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Marktraumumstellung in Deutschland: H-Gas ersetzt L-Gas

In den letzten Jahren stellen die Gasnetzbetreiber die Erdgasversorgung in einigen Teilen Deutschlands schrittweise um. Der Hintergrund der Marktraumumstellung: Etwa ein Viertel der deutschen Gaskunden bezieht bislang das sogenannte L-Gas. Da diese Gasart knapp wird, müssen sich jene Kunden auf das sogenannte H-Gas einstellen. Doch keine Sorge: Mit der Umstellung von L-Gas auf H-Gas ändert sich für Sie nicht viel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gas ist nicht gleich Gas: Merkmale von L-Gas und H-Gas
  2. Nordwesten und Westen von Deutschland betroffen
  3. Technische Anpassung der Gasgeräte erforderlich
  4. Gasnetzbetreiber übernimmt alle notwendigen Schritte
  5. Anpassung von L-Gas auf H-Gas wird nicht extra berechnet
  6. Modernisierungskosten muss Eigentümer zahlen
  7. Versorgungssicherheit dank Umstellung von L-Gas auf H-Gas
H-Gas L-Gas Marktraumumstellung: Gasleitung in der Landschaft

Gas ist nicht gleich Gas: Merkmale von L-Gas und H-Gas

Erdgas aus natürlichen Vorkommen ist nie ein chemisch reiner, einheitlicher Stoff. Es handelt sich immer um ein Gemisch verschiedener Komponenten und dieses fällt von Lagerstätte zu Lagerstätte unterschiedlich aus.

L-Gas hat geringeren Brennwert

  • Erdgas aus Lagerstätten in Deutschland und den Niederlanden bezeichnen Experten als L-Gas, weil es einen vergleichsweise geringen Brennwert hat. Der Brennwert eines Stoffes ist die Menge an chemisch gebundener Energie, die eine Verbrennung freisetzen kann.

  • L-Gas ist eine Abkürzung aus dem Englischen und steht für „Low calorific gas“.

  • L-Gas enthält zu rund 80% den Kohlenwasserstoff Methan. Hinzu kommen weitere brennbare Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Ethen, Propan oder Butan.

  • Etwa 10% des L-Gases besteht aus nicht brennbaren Bestandteilen wie Kohlendioxid, Stickstoff und Spuren von Edelgasen.

H-Gas enthält mehr Energie als L-Gas

  • Stammt das Erdgas hingegen aus Lagerstätten in Norwegen, Großbritannien oder Russland, sind der Methangehalt und der Brennwert höher. Die Fachwelt spricht von H-Gas.

  • Auch H-Gas ist eine Abkürzung aus dem Englischen und bedeutet „High calorific gas“.

  • H-Gas enthält zwischen 90 und 95% Methan und einige Prozente weiterer brennbarer Kohlenwasserstoffe.

  • Die nicht brennbaren Anteile machen beim H-Gas je nach Lagerstätte nur etwa 3% aus.

  • Daher erzielt H-Gas einen Brennwert von 11,1 kWh pro m3, während der Energiegehalt des L-Gases bei nur etwa 8,2 kWh pro m3 liegt.

Nordwesten und Westen von Deutschland betroffen

In der Nähe der niederländischen und norddeutschen Lagerstätten werden die meisten Haushalte auf deutscher Seite mit L-Gas vorsorgt. Das betrifft Teile von Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Bremen. In den übrigen Landesteilen bekamen die Kunden schon immer H-Gas geliefert.

Da die Lagerstätten von L-Gas zur Neige gehen, müssen die Gasnetzbetreiber nun schrittweise bis 2030 alle ihre Netze im Rahmen der Marktraumumstellung auf H-Gas umstellen. In Teilen von Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Hessen ist H-Gas bereits verfügbar.

Technische Anpassung der Gasgeräte erforderlich

Die Marktraumumstellung von L-Gas auf H-Gas ist nicht ganz so einfach. Die Netzbetreiber können nicht einfach die Pipeline zu den Niederlanden kappen und ihr Netz an die Pipeline aus Russland anschließen. Denn um einen sicheren und effizienten Betrieb der bestehenden L-Gasheizungen mit H-Gas zu gewährleisten, muss bei den meisten der Geräte eine technische Anpassung erfolgen.

Laut dem Umsetzungsbericht zum Netzentwicklungsplan Gas 2018-2028 der Fernleitungsnetzbetreiber sollen die Netzbetreiber dafür jährlich bis zu 550.000 Gasheizungen umrüsten. Insgesamt werden es bis 2030 mehr als fünf Millionen Gasheizgeräte sein.

H-Gas gegen L-Gas: Anzahl anzupassende Verbrauchsgeräte pro Jahr Grafik
Ein Großteil der Gasgeräte sollen bis 2027 von L-Gas auf H-Gas umgestellt werden. Bis 2030 soll die Marktraumumstellung abgeschlossen sein.

Ob Ihre Gasheizung von der Marktraumumstellung von L-Gas auf H-Gas betroffen ist, können Sie der Karte der Bundesnetzagentur entnehmen. Ihr lokaler Gasnetzbetreiber kann Ihnen zudem eine genaue Auskunft geben. Falls Sie nicht sicher sind, welches Unternehmen das Gasnetz betreibt, können Sie das bei Ihrem Gasversorger erfragen.

Gasnetzbetreiber übernimmt alle notwendigen Schritte

Sie können die Marktraumumstellung aber auch ganz gelassen auf sich zukommen lassen. Denn der lokale Gasnetzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, zwei Jahre vor dem Start den Umstellungstermin auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Außerdem muss er alle betroffenen Kunden schriftlich informieren. Wenn Sie also noch keine Post erhalten haben, wird in den nächsten zwei Jahren auch keine Umrüstung erfolgen.

Zunächst erfolgt die Erfassung aller Gasgeräte

In der Information weist Sie der lokale Netzbetreiber auch darauf hin, dass er oder ein von ihm beauftragter Dienstleister im ersten Schritt alle Gasgeräte erfasst. Das soll in der Regel bereits ein Jahr vor dem Marktraumumstellungstermin passieren. Zur Erfassung kommt einer von 1.000 speziell geschulten Monteuren nach der Terminabsprache zu Ihnen nach Hause. Er stellt fest, welches Heizgerät Sie benutzen und kann dann schon sagen, ob Ihr Gerät in der Lage ist, L-Gas und H-Gas zu verbrennen.

Moderne Gas-Brennwertgeräte können nämlich selbst die Gasart feststellen und stellen sich dann automatisch ein. Bei älteren Gasgeräten muss der Profi hingegen die Gasdüse austauschen. Nur bei ganz wenigen Altgeräten ist eine Umrüstung nicht möglich. Dann ist der Einbau einer neuen Gasheizung erforderlich. Ob das bei Ihnen der Fall ist, teilt Ihnen der Monteur mit. Sie erhalten anschließend an den Termin eine schriftliche Bestätigung. Insgesamt dauert die Erfassung nur wenige Minuten.

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Termin zur Anpassung wird mindestens drei Wochen vorher bekannt gegeben

Wenn dann nach etwa einem Jahr der Zeitpunkt der Marktraumumstellung bei Ihnen gekommen ist, muss die technische Anpassung zeitnah erfolgen. Sie können ein von L-Gas auf H-Gas umgestelltes Gasgerät zwar einige Tage weiterhin mit L-Gas betreiben. Es besteht allerdings die Gefahr von Störungen und Ausfällen, sodass die technische Anpassung immer sehr kurz vor der Gasumstellung passieren sollte.

Der lokale Gasnetzbetreiber wird Sie aber rechtzeitig über das Zeitfenster informieren. Dann meldet sich mindestens drei Wochen vorher das Unternehmen, das die technische Anpassung ausführt, zwecks Terminabsprache bei Ihnen. Es ist wichtig, dass Sie diesen Termin auch einhalten.

Geschulter Monteur stellt Geräte von L-Gas auf H-Gas um

Zum Termin kommt wiederum ein speziell geschulter Monteur zu Ihnen. Er bringt die nötigen Ersatzteile mit und tauscht die Gasdüse innerhalb von wenigen Minuten aus. Zunächst stellt er dafür fest, ob es sich um das richtige, bei der Erfassung vorgefundene, Gerät handelt. Das Gasgerät muss sich zudem in einem mangelfreien Zustand befinden und allen technischen Vorschriften entsprechen.

Nach der Anpassung prüft der Monteur die Dichtheit und nimmt das Gerät wieder in Betrieb. Abschließend führt er noch eine Abgasmessung durch – wie es der Schornsteinfeger bei seinen regelmäßigen Überprüfungen auch macht – ­und kennzeichnet es mit einem Aufkleber als „Gasgerät auf H-Gas angepasst“.

Gasversorgung durchgehend gewährleistet

Im gesamten Zeitraum der Marktraumumstellung von L-Gas auf H-Gas brauchen Sie keine Unterbrechung der Gasversorgung zu befürchten. Nur in sehr seltenen Fällen können Störungen auftreten und der Monteur muss ein weiteres Mal vorbeikommen. Bei manchen Haushalten meldet sich nach einigen Wochen noch einmal ein Kontrolleur und überprüft die Arbeiten. Durch eine Stichprobe von 10% will der Gesetzgeber die Qualität der Umstellung sicherstellen.

Monteuren Zutritt gewähren ist Pflicht

  • Sie sind als Eigentürmer oder Mieter verpflichtet, die Monteure in Ihre Wohnung zu lassen.

  • Wer sich weigert oder die Umstellung aus anderen Gründen verhindert, dem darf der Netzbetreiber aus Sicherheitsgründen den Gashahn abdrehen.

Anpassung von L-Gas auf H-Gas wird nicht extra berechnet

Der gesamte Marktraumumstellungsprozess ist für Sie als Kunde in aller Regel inklusive. Der Gasnetzbetreiber darf Ihnen weder die Kosten für die Ersatzteile noch die Kosten für Arbeitsstunden in Rechnung stellen. Denn der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Gasnetzbetreiber die Kosten für die Umstellung von L-Gas auf H-Gas mit der sogenannten Marktraumumstellungszulage begleichen. Diese Zulage zahlen alle Gaskunden in Deutschland zusätzlich zu den anfallenden Netzentgelten.

Auch die Gaskosten ändern sich für die betroffenen Kunden nicht, denn Erdgas wird generell nach dem Brennwert in kWh abgerechnet. Wer anstelle von L-Gas nun H-Gas bezieht, der verbraucht zwar weniger m3 Gas als vorher – die benötigte Wärmeenergie in kWh bleibt aber gleich.

Modernisierungskosten muss Eigentümer zahlen

Falls die Gasheizung aber so alt ist, dass sie nicht angepasst werden kann, müssen die Eigentümer selbst für die Modernisierung ihrer Heizung sorgen. Die Kosten müssen Sie dann also auch selbst übernehmen.

Allerdings gibt es Zuschüsse zum Geräteaustausch:

  • Ist die Gasheizung nicht älter als 10 Jahre, beträgt der Zuschuss 500 Euro.

  • Bei einem Gasgerät, das zwischen 10 und 20 Jahre alt ist, sind es 250 Euro.

  • 100 Euro erhalten Sie für mehr als 20 Jahre alte Geräte.

  • Für Altgeräte über 25 Jahre gibt es keinen Zuschuss mehr.

  • Antragsformulare erhalten Sie bei Ihrem Gasnetzbetreiber.

Wer die Gasumstellung nutzt, um seine Heizung zu modernisieren, obwohl eine technische Anpassung möglich wäre, der erhält ebenfalls 100 Euro. Dafür müssen Sie in dem Zeitraum nach der Bekanntgabe des Umstellungstermins und vor der Anpassung ein neues Gas-Brennwertgerät installieren, das sich automatisch auf H-Gas einstellt.

Modernisierung der Heizung kann sich lohnen

Nun sind 100 Euro nicht gerade üppig. Dennoch kann sich die Installation einer neuen Heizung lohnen. Der Grund: Zirka 57% aller Heizgeräte in Deutschland sind nach Ansicht von Experten veraltet und ineffizient.

H-Gas ersetzt L-Gas: Effizienz Heizungen Grafik
Die meisten Heizungen in Deutschland sind veraltet und ineffizient. Bei der Umstellung auf H-Gas von L-Gas können Sie gegebenenfalls gleich das alte Heizgerät austauschen.

Gehört Ihre Heizung dazu, sollten Sie sich im Zuge der Marktraumumstellung fragen, ob nicht eine Heizungsmodernisierung sinnvoll wäre. In vielen Fällen amortisiert sich der Einbau eines Gas-Brennwertgeräts bereits nach wenigen Jahren.

Mit Hybridheizung Solarwärme und Wärmepumpe einbinden

Auch wenn moderne Gas-Brennwertgeräte sauberer verbrennen und weniger Kohlendioxid in die Luft pusten als Altgeräte: Der fossile Brennstoff Erdgas trägt zur Erderwärmung bei. Wer etwas für den Klimaschutz tun möchte, sollte seine Gasheizung zum Beispiel mit der umweltfreundlichen Solarwärme kombinieren.

Moderne, gut geplante Solarthermieanlagen können ohne Probleme über das Jahr gesehen mehr als die Hälfte der Wärme für Heizung und Warmwasser bereitstellen. Das spart nicht nur Treibhausgase ein, sondern senkt langfristig Ihre Brennstoffkosten enorm und verringert Ihre Abhängigkeit von importiertem Erdgas.

Mit einer Wärmepumpe machen Sie sich ganz unabhängig von fossilen Brennstoffen oder können diese in Form einer Hybridheizung ergänzen. Dann heizen Sie mit Umweltwärme und elektrischem Strom als Antriebsenergie für die Wärmepumpe. Und je mehr erneuerbare Energien und je weniger Kohlestrom zukünftig im deutschen Strommix stecken, desto klimafreundlicher wird eine Heizung mit Wärmepumpe.

Ob eine Wärmepumpe für Ihr Haus die beste Lösung ist oder ob eine Solaranlage mit Gas-Brennwertgerät eine bessere Alternative darstellt, kann ein Heizungsinstallateur mit Ihnen gemeinsam bewerten.

Versorgungssicherheit dank Umstellung von L-Gas auf H-Gas

Die Marktraumumstellung von L-Gas auf H-Gas ist notwendig, um die Versorgungssicherheit mit Erdgas in Deutschland über das Jahr 2030 hinweg zu sichern. H-Gas hat zudem einen höheren Brennwert als L-Gas. Wenn Sie in einem der betroffenen Gebiete in Deutschland wohnen, können Sie ganz entspannt die Umstellung abwarten. Wenn Sie aber unsicher sind, was auf sie zukommt und Sie befürchten, dass Ihr altes Heizgerät nicht technisch anpassbar ist, dann fragen Sie den Heizungsbauer Ihres Vertrauens um Rat.

Jens-Peter Meyer,
Dr. rer. nat.

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

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