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Wichtige Tipps für Ihren Hausbau: Interview mit Katharina Riederer vom Blog Baugorilla.com

Der private Hausbau ist mit viel Recherche und Arbeit verbunden. Auf dem Blog baugorilla.com versorgt Bauingenieurin Katharina Riederer ihre Leserschaft mit professionellen Tipps und Informationen, wenn es um den Hausbau und die Sanierung geht. Im Interview mit Dein Heizungsbauer beantwortet sie Fragen zur Planung der eigenen vier Wände, zur Nachhaltigkeit im Hausbau sowie zur Wahl des richtigen Heizsystems.

Interview Tipps für Ihren Hausbau: Bauingenieurin Katharina Riederer von Baugorilla.com

“Dein Heizungsbauer“: Was ist Baugorilla und warum gibt es diesen Blog? Welcher Kopf steckt dahinter?

Der Blog baugorilla.com ist ein Ratgeber zu den Themen Hausbau und Sanierung. Als Bauingenieurin beschäftige ich mich schon seit vielen Jahren mit Bauthemen. Doch ein privater Hausbau oder eine private Sanierung ist nochmal etwas anderes. Das habe ich festgestellt, als ich selbst und auch viele in meinem Umfeld bauen oder sanieren wollten. Da stellen sich einige grundsätzliche Fragen wie:

  • Woher bekomme ich als Privatperson gute Informationen?
  • Wie kann ich selbst schnell und realistisch die Kosten überschlagen?
  • Welche Variante hat welche Vor- und Nachteile?
  • Wie kann ich selbst dazu beitragen, dass der Bau problemlos funktioniert?
  • Wie kann ich Pfusch erkennen und vermeiden?

Es ist sehr aufwendig, all diese Antworten selbst zu recherchieren – ganz besonders, wenn man nicht vom Fach ist. Dabei ist es so wichtig, dass Bauherren gut informiert sind. Schließlich sind sie wichtige Baupartner – ganz egal ob bei einem privaten Bauvorhaben oder einem Großprojekt. Die Bauherren müssen wesentliche Entscheidungen treffen, tragen eine große Verantwortung und können selbst zum Bauerfolg beitragen. Hierbei soll Baugorilla helfen und informieren.

“Dein Heizungsbauer“: Was ist die kurioseste Geschichte, die Sie zuletzt in Bezug auf Hausbau gehört haben?

Natürlich gibt es viele kuriose Geschichten von Pfusch und Mängeln, Mehrkosten und Anwälten und so weiter. Doch es gibt auch richtig tolle und außergewöhnliche Geschichten von Häusern.

Eine davon ist zum Beispiel das „Haus 2226“ von den Architekten Baumschlager und Eberle. Es kommt komplett ohne Lüftung, Heizung und Kühlung aus und ist auf eine Lebensdauer von über 200 Jahren ausgelegt. Es ist ein Kubus mit einem sehr hohen und dicken, massiven mehrschichtigen Ziegelmauerwerk. Das Klimakonzept beruht auf der Speichermasse des Steins, hohen Räumen mit großem Luftvolumen sowie Fenstern, die sich sensorgesteuert oder nach Wunsch öffnen und schließen lassen.

Man muss dazu sagen, dass es sich hier um ein Bürogebäude handelt – die internen Wärmequellen wie die Nutzer selbst, Rechner und andere Geräte reichen aus, um auf eine Heizung zu verzichten. Bei einem Einfamilienhaus wäre das wohl nicht möglich. Dennoch zeigt es einen komplett anderen Ansatz, wie sich der Heizwärmebedarf drastisch reduzieren lässt.

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“Dein Heizungsbauer“: Ich möchte ein Haus bauen: Wo und wie fange ich an, was kann ich erst einmal hinten anstellen?

Wer ganz am Anfang steht und ein Haus bauen möchte, muss zunächst ein passendes Grundstück finden und natürlich auch eine Finanzierungszusage haben. Hier beginnen auch schon die ersten beiden großen Herausforderungen: Viele suchen jahrelang und finden keinen guten Baugrund. Andere wiederum haben einen Baugrund geerbt, aber bekommen keine Finanzierung.

Daher ist es zu Beginn so wichtig, die Augen nach allen Richtungen offen zu halten und viele Möglichkeiten sowie Alternativen auszuloten. Parallel zur Grundstückssuche können Sie zum Beispiel auch Altbauten besichtigen, über eine Doppelhaushälfte nachdenken, Baugemeinschaften durchstöbern etc.

Mit den Planungen für das zukünftige Traumhaus kann man eigentlich warten, bis das Grundstück und die Finanzierungszusage stehen. Dennoch beginnen viele schon weit vorher damit – was ich auch verstehen kann – denn es macht einfach Spaß. Notwendig oder nützlich ist das freilich nicht.

“Dein Heizungsbauer“: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die häufigsten Fehler beim Hausbau?

Fehler können beim Hausbau in jeder Phase auftreten. Besonders gravierend sind diese, wenn sie ganz zu Beginn gemacht werden.

Zum Beispiel, wenn das falsche Grundstück gekauft wird. Das passiert immer dann, wenn im Vorfeld nicht alles genau abgeklärt wurde und sich dann etwa herausstellt, dass auf dem Grundstück nicht das gebaut werden darf, was sich die angehenden Hausbesitzer wünschen. Oder wenn nachträglich große Mehrkosten auf einen zukommen, weil die Bodenverhältnisse schlechter sind als gedacht.

Dann geht es weiter mit der Auswahl des Baupartners: Es kommt häufig zu Problemen, wenn die Wahl auf die falsche Baufirma, den falschen Architekten oder den falschen Fertighausanbieter fällt. Diesem Punkt sollte jeder Bauherr besondere Aufmerksamkeit widmen.

Auch während der Bauphase gibt es bei fast jedem Bauvorhaben die kleineren oder größeren Ausführungsmängel. Diese Mängel müssen nicht weiter tragisch sein, wenn sie frühzeitig erkannt und behoben werden. Hier hilft es, sich gut zu organisieren, zu kontrollieren und zu dokumentieren.

“Dein Heizungsbauer“: Wo wird oftmals zu viel Geld ausgegeben, obwohl man da ganz einfach sparen kann?

  • Sparen beim Hausbau besteht aus der Gesamtheit vieler einzelner Maßnahmen.

  • Wer sparsam bauen möchte, kann nicht nur an einem Punkt ansetzen, sondern muss zu Beginn sein Budget festlegen und dann daran festhalten.

  • Das heißt auch, bis zum Schluss den vielen kleinen und großen Extras zu widerstehen.

  • Versuchungen und Extrakosten gibt es vielerorts, angefangen von zu vielen Quadratmetern bis hin zu Designer-Lichtschaltern.

  • Jeder muss für sich entscheiden: Was will ich mir leisten und worauf kann ich verzichten?

“Dein Heizungsbauer“: Sollte ich während des Hausbaus immer persönlich vor Ort sein? Wann ist meine Anwesenheit essenziell, wann nicht?

Das ist ganz einfach: Eine Baustelle muss regelmäßig von einem unabhängigen Vertreter des Auftraggebers kontrolliert und besucht werden und nicht vom Auftragnehmer, also der Baufirma selbst. Wenn ich einen eigenen Architekten oder einen anderen Bauprofi engagiert habe, der die Bauaufsicht übernimmt und die Baustelle regelmäßig besucht, dann brauche ich das selbst nicht zu machen. Wenn ich aber nur einzelne Termine mit einem Sachverständigen vereinbare, dann ist das für eine ordentliche Baustellenkontrolle zu wenig. Dann sollte ich zusätzlich auch selbst regelmäßig die Baustelle besuchen und in Augenschein nehmen.

“Dein Heizungsbauer“: Nachhaltiges Bauen ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern teilweise sogar verpflichtend, zum Beispiel beim Heizen und Lüften. Zu welchem Heizsystem raten Sie Bauherren eines Neubaus?

Bei der Nachhaltigkeit und vor allem auch bei der Energieeffizienz hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan und das ist gut so. Doch auch wenn schon so viel erreicht wurde, gibt es noch immer einiges an Verbesserungspotenzial bei den gesetzlichen Vorgaben, der Energiesparverordnung (EnEV).

Die Vorgaben, die das Heizsystem betreffen, sind allerdings auch jetzt schon sehr gut. Am Einsatz erneuerbarer Energieträger wird kein Weg mehr vorbeiführen.

Das ideale Heizsystem hängt immer vom jeweiligen Haus und dem nötigen Heizwärmebedarf ab. Ein Passivhaus mit einem ganz geringen Heizwärmebedarf braucht eine andere Lösung als ein normaler Neubau. In unserem eigenen Altbau aus dem Jahre 1920 sind wir mit der Pelletheizung sehr zufrieden, für einen Neubau wäre aber vielleicht ein anderes System besser und wirtschaftlicher, zum Beispiel eine Wärmepumpe. Dazu kommt auch noch, dass gar nicht jede Heizungsart überall möglich ist. Man denke da zum Beispiel an einen Fernwärmeanschluss oder auch an Erdwärme.

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“Dein Heizungsbauer“: Wo sehen Sie bei der Wahl der Heizung die größten Herausforderungen im Zuge der Bauplanung und Bauphase?

Wie schon gesagt, muss die Heizung einerseits zum Haus passen und es müssen andererseits auch die Anforderungen der EnEV eingehalten werden. Ein Heizsystem, welches für den Wandaufbau A zulässig ist, kann für den Wandaufbau B unzulässig sein.

Damit Sie sich nicht verkalkulieren und mit einem Heizsystem planen, das sich letztendlich als unzulässig herausstellt, lohnt es sich, frühzeitig einen Energiesparberater aufzusuchen. Verbraucherzentralen bieten vielerorts eine kostenlose Energieberatung an.

Auch später, wenn die grundsätzliche Entscheidung über die Heizung bereits getroffen ist, ist es sinnvoll, den Heizungsbauer in die Planung einzubeziehen. Denn Platzbedarf, Rohrführungen und andere bauliche und organisatorische Anforderungen können dann einfließen und ersparen spätere Komplikationen und Mehraufwand.

“Dein Heizungsbauer“: Und was kann man beim Hausbau in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit noch tun? Mit wem bespreche ich das jeweilige Vorhaben?

Viele setzen nachhaltiges Bauen mit ökologischem Bauen oder energieeffizientem Bauen gleich. Dabei ist Nachhaltigkeit ein Überbegriff, der noch viel mehr beinhaltet. Neben der Ressourcenschonung spielen auch wirtschaftliche Aspekte wie Bau- und Lebenszykluskosten und sogar Aspekte wie die Lebensqualität eine Rolle.

Ganzheitlich betrachtet beginnt der nachhaltige Hausbau also bereits bei der Lage und der vorhandenen Infrastruktur sowie den täglichen Fahrtstrecken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Lebensdauer des Bauwerks: Es macht einen riesigen Unterschied, ob ein Haus bereits nach 50 Jahren wieder abgerissen wird oder ob es 200 Jahre überdauert. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass die Wartung und Instandsetzung einfach zu bewerkstelligen ist und das Haus sich möglichst flexibel an geänderte Anforderungen anpassen kann.

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Außerdem ist auch ein gewisses Maß an Sparsamkeit und Genügsamkeit eine Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit. Es müssen nicht pro Person 100 m² Wohnfläche sein. Die Energieeffizienz (das Heizsystem und die Wärmeverluste) ist ebenfalls Bestandteil der Nachhaltigkeit, genauso wie ressourcenschonende Baumaterialien.

Folglich muss also selbst ein ökologisches Passivhaus mit Smarthome-Technologie nicht gleich nachhaltig sein, wenn beispielsweise ein zweiköpfiger Haushalt 300 m² Wohnfläche braucht, mitten in unberührter Natur baut und täglich lange Fahrtstrecken nötig sind.

Wenn Sie ganzheitlich nachhaltig bauen und wohnen möchten, sollten Sie diesen Wunsch ganz bewusst in jedem Punkt der Planung berücksichtigen. Ein Ansprechpartner kann zum Beispiel ein guter Architekt sein, der bereits nachhaltige Referenzprojekte vorzuweisen hat. Wenn es um den Teilbereich der Energieeffizienz geht, helfen die bereits erwähnten Energieberater und Heizungsbauer. 

Wer sich für umweltschonende Baustoffe interessiert, kann sich unter anderem an Gütesiegeln wie dem Blauen Engel orientieren.

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“Dein Heizungsbauer“: Ihre drei ganz persönlichen Tipps für alle angehenden Häuslebauer?

  1. Informieren Sie sich rundum

    Verschaffen Sie sich selbst Durchblick und treffen Sie Ihre eigenen, wohl überlegten Entscheidungen. Lassen Sie sich nicht von den vielen „Verkaufsgenies“, die sich rund um Ihr Bauprojekt tummeln, beeinflussen. Sie sind als Bauherr ein voll involvierter Baupartner, der viele Entscheidungen treffen muss und dafür selbst die Verantwortung trägt.

  2. Holen Sie alle rechtzeitig ins Boot

    Organisieren Sie proaktiv. Auch die Organisation liegt zu einem großen Teil in Ihrer Verantwortung. Viele Probleme entstehen gar nicht erst, wenn alles gut organisiert ist und alle Informationen bereitstehen. Das ist ganz wesentlich für den Bauerfolg. Sammeln Sie also rechtzeitig alle wichtigen Infos: Sprechen Sie sich rechtzeitig mit der zuständigen Gemeinde, dem Bodengutachter, den Nachbarn, dem Kreditinstitut, dem Energieberater, dem Heizungsbauer usw. ab.

  3. Vergessen Sie die Nachhaltigkeit nicht

    Nachhaltigkeit sollte eigentlich im Interesse jedes Bauherren liegen. Denn es bedeutet, nicht nur umweltfreundlich, sondern auch wirtschaftlich und mit hoher Qualität zu bauen und zu wohnen. Dabei helfen ein bisschen Genügsamkeit und der bewusste Einsatz von Material und Raum. Die Zeiten der Verschwendung sind vorbei.

Ich wünsche allen viel Erfolg bei ihrem großen, spannenden Hausbau-Vorhaben und unterstütze gern mit Infos und Tools auf baugorilla.com.

Vielen Dank für das interessante Interview, Frau Riederer!

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