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Heiztechnologien der Zukunft und PV-Strom selbst nutzen: Energieexperte im Interview

Mit seinem Blog energynet.de informiert Andreas Kühl zu aktuellen Themen rund um Energie – sei es die Energiewende, Energieversorgung oder Energieeffizienz. Im Interview mit „Dein Heizungsbauer“ berichtet er unter anderem über die interessantesten neuen Heiztechnologien, wie Besitzer von Photovoltaikanlagen ihren Strom am besten nutzen und was sie tun können, wenn ihre Förderung ausläuft. Und natürlich gibt er Ihnen seine persönlichen Heiz- sowie Stromspartipps mit auf den Weg.

Heiztechnologien der Zukunft und PV-Strom selbst nutzen: Energieexperte Andreas Kühl im Interview

“Dein Heizungsbauer“: Bitte stellen Sie sich und Ihren Blog doch kurz vor.

Mein Name ist Andreas Kühl, ich habe Bauphysik an der Fachhochschule in Stuttgart studiert und danach bei einem Hersteller für Wohnungslüftungsgeräte gearbeitet. Da mir das zu einseitig war und ich mich für die gesamte Energieeffizienz und Energienutzung im Gebäude interessiere, habe ich im Jahr 2000 mit der Website energynet.de begonnen. Anfangs habe ich versucht, Informationen und aktuelle Nachrichten zusammenzutragen. Im Jahr 2006 habe ich dann die Seite in einen Blog umgebaut.

Heute ist es mir wichtig zu zeigen, was die Energiewende in den unterschiedlichen Bereichen – abgesehen von der Mobilität – bewirken kann. Es gibt viele spannende Entwicklungen, die ich vorstellen und erklären möchte. Der Wärmesektor ist dabei für mich immer noch ein wesentliches Element. Ich bin sehr daran interessiert, Lösungen zu finden, die eine Energiewende im Wärmemarkt fördern.

“Dein Heizungsbauer“: Welche interessanten Neuerungen sehen Sie derzeit auf dem Heizungsmarkt?

Am spannendsten ist für mich derzeit zu beobachten, wie Strom und Wärme immer mehr zusammenwachsen. Dazu gehört die verstärkte Nutzung von Strom aus der Photovoltaikanlage für die Heizung. Es gibt zum Beispiel auf den Märkten für Energiespeicher und Heizungen mittlerweile Überschneidungen. Die Speicher tragen dazu bei, den Strom optimal auszunutzen – sei es als reiner Strom-, Wärme- oder Wasserstoffspeicher.

Aber auch die innovativen Brennstoffzellen sind nach wie vor interessant: Sie erzeugen sowohl Wärme als auch Strom. Sie haben einen höheren Wirkungsgrad als Brennwertkessel und können die Stromerzeugung der Photovoltaikanlagen ergänzen.

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“Dein Heizungsbauer“: Wo sehen Sie bei den aktuellen Heizsystemen Verbesserungspotenzial im Hinblick auf Technologie und Umweltfreundlichkeit?

Zu den aktuellen Heizsystemen auf dem Markt gehören Brennwertheizungen, sie sind aber bereits seit 20 Jahren Stand der Technik. Wärmepumpen sind ebenfalls eine sehr aktuelle Technologie und haben mit Sicherheit noch eine große Zukunft vor sich.

Ich glaube, die Technologien selbst werden sich nur noch in kleinen Schritten weiterentwickeln. Große Sprünge kann es meines Erachtens nur noch mit anderen Technologien geben. Es gibt aber auch eine Mischung aus beiden Technologien, die mit deutlich geringeren Emissionen auskommt.

Bei der Wärmepumpe sehe ich die interessantesten Entwicklungen bei der Wärmequelle, die ein wichtiger Faktor für die Effizienz ist. Da gibt es beispielsweise Erdkollektoren, die wenig Fläche benötigen, Erdwärmespeicher und den Eisspeicher als Wärmequelle.

“Dein Heizungsbauer“: Photovoltaik oder Solarthermie? Für wen eignet sich was?

Über diese Frage können sich Experten lange und heftig streiten. Die Solarthermie hat den Vorteil, dass sie nicht nur die direkte Strahlung in Wärme umwandelt, sondern auch die diffuse Strahlung. Während aber überschüssiger Strom in das Netz eingespeist werden kann, bleibt die nicht nutzbare Wärme der Solarthermie unangetastet. Damit können sich Photovoltaikanlagen schneller bezahlt machen.

Allerdings ist Photovoltaik für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung – zum Beispiel über eine Wärmepumpe – meines Erachtens eher bei effizienten Gebäuden mit geringem Heizenergiebedarf sinnvoll. Was sich für wen lohnt, sollten Interessenten mit einem Energieberater individuell ermitteln.

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“Dein Heizungsbauer“: Wie können Hausbesitzer ihren selbst produzierten Strom am besten nutzen und mit welchen Investitionen müssen sie rechnen? Gibt es Förderungen?

Zunächst gilt es, den Strom möglichst direkt zu verbrauchen. Denn je mehr Sie von Ihrem eigenen Strom verbrauchen, desto weniger teuren Haushaltsstrom müssen Sie hinzukaufen. Ein Batteriespeicher erhöht Ihre Unabhängigkeit, hilft, möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen und sorgt dafür, dass sich der Solarstrom auch in den Abendstunden sowie an trüben Tagen noch nutzen lässt.

Die Kosten für einen Batteriespeicher inklusive Installation lagen 2017 bei rund 1.300 Euro pro Kilowattstunde Speicherinhalt. Bis Mitte 2018 sind die Kosten bereits auf 1.100 Euro gesunken. Die Größe des Speichers richtet sich nach der Leistung der Photovoltaikanlage und dem individuellen Strombedarf.

Für die Investition in einen Stromspeicher gibt es Fördermittel von der KfW über das Programm 270 „Erneuerbare Energien“ mit einem zinsgünstigen Darlehen und einem Tilgungszuschuss. Darüber hinaus gibt es in einigen Bundesländern eine eigene Förderung, die in der Regel einen Zuschuss für die Investition in den Speicher darstellt.

“Dein Heizungsbauer“: Wenn 2021 im Zuge der EEG-Umlage die ersten Förderungen auslaufen, stehen viele vor der Frage, wie der PV-Strom weiterhin sinnvoll genutzt werden kann. Wozu raten Sie?

Sie sollten versuchen, den Strom weitestgehend selbst zu nutzen. Da die Photovoltaikanlage abbezahlt ist, müssen Sie nichts für diesen Strom bezahlen, abgesehen von den Wartungskosten. Für Strom aus dem Netz hingegen bezahlen Sie zwischen 27 und 30 Cent pro Kilowattstunde.

Hilfreich ist die Installation eines Energiemanagement-Systems, das für einen optimalen Verbrauch im Haushalt sorgt. Die Nutzung des Stroms für den Wärmebedarf und die Mobilität kann auch eine sinnvolle Lösung sein.

Ein Batteriespeicher hilft, möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen – er kann den Eigenverbrauch auf mindestens 50% erhöhen. Diese Investition kann sich bei bereits abgezahlten Photovoltaikanlagen eher lohnen als bei neuen Anlagen. Denn sie erzeugen den Strom inzwischen für zirka 5 Cent pro Kilowattstunde, da nur noch Kosten für das Monitoring und die Wartung der Anlage anfallen.

Damit dürfen die Speicherkosten maximal 25 Cent pro Kilowattstunde betragen, was bei den heutigen Preisen kein Problem mehr ist. Allerdings müssen Sie noch 40% der EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch berücksichtigen, die Sie bezahlen, wenn Sie Ihren Strom bisher nicht selbst genutzt haben.

“Dein Heizungsbauer“: Wie sieht es mit den Möglichkeiten aus, nicht verwendbaren Strom zu verkaufen?

Ob die Betreiber ihren Strom verkaufen können, hängt davon ab, inwieweit sich in den nächsten Jahren ein Markt für Strom aus diesen Anlagen entwickelt. Vielleicht können Sie sich einer „Strom-Community“ anschließen, die den Strom aus vielen kleinen Anlagen bündelt und dann vermarktet.

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“Dein Heizungsbauer“: Welche Tipps legen Sie jedem ans Herz, um Heiz- und Stromkosten zu sparen?

Die wenigsten Menschen wissen, wie viel elektrische Energie und Heizenergie sie benötigen. Daher hier mein wichtigster Tipp: Erkundigen Sie sich, wie hoch Ihr Verbrauch ist und wie Sie im Vergleich zu einem durchschnittlichen Haushalt der gleichen Größe abschneiden.

Hilfreich für diesen Vergleich ist die Seite Stromspiegel.de. Diese zeigt auch an, ob es noch Potential für weitere Sparmaßnahmen gibt. Der Stromverbrauch in meinem Vier-Personen-Haushalt entspricht übrigens dem eines durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalts – und es gibt immer noch Möglichkeiten, Strom einzusparen. Hier ein paar konkrete Ideen:

  1. Beleuchtung

    Ich schlage vor, sich um die Beleuchtung zu kümmern. Sie trägt zwar nur einen geringen Teil zum Stromverbrauch bei, dieser lässt sich aber relativ einfach reduzieren. LED-Leuchten verbrauchen nur wenig Strom und es gibt sie in unterschiedlichen Helligkeiten und Farbtemperaturen.

  2. Umwälzpumpe

    Ein relativ großer Verbraucher im Haushalt ist die Umwälzpumpe der Heizung. Moderne Pumpen sind hocheffizient und benötigen deutlich weniger Strom als ihre älteren Vorgänger. Für den Austausch der Pumpe gibt es eine Förderung durch den Staat, sodass sich der Tausch innerhalb weniger Jahre rechnen kann.

  3. Heizung

    Der nächste Tipp betrifft das Heizkosten sparen: Moderne Brennwertgeräte verbrauchen zum Beispiel deutlich weniger Brennstoff als Heizungen, die schon 10 bis 20 Jahre alt sind. Bei Heizungen wie einer Wärmepumpe benötigen Sie gar keinen Brennstoff.

    Ein elektronisches Thermostat kennt außerdem das Aufheizverhalten des Gebäudes, das Wetter, unsere Gewohnheiten und vielleicht auch, wann wir uns vom Haus entfernen oder uns ihm nähern. So kann es die Temperaturen besser an den tatsächlichen Bedarf anpassen und nur so viel heizen, wie wirklich notwendig. Manche Hersteller sprechen von einer Einsparung von bis zu 30%. Wenn Sie 10% erreichen, ist das aber auch schon hilfreich.

  4. Kühlschrank

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht nur ein neuer effizienter Kühlschrank den Stromverbrauch verringert. Es hilft auch zu prüfen, ob der Kühlschrank wirklich so groß sein muss. Ein kleinerer Kühlschrank verbraucht weniger Strom als ein großes Gerät. Das ist, neben der Effizienzklasse, ein weiterer Faktor für die Höhe des Stromverbrauchs.

“Dein Heizungsbauer“: Welche Heizung nutzen Sie privat?

Ich wohne mit meiner Familie in einem Reihenhaus und wir sind an ein Nahwärmenetz angeschlossen. Dieses Netz versorgt rund 240 Häuser mit Wärme aus Öl-Brennwertkesseln. Leider habe ich wenig Einfluss auf die Wahl des Energieträgers. Nur bei steigenden Kosten werden sich die Miteigentümer Gedanken machen, ob diese Art der Heizung für die Zukunft noch richtig ist. Andere Vorschläge wurden bisher aus Kostengründen abgelehnt.

Vielen Dank für das interessante Interview, Herr Kühl!

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