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Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage

Die Dämmstandards in Deutschland werden immer besser. Besonders gut abgedichtete Gebäude sorgen zwar für eine hohe Energieeffizienz – aber auch für schlechte Luft in den Räumen. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) ist beim Bauen und Sanieren daher mittlerweile ein Muss. In unserem Ratgeber gehen wir auf die technischen Grundlagen der kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ein. Zudem erläutern wir die Vor- und Nachteile dieser Lüftungsmethode.

Kontrollierte Wohnraumlüftung: Bodenauslass

Inhaltsverzeichnis

  1. So funktioniert die KWL mit Wärmerückgewinnungsanlage
  2. Für wen kommt diese Lüftungsmethode infrage?
  3. Vor- und Nachteile der kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage
  4. So finden Sie einen Experten

Außenwände werden immer besser gegen Wärmeverluste gedämmt und Fenster sind heutzutage mehrfachverglast und gut abgedichtet. Die immer luftdichteren Häuser kommen einerseits durch die energetische Sanierung von Bestandsbauten und andererseits durch die hohen Energiestandards bei Neubauten. Als Folge dieser Entwicklung sinkt der Wärmebedarf und damit Ihre Heizkostenrechnung – und nicht zuletzt auch der Ausstoß von klimaschädlichem CO2.

Was sich nach einer durchweg positiven Entwicklung anhört, ist vor allem im Bereich der Lüftung aber auch mit neuen technischen Herausforderungen verbunden. So hat die Erfahrung gezeigt, dass moderne, hochwärmegedämmte Gebäude so luftdicht sind, dass die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit und Gerüche nicht mehr ohne weiteres abgeführt werden.

Die Folge: Um eine gesunde Frischluftzufuhr zu erreichen und Schimmel zu vermeiden, lüften die Bewohner vermehrt über das Öffnen von Fenstern, was wiederum zu hohen Wärmeverlusten führt. Somit wirkt man der eigentlich angestrebten Energieeffizienz wieder entgegen.

Kontrollierte Wohnraumlüftung

  • Um Menschen in Wohngebäuden mit hohen Wärmedämmstandards mit ausreichend frischer Luft zu versorgen, setzen Bauherren vermehrt auf eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL).

  • Dabei handelt es sich um eine mechanische Lüftungsanlage, die automatisch für eine kontinuierliche Be- und Entlüftung im Gebäude sorgt.

  • Somit ermöglicht sie auch in Niedrig- und Passivenergiehäusern ein behagliches Raumklima.

Die kontrollierte Wohnraumlüftung arbeitet durch die Kombination mit einer Wärmerückgewinnungsanlage sehr energieeffizient. Dabei wird die warme Innenluft genutzt, um einströmende Frischluft vorzuwärmen. Dadurch sinkt der Wärmebedarf im Gebäude deutlich.

So funktioniert die KWL mit Wärmerückgewinnungsanlage

Die kontrollierte Wohnraumlüftung basiert im Wesentlichen auf drei Komponenten. Aus zwei energiesparenden Ventilatoren, die über Lüftungsrohre für die Zufuhr von Frischluft und die Abfuhr von Abluft sorgen. Einem Wärmeüberträger, der die einströmende, kalte Frischluft durch die ausströmende, warme Abluft erwärmt. Durch diese Vorgehensweise lassen sich Wirkungsgrade von mehr als 90% realisieren und Heizenergie einsparen.

Und drittens einem Luftfilter, welcher nicht nur die Wohnraumlüftung und die Luftkanäle sauber hält, sondern auch Feinstaub, Pollen und andere unangenehme Partikel ausfiltert. Niedrigenergiehäuser mit kontrollierter Wohnraumlüftung benötigen durch dieses Lüftungsprinzip nur noch wenig Heizenergie.

Kontrollierte zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung Funktion

 

Zentrale oder dezentrale Wohnraumlüftung?

Zentrale Lüftung

  • Die animierte Grafik oben zeigt diese Variante: Luftkanäle führen durch Wände oder Boden und sind mit einem zentralen Gerät verbunden. Verbrauchte Luft aus Bad und Küche werden abgesaugt, während Wohnräume wie Schlafzimmer und Wohnzimmer mit frischer Luft versorgt werden.
  • Schallschutz und Effizienz sind bei der zentralen KWL besser als bei der dezentralen.
  • Sind Sie flexibel – zum Beispiel beim Neubau – ist die zentrale Lüftung meist die ideale Wahl.

Dezentrale Lüftung:

  • Diese Option besteht aus mehreren Einzelgeräten, die Sie direkt in Ihre Fassade oder Fenster einbringen.
  • Da die Verbindungsleitungen zu einem zentralen Gerät entfallen, ist die dezentrale Lüftung bei Bestandbauten meist praktikabler.

Bei der Art der Wärmerückgewinnungsanlage handelt es sich meist um die rekuperative Wärmerückgewinnung. Darüber hinaus gibt es eine Möglichkeit in Kombination mit Wärmepumpen.

Die rekuperative Wärmerückgewinnungsanlage

Bei der rekuperativen Wärmerückgewinnungsanlage kommen die ein- und ausströmenden Luftmassen nicht miteinander in Berührung. Diese Art der Wärmerückgewinnung lässt sich beispielsweise mit einem Plattenwärmetauscher umsetzen, wie man ihn im Bild sieht.

Dabei strömen Außen- und Abluft in plattenförmigen Luftkanälen aneinander vorbei, wodurch Wärmeenergie vom warmen auf den kalten Luftstrom übertragen wird. Diese Art der Wärmerückgewinnung ist besonders hygienisch, da die verbrauchte Luft nicht direkt in Kontakt mit der neuen Frischluft kommt.

Wärmerückgewinnungsanlage mit Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist vor allem von der modernen Gebäudebeheizung bekannt, kann aber auch in Kombination mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung verwendet werden. Dabei nutzt die Wärmepumpe die thermische Energie der Abluft nicht direkt zum Erwärmen der Zuluft, sondern hebt diese mithilfe eines kleinen Kompressors zunächst auf ein höheres Temperaturniveau an.

Diese Methode hat allerdings einige Nachteile. Zum Beispiel läuft die Lüftungsanlage 24 Stunden pro Tag – und die Wärmepumpe deutlich weniger. So wird bei nicht laufendem Kompressor die warme Abluft ungenutzt ins Freie geblasen.

Für wen kommt diese Lüftungsmethode infrage?

Prinzipiell ist ein Lüftungsgerät immer empfehlenswert – wie wir weiter unten sehen, überwiegen die Vorteile im Hinblick auf die Gesundheit und das Raumklima. Ein Modell mit integrierter Wärmerückgewinnung spart Ihnen dabei Heizkosten.

Beispiel für Heizkostenersparnis

  • Bei richtiger Planung, Installation und Inbetriebnahme spart die Wärmerückgewinnung der KWL Heizkosten.

  • Ein durchschnittliches Einfamilienhaus braucht um die 15m³ Luft pro Stunde.

  • Bei einem Heiz-Energiebedarf von zum Beispiel 10.000 kWh pro Jahr können Sie zirka 2.500 bis 3.000 kWh über die Wärmerückgewinnung sparen.

  • Heizen Sie zum Beispiel mit Gas: Bei einem Gaspreis von um die 5,6 Cent pro kWh hätten Sie eine Ersparnis von zirka 140 bis 180 Euro pro Jahr.

Lüftungsgeräte in Neubauten

Die kontrollierte Wohnraumlüftung bietet sich vor allem in Neubauten an. In diesen Gebäuden ist die unkontrollierte, also die natürliche Lüftung über undichte Fenster, Fugen und Schächte nicht mehr gegeben, weshalb eine kontrollierte Lüftung dringend zu empfehlen ist. So stellen Sie die aus hygienischen und klimatischen Gründen erforderliche Luftwechselrate sicher.

In modernen Passivhäusern oder Niedrigenergiehäusern stellt die zentrale KWL mit Wärmerückgewinnungsanlage heute den Standard dar. Für einen Neubau ist daher meist eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung in Kombination mit einer kontrollierten zentralen Wohnraumlüftung das Dream Team der Gebäudetechnik. Kaufen Sie sowohl Wärmepumpe als auch Wohnraumlüftung gemeinsam von einem Hersteller, profitieren Sie von einer einheitlichen Regelung – und Geräten, die sich ideal aufeinander abstimmen lassen.

Lüftungsgeräte in Bestandsbauten

In Bestandsbauten ist die Integration einer Wohnraumlüftung nur mit baulichem Aufwand möglich. Bei der zentralen Variante müssen Sie für die Einbringung von Lüftungsrohren beispielsweise Decken abhängen, um den erforderlichen Platz zu schaffen. Eine Alternative können dezentrale Lüftungsanlagen sein, die in einzelnen Zimmern installiert werden und ohne verbindendes Rohrnetz auskommen.

Ob die kontrollierte Wohnraumlüftung für Ihr Gebäude sinnvoll ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Im Zweifel ist daher die Beauftragung eines Fachmanns empfehlenswert.

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Besonders gut für Allergiker

Eine Wohnraumlüftung verbessert die Qualität der Raumluft erheblich. Sie transportiert nicht nur die feuchte, verbrauchte Luft samt Gerüchen ab und versorgt mit frischer, sauerstoffreicher Luft – die Filter in der Lüftungsanlage entziehen der Außenluft auch Feinstaub und Pollen. Daher empfehlen sich die praktischen Geräte vor allem für Allergiker. Da Fenster nicht mehr geöffnet werden müssen, bleiben außerdem Straßenlärm und Insekten draußen.

Vor- und Nachteile der kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage

Die KWL mit Wärmerückgewinnungsanlage weist sowohl Vor- als auch Nachteile auf. Diese haben wir im Folgenden übersichtlich gegenübergestellt.

Pro

  • Geringe Wärmeverluste im Wohnraum: Die kontrollierte Wohnraumlüftung ist um ein Vielfaches effizienter als eine konventionelle Fensterlüftung.

  • Luftqualität: Lüftungsanlagen verfügen über Filter, die Feinstaub und Pollen aus der Außenluft entfernen. Gerade Allergiker profitieren also davon.

  • Abtransport von Schadstoffen: Durch die kluge Platzierung von Ablufteinlässen werden Schadstoffe und Gerüche gleich an ihrem Entstehungsort abgesaugt.

  • Vorbeugen gegen Schimmel: Durch den stetigen, kontrollierten Abtransport von Feuchtigkeit wird das Risiko der Schimmelbildung stark reduziert.

  • Lärmschutz: Bei Einsatz einer kontrollierten Wohnraumlüftung kann das Fenster geschlossen bleiben, ohne Einschnitte bei der Frischluftversorgung in Kauf zu nehmen.

Contra

  • Trockene Luft: Die angesaugte Frischluft hat im Winter eine geringere Feuchte als die Abluft. Dafür gibt es kontrollierte Wohnraumlüftungen mit Feuchterückgewinnung – zum Beispiel über einen sogenannten Enthalpie-Wärmetauscher.

  • Wartungsaufwand: Die Filtersysteme müssen ein bis zwei Mal jährlich gewartet werden. Alle drei Jahre sollte auch der Wärmetauscher mit Wasser gereinigt werden.

Der maßgebliche Vorteil der KWL mit Wärmerückgewinnungsanlage ist die Vermeidung von Wärmeverlusten. Durch den sehr hohen Wirkungsgrad der Wärmeübertragung ist die kontrollierte Wohnraumlüftung deutlich effizienter, als wenn Sie die Fenster öffnen, um zu lüften. Denn dabei geht sonst nahezu ein Drittel der Heizenergie verloren.

So finden Sie einen Experten

Die Planung und Auslegung einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage erfolgt nach klaren Methoden, die in technischen Normen festgehalten sind. Wenn Sie sich für eine solche Lüftungsanlage interessieren, ist die Beauftragung eines Profis daher in jedem Fall empfehlenswert.

Der Fachmann kann grundsätzlich beurteilen, ob eine kontrollierte Wohnraumlüftung für Ihr Gebäude infrage kommt und welche Variante zu bevorzugen ist. Darüber hinaus kann er präzise die Dimensionierung der Anlage berechnen und die Kosten ermitteln. Mithilfe der anwenderfreundlichen Expertensuche von Dein Heizungsbauer finden Sie im Handumdrehen einen kompetenten Spezialisten für die kontrollierte Wohnraumlüftung.

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Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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