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Im Sommer die Fußbodenheizung zur Kühlung des Gebäudes nutzen

Selbst moderne Häuser und Wohnungen mit einer guten Wärmedämmung heizen sich im Sommer auf. Laut Prognosen steigen die Temperaturen zukünftig noch weiter an. Wenn Markisen und Rollläden allein die Wärme nicht mehr abhalten, sind technische Hilfsmittel gefragt, um die Wohnung effektiv zu kühlen. Eine praktische Möglichkeit ist eine Kühlung über die Fußbodenheizung – ist diese nicht vorhanden, können Sie sie auch nachrüsten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Eignet sich jede Fußbodenheizung für die Kühlung?
  2. Unterschiede zwischen aktiver und passiver Kühlung über die Fußbodenheizung
  3. Auf welche Temperaturen kann die Fußbodenheizung herunterkühlen?
  4. Mit diesen Wärmepumpen ist die Kühlung über die Fußbodenheizung möglich
  5. Ganzjährig angenehme Temperaturen durch Wärmepumpe und Fußbodenheizung
Fußbodenheizung kuehlen: Füße auf Wohnzimmer-Boden

Eignet sich jede Fußbodenheizung für die Kühlung?

Prinzipiell eignet sich jede Fußbodenheizung für die Kühlung, wenn sie mit einer geeigneten und funktionierenden Wärmepumpe kombiniert ist. Welche Wärmepumpe am besten zu Ihrem Gebäude passt, erfahren Sie weiter unten.

Für die Kühlung über die Fußbodenheizung brauchen Sie eine Wärmepumpe

  • Eine Wärmepumpe kann über die Wasserleitungen des Heizsystems die Räume nicht nur heizen, sondern auch kühlen.

  • Beim Heizen nimmt sie aus der Umwelt Wärme auf und gibt sie an das Heizwassersystem ab.

  • Je nach Art nimmt eine Wärmepumpe die Energie aus der Umgebungsluft (Luft/Wasser-Wärmepumpe), dem Erdreich (Sole/Wasser-Wärmepumpe) oder dem Grundwasser (Wasser/Wasser-Wärmepumpe) auf.

Gerade die große Fläche der Fußbodenheizung bietet Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Heizkörper. Die Flächenheizung ermöglicht es, die Kälte wirkungsvoll an den ganzen Raum abzugeben. Die Kühlfunktion lässt sich in der Regel einfach einstellen.

Die meisten Fußbodenheizungen lassen sich für die Kühlung nachrüsten. So nutzen Sie das volle Potenzial Ihres bereits vorhandenen Systems. Wenn bereits ein Flächenheizsystem in Ihrem Haus vorhanden ist, können Sie das gleiche Verteilernetz zum Kühlen nutzen. Das besteht aus der Wärmepumpe mit dem entsprechenden Leitungssystem zur Flächenheizung und der Fußbodenheizung selbst.

Bei sehr großen Gebäuden sind stärkere Systeme gefragt, um sowohl heizen als auch kühlen zu können. Deshalb gibt es dort ein separates Verteilsystemen für Heizung und Kühlung. Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb beraten, um das System optimal auf das Gebäude abzustimmen.

Heizungsbauer finden

Sie haben Fragen zur Kühlung mit Wärmepumpe und Fußbodenheizung in Ihrem Haus? Dann vereinbaren Sie einen Termin mit einem Heizungsbauer in Ihrer Nähe.

Unterschiede zwischen aktiver und passiver Kühlung über die Fußbodenheizung

Die Wärmepumpe kann über die Fußbodenheizung die Temperatur des Raumes auf zwei unterschiedliche Arten regulieren – mit der aktiven oder passiven Kühlung. Wir haben für Sie die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile übersichtlich zusammengefasst:

Aktive Kühlung
Passive Kühlung
Kühlung durch Prozessumkehr
Kühlung durch die niedrige Temperatur des Grundwassers oder des Erdreichs
mit Luft/Wasser-, Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpe möglich
der Verdichter der Wärmepumpe ist nicht in Betrieb
Voraussetzung: Wärmepumpe muss reversibel (umkehrbar) sein
mit Wasser/Wasser- oder Erdwärmepumpen möglich
höhere Leistungsfähigkeit
technisch einfach realisierbar
 
geringere Kühlleistung

Vor- und Nachteile der aktiven Kühlung

Soll die Wärmepumpe aktiv kühlen, läuft der Kältekreislauf in umgekehrter Richtung. Anders als beim Heizen nimmt das Heizwasser die Wärme aus dem Innenraum auf und transportiert sie nach außen in die Umwelt. Dabei bleibt der Verdichter der Anlage im Betrieb.

Vergleich Heizbetrieb und Kühlbetrieb am Beispiel Luft Wasser Wärmepumpe Grafik
Wärmepumpen kühlen im Sommer Ihre Wohnräume auf eine ähnliche Art und Weise, wie sie sie im Winter aufheizen.

Die Außenluft, das Grundwasser oder Erdreich, die im Winter als Wärmequelle dienen, werden im Sommer zur Wärmesenke. Die Wärmepumpe kühlt nun das Heizwasser in einem umgekehrten Kreislauf. Die Umkehrfunktion beziehungsweise Richtungsänderung vom Heizen aufs Kühlen erfolgt mithilfe eines Vier-Wege-Ventils. Damit sind Heiz- und Kühlfunktionen getrennt voneinander möglich.

Vor- und Nachteile der aktiven Kühlung

Pro

  • schnelle und deutlich spürbare Kühlung der Räume

  • lässt sich an besonders heißen Tagen kostengünstig durch Ventilatoren oder Ähnliches ergänzen

  • keine hohen Einbaukosten wie bei einer Klimaanlage

  • Komfort durch leisen Betrieb, keine Zugluft

  • gesundheitlich unbedenklich

Contra

  • höherer Energieverbrauch als bei der passiven Kühlung

  • keine Entfeuchtung der Raumluft

Vor- und Nachteile der passiven Kühlung

Beim passiven Kühlen wird der Verdichter der Anlage gar nicht erst aktiviert. Daher auch der Name „passiv“. Hier gibt die Wärmepumpe die Wärme an das Erdreich beziehungsweise das Grundwasser ab. Das kalte Heizungswasser entzieht der Raumluft Wärme. Diese wird mithilfe einer Umwälzpumpe über einen separaten Wärmetauscher in das Erdreich transportiert.

Die passive Kühlung funktioniert durch den Temperaturunterschied zwischen dem Gebäude und der Erde. Im Erdreich und im Grundwasser herrscht ab einer gewissen Tiefe eine gleichmäßige Temperatur von etwa 10°C. Das auf zirka 16°C heruntergekühlte Heizungswasser strömt dann vom Wärmetauscher aus zurück in die Flächenheizung.

Die passive Kühlung ist nicht mit der Leistung von Klimaanlagen oder dem aktiven Kühlen zu vergleichen. Die Fußbodenheizung reagiert träge und dadurch ist die Kühlung nicht so effizient. Folglich kühlen sich die Räume im Sommer nur langsam ab. Es empfiehlt sich daher, die Kühlregelung mit der Wärmepumpe entsprechend vorausschauend einzuplanen. Der entscheidende Vorteil der passiven Kühlung ist hingegen der energiesparende und klimafreundliche Betrieb.

Vor- und Nachteile der passiven Kühlung

Pro

  • sparsam durch niedrige Betriebskosten

  • keine Einbaukosten wie bei einer Klimaanlage

  • umwelt- und klimafreundlich durch geringen Energieverbrauch und reduzierte CO2-Belastung

  • Komfort: leiser Betrieb, keine Zugluft

  • gesundheitlich unbedenklich

  • funktioniert mit jeder Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpe

Contra

  • weniger wirkungsvoll als die aktive Kühlung

  • keine definierte Kälteleistung

  • keine Entfeuchtung der Raumluft

Auf welche Temperaturen kann die Fußbodenheizung herunterkühlen?

Viele Menschen empfinden in Wohn- und Arbeitsräumen eine Temperatur im Bereich von 20 bis 22°C als angenehm. Zum Schlafen darf es mit 16 bis 18°C etwas kühler sein. Sobald sich im Sommer die Räume tagsüber sehr stark aufheizen und nachts nicht mehr abkühlen, ist es schwierig, die hohen Temperaturen zu reduzieren.

Läuft die passive Kühlung, lässt sich die Raumtemperatur laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) um bis zu 3°C reduzieren. Das bringt in vielen Fällen schon eine ausreichende Steigerung der thermischen Behaglichkeit mit sich – besonders in Wohngebäuden. Mehr als 3°C sind möglich, falls das System bei der Heizungsauslegung bereits für den Kühlbetrieb optimiert wird.1 Das zeigt, dass die Leistung der passiven Kühlung im Vergleich zur aktiven Kühlung begrenzt ist.

Bei der aktiven Kühlung sind meist Vorlauftemperaturen von 16 bis 18°C möglich, bei der Fußbodentemperierung häufig 18 bis 20°C. Sie sollten die Temperatur der Oberfläche und des Wassers begrenzen, damit kein Kondenswasser entsteht. Kalte Luft bindet Feuchtigkeit schlechter als warme. Wenn die Luft im Raum abkühlt, kann deshalb Kondensat auftreten. Feuchtigkeit unter dem Estrich oder dem Bodenbelag begünstigt wiederum die Schimmelbildung. Die Kühlwasser-Vorlauftemperatur sollte daher nicht unter 10°C sinken. Dafür sorgt in der Regel ein sogenannter Taupunktwächter, welcher ein Signal an die Wärmepumpenregelung gibt. Achten Sie beim Kauf der Wärmepumpe für die aktive Kühlung darauf, dass dieser standardmäßig in Ihrer Wärmepumpenregelung enthalten ist.

Mit diesen Wärmepumpen ist die Kühlung über die Fußbodenheizung möglich

Wir zeigen Ihnen, welche Wärmepumpen-Arten sich zur aktiven und passiven Kühlung über die Fußbodenheizung eignen und was Sie dafür benötigen:

Wärmepumpen für die aktive Kühlung

Bei der aktiven Kühlung benötigen Sie eine Anlage mit reversibler, sprich umkehrbarer Funktionsweise. Informieren Sie sich beim Hersteller Ihrer Wärmepumpe, ob Ihr Gerät reversibel ist. Zur aktiven Kühlung eignen sich grundsätzlich Luft/Wasser-, Wasser/Wasser- und Sole/Wasser-Wärmepumpen. Ist Ihr Modell kompatibel, benötigen Sie einen separaten Wärmetauscher und verschiedene Ventile, um mit der Wärmepumpe zu kühlen. Bei dieser geringfügigen Nachrüstung berät Sie Ihr Fachbetrieb kompetent vor Ort.

Wärmepumpen für die passive Kühlung

Bei der passiven Kühlung ist eine Erdwärmepumpe oder Wasser/Wasser-Wärmepumpe mit einer entsprechenden Funktion notwendig. Auch hier benötigen Sie zum Kühlen zusätzliche Hydraulikkomponenten. Der Heizungsbauer kann die Kühlfunktion bei Ihrer Heizung gegebenenfalls für wenig Geld nachrüsten.

Ganzjährig angenehme Temperaturen durch Wärmepumpe und Fußbodenheizung

Wärmepumpen sind äußerst beliebte Heizungen, da sie mit niedrigen Betriebskosten und einer umweltschonenden Arbeitsweise überzeugen. Hinzu kommt ein großer Vorteil – sie eignen sich nicht nur zum Heizen, sondern auch zum effizienten Kühlen.

Eine Wärmepumpe, die kühlen kann, erspart Ihnen den Kauf weiterer Geräte wie einer Klimaanlage. Besitzen Sie bereits eine Wärmepumpe, kann ein Fachbetrieb Ihre Fußbodenheizung für die Kühlung in der Regel nachrüsten. Sollten Sie über den Kauf einer geeigneten Wärmepumpe nachdenken, gilt es zu entscheiden, ob Sie diese für das aktive oder das passive Kühlen nutzen möchten. Damit bietet die Fußbodenheizung in Kombination mit der Wärmepumpe ganzjährig einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Heiz- und Kühlsystemen.

 

1 Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie: Die Doppelfunktion der Flächenheizung/-kühlung

Platzhalter Autorinnenbild

Hilke Ohrt,
M.A. phil.

Über den Autor

Hilke Ohrt ist studierte Germanistin (M.A. phil.) und arbeitet seit vielen Jahren als freiberufliche Journalistin. Sie schreibt unter anderem für die Bauwirtschaft. Ihre Schwerpunkte liegen auf dem Bauen und Wohnen sowie der Wärme- und Heiztechnik.

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