür, dass Deutschland es doch noch erreichte. Nachhaltig war das zunächst nicht: Mit dem Aufschwung stiegen die Emissionen 2021 wieder an. In den Folgejahren sanken sie jedoch deutlich, auf 649 Millionen Tonnen im Jahr 2024. Bis 2030 muss Deutschland laut Klimaschutzgesetz auf 438 Millionen Tonnen kommen, das sind nochmal rund 210 Millionen Tonnen weniger als heute.
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Anstrengungen für Deutschlands Etappen-Klimaziel 2030 verstärkt
Jetzt muss Deutschland die nächste Etappe der Klimaziele konsequent angehen, wie sie für das Jahr 2030 im Klimaschutzgesetz festgelegt sind. Dieses trat Ende 2019 in Kraft und bildet die Grundlage für das Klimaschutzprogramm 2030, in dem die Bundesregierung konkrete Maßnahmen veranlasst hat. Für die einzelnen Sektoren gibt das Gesetz verbindliche Minderungspfade vor. Seit der Novelle 2024 prüft die Bundesregierung die Zielerreichung allerdings nicht mehr für jeden Sektor einzeln, sondern mehrjährig und sektorübergreifend.
Mit diesem Vorgehen will die Bundesregierung die folgenden Klimaschutzziele für das Jahr 2030 in Deutschland gewährleisten.

Bei den betroffenen Sektoren handelt es sich im Wesentlichen um die Mobilität, Gebäude, Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Industrie sowie Abfallwirtschaft und Sonstiges. Einmal im Jahr überprüft ein Expertenrat, ob die Maßnahmen ausreichen und ob Deutschland die Zwischenziele bei den Emissionen erreicht hat. Wenn nicht, müssen die zuständigen Bundesministerien Sofortprogramme zur Nachbesserung vorlegen.
Je nach Sektor fallen nicht nur die Reduktionsziele bei den Emissionen, sondern auch die weiteren Maßnahmen unterschiedlich aus. Sektorübergreifend verteuert die CO2-Steuer fossile Brennstoffe seit 2021. Der Preis startete bei 25 Euro pro Tonne CO2 und stieg bis 2025 auf 55 Euro. Seit 2026 bildet er sich in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Bei einem Preis von 65 Euro verteuert sich Heizöl um rund 20,7 Cent pro Liter, Erdgas um bis zu 1,55 Cent pro Kilowattstunde (jeweils inklusive Mehrwertsteuer).
Klimaschutzmaßnahmen bei Wohnen und Wärme
Im Bereich Wohnen und Wärme beziehungsweise Gebäude hat sich im Hinblick auf die Energiewende in der Vergangenheit viel zu wenig getan. Trotz der milden Winter ist der CO2-Ausstoß der Heizungen in Deutschland zuletzt sogar angestiegen. Deshalb setzt die Bundesregierung auf Förderung. Damit will sie mehr energetische Sanierungen und energetisch effiziente Neubauten unterstützen. Das soll die Deutschen dazu anregen, mehr mit erneuerbaren Energien betriebene Heizungen zu installieren.
Die BEG-Förderung bietet attraktive finanzielle Unterstützung. Im Bestandsgebäude erhalten Sie hohe Zuschüsse und attraktive Kredite für Wärmepumpen, Solarthermieanlagen, Biomassekessel, Erneuerbare Energien Hybridheizungen und Gas-Hybridheizungen. Der Ölkesseltausch-Bonus soll zudem den Austausch alter Ölheizungen attraktiver machen.

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Neue Öl- und Gasheizungen sind weiterhin erlaubt. An eine neue Heizung wird seit 2024 aber die Anforderung gestellt, dass sie zu mindestens 65% mit erneuerbaren Energien läuft. Diese Pflicht greift zunächst nur in Neubaugebieten. Für Bestandsgebäude gilt sie erst nach der kommunalen Wärmeplanung, in Großstädten ab November 2026, in kleineren Kommunen ab Mitte 2028.
Seit Beginn 2020 können Sie auch die Kosten einer Heizungssanierung von der Steuer absetzen. Die BEG-Fördermittel sind jedoch in der Regel höher als die Abschreibungen. Und Sie können nicht beides in Anspruch nehmen. Daher ist die Förderung in den meisten Fällen die bessere Lösung – wenn Sie sie rechtzeitig beantragen.
In Städten sind verstärkt Wärmenetze geplant. Außerdem gelten seit 2024 höhere Anforderungen an die energetischen Standards von Neubauten.
Klimaziele für Energieerzeugung und Energieverbrauch
Dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland überhaupt seit 1990 nennenswert gesunken sind, liegt vor allem an der Stromerzeugung. Denn mittlerweile erzeugen die erneuerbaren Energien in Deutschland schon mehr als die Hälfte des Stroms. Besonders die Windenergie liefert große Mengen an klimafreundlichem Strom.

Im Sektor Energiewirtschaft soll der Kohleausstieg dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Spätestens 2038 soll keine Kohleverstromung mehr stattfinden.1
Bis zum Jahr 2030 sollen die erneuerbaren Energien laut dem novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetz mindestens 80% des Bruttostromverbrauchs decken.2 Neue wesentliche Maßnahmen, um mehr Solarstrom und Windenergie in das Stromnetz zu bringen, sind bisher aber nicht geplant.
Um Endverbraucher zu entlasten, ist die EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 auf null gesenkt und Anfang 2023 vollständig abgeschafft worden. Den Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert der Bund seitdem aus dem Klima- und Transformationsfonds.3 Ziel davon ist es, die Sektorenkopplung zu verbessern. Damit ist gemeint, dass mehr Strom in den Sektoren Wärme und Mobilität zum Einsatz kommen soll. Das betrifft zum Beispiel Elektroautos, die dadurch wirtschaftlicher werden, genauso wie Wärmepumpenheizungen.
Außerdem will die Bundesregierung die Bedingungen für Stromspeicher verbessern. Denn Solar- und Windstrom schwanken zeitlich in der Erzeugung. Je mehr von diesen schwankenden Strommengen in die Netze fließt, desto wichtiger wird die Speicherung für die stromarmen Zeiten.
Exkurs: Warum CO2-Äquivalente?
CO2 ist das wichtigste, aber nicht das einzige problematische Gas.
Andere Stoffe wie Methan oder halogenierte Kohlenwasserstoffe gelangen zwar in sehr viel geringerem Umfang als CO2 in die Atmosphäre, tragen aber pro Molekül stärker zum Klimawandel bei.
Dieser Effekt ist in den CO2-Äquivalenten berücksichtigt.
Klimaschutz bei Mobilität und Verkehr
Der Verkehrssektor ist eines der Sorgenkinder im Klimaschutz. Seine Emissionen sind seit 1990 nur um rund 11% gesunken und damit deutlich weniger als in anderen Sektoren.4 Einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung sollen hier Elektroautos bringen. Im Klimaschutzprogramm hat die Bundesregierung den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für die Elektromobilität beschlossen. Lange galt das Ziel von einer Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte bis 2030. Fachleute halten allerdings eine geringere Zahl für ausreichend.5
Auch Mieter haben das Recht, in ihrer Garage eine E-Ladestation einzurichten. Die Kosten dafür muss der Mieter aber selbst übernehmen. Für Elektroautos hat der Bundestag zudem die Dienstwagensteuer gesenkt. Die frühere Kaufprämie (Umweltbonus) lief Ende 2023 aus. Seit Januar 2026 gibt es eine neue, sozial gestaffelte Kaufprämie von 1.500 bis 6.000 Euro, die sich gezielt an Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen richtet.6
Zusätzlich will die Bundesregierung die Erforschung von synthetischen, aus erneuerbaren Energien hergestellten Kraftstoffen ausbauen. Für Lkw sollen mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellen-Motoren für Fortschritte sorgen. Auch der Ausbau des ÖPNV und von Radwegen ist vorgesehen. Außerdem berücksichtigt die Kfz-Steuer stärker als bisher die CO2-Emissionen des Fahrzeugs pro Kilometer Fahrstrecke.
Heizungsbauer finden
Maßnahmen bei Ernährung und Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft hat Nachholbedarf beim Klimaschutz. Nennenswerte Reduktionen haben die Landwirte in den vergangenen Jahren nicht erreicht. Es gibt aber neue Maßnahmen, die die Klimaschutzziele in Deutschland voranbringen sollen: Zum Beispiel werden die Stickstoffüberschüsse bei der Düngung gesenkt. Denn diese können in Form von Lachgas in die Atmosphäre gelangen. Und Lachgas ist ein rund 265-mal so starkes Treibhausgas wie CO2.
Ein weiteres Klimaziel bei der Landwirtschaft besteht in der Förderung des Ökolandbaus. Zudem soll der Humusaufbau in den Böden steigen. Denn Humus ist ein großer Speicher für CO2 im Boden. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die Bundesregierung die Anpflanzung von Hecken, Knicks und Alleen an den Feldrändern. Auch im Grünland sind große Mengen von Kohlenstoff gespeichert. Daher will die Bundesregierung für Wiesen und Weiden eine spezielle Grünlandstrategie entwickeln.
Moore speichern weltweit doppelt so viel CO2 wie alle Wälder dieser Erde zusammen.7 Umso wichtiger nimmt die Bundesregierung den Schutz der Moore. Damit die deutschen Wälder weiterhin als CO2-Speicher funktionieren, sollen neue klimarobuste Wälder entstehen. Holz soll als klimafreundlicher Baustoff verstärkt zum Einsatz kommen.
Außerdem sollen Lebensmittelabfälle vermieden werden. Dafür hat die Bundesregierung die „Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ ins Leben gerufen.8
Klimaschutz in die eigenen Hände nehmen
Mehrere Sektoren liegen auf Kurs zum Erreichen der Klimaziele Deutschlands, darunter die Energiewirtschaft, die Industrie und die Landwirtschaft. Deutlichen Nachholbedarf haben dagegen der Verkehr und die Gebäude, wobei gerade im Gebäudebereich das größte Potenzial steckt. Energetische Sanierungen und vor allem klimafreundliche Heizungen können sehr schnell positive Effekte hervorbringen und die CO2-Emissionen in Deutschland deutlich reduzieren. Das sieht auch die Bundesregierung so: Der Sektor Wohnen und Wärme hat abgesehen von der Energiewirtschaft das ambitionierteste Klimaziel.
Um das zu erreichen, hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben gemacht und großzügige Fördermittel bereitgestellt. Nun liegt es an den Bürgern, im Sinne der Energiewende zu handeln, die Fördergelder zu nutzen und damit langfristig von niedrigen Heizkosten zu profitieren.
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Dr. rer. nat. Jens-Peter Meyer
Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

