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Heizen mit Wärmepumpe oder Gas: Was ist die bessere Wahl?

Zwei Heizungsarten stehen heutzutage besonders im Fokus: Die moderne Wärmepumpe und die klassische Gasheizung. Während die Gasheizung seit Jahrzehnten fest zur Beheizungsstruktur gehört, ist die Wärmepumpe seit einigen Jahren als umweltfreundliche und moderne Alternative etabliert. In diesem Fachartikel gehen wir ausführlich auf die Verbreitung beider Heizungsarten ein, stellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus und erläutern, für welchen Haushalt sich welche Heizungsart besonders gut eignet.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Wärmepumpe auf dem Vormarsch
  2. Wärmepumpe vs. Gas: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
  3. Welche Heizungsart eignet sich für welchen Haushalt?
  4. Fördermöglichkeiten für Wärmepumpe oder Gas
  5. Die Kombination aus Wärmepumpe und Gasheizung

Die Wärmepumpe auf dem Vormarsch

Im Zuge der politischen Bemühungen um einen umweltfreundlicheren Energiemix werden die Anforderungen an die Energieeffizienz in Gebäuden immer weiter verschärft. Gesetzeswerke wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und die Energieeinsparverordnung (EnEV) sind wichtige Schritte zur Reduzierung von CO2 und anderen Treibhausgasemissionen.

Im Fokus stehen dabei vor allem Heizsysteme in Gebäuden. So schreibt das EEWärmeG beispielsweise vor, dass der Wärmebedarf bei neu errichteten Häusern zum Teil mit erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Zu diesen umweltfreundlichen Technologien gehört unter anderem die Wärmepumpe, die Wärmeenergie aus der Umwelt nutzt und diese auf ein im Gebäude nutzbares Temperaturniveau erwärmt.

Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2000 in nicht einmal 1% der neuen Wohngebäude in Deutschland Wärmepumpen verbaut. Der Trend zeigt aber, dass sich immer mehr Bauherren für die Integration einer Wärmepumpe in ihr Heizsystem entscheiden. Wurden 2010 schon fast 29% aller Neubauten mit einer Wärmepumpe ausgestattet, so waren es 2018 bereits mehr als 41%.1 Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Wärmepumpe heute einen festen Platz in der Heiztechnik hat und rasant immer beliebter wird.

Vor allem im gut gedämmten Neubau ist die Wärmepumpe mit kleinem Abstand die beliebteste Heizart noch vor Gas. Gleichzeitig ist der Gebäudebestand immer noch sehr stark von den klassischen Heizungsarten wie der Gasheizung oder der Ölheizung geprägt. Etwa 48% aller deutschen Haushalte heizten 2017 mit Gas als Energieträger, dieser Wert ist in den letzten zehn Jahren trotz der vielen neuen Alternativen relativ konstant geblieben.

Auf den Plätzen zwei und drei der meistgenutzten Heizungsarten lagen mit der Ölheizung und der Fernwärmeheizung übrigens ebenfalls konventionelle Heizungsarten. Da die Erneuerung der Gebäudestruktur naturgemäß nur sehr langsam vorangeht, ändert sich auch die Beheizungsstruktur nur schleppend zugunsten von erneuerbaren Energien.

Wärmepumpe vs. Gas: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Wärmepumpen und Gasheizungen basieren technisch auf grundlegend verschiedenen Prinzipien. Während die Gasheizung durch die Verbrennung eines fossilen Energieträgers Wärme erzeugt, nutzt die Wärmepumpe elektrischen Strom zur Anhebung des Temperaturniveaus von frei verfügbarer Umweltwärme. Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu verstehen, erläutern wir im Folgenden kurz das Funktionsprinzip der beiden Technologien.

Die Gasheizung: Klassische Verbrennungsheizung mit hoher Effizienz

Ein modernes Gas-Brennwertgerät ist kompakt, sparsam und günstig. Diese Heizungsart basiert auf der Verbrennung von Erdgas, Flüssiggas oder Biogas und arbeitet äußerst zuverlässig. In der Brennkammer der Gasheizung verbrennt das Gas und die dabei freiwerdende Wärme wird auf den Heizungskreislauf des Hauses übertragen.

Die entstehenden Abgase werden in modernen Brennwertheizungen so weit abgekühlt, dass auch die Kondensationswärme genutzt wird. Moderne Gasheizungen haben dadurch einen hohen Wirkungsgrad.

Die Gasheizung ist zudem einfach regelbar, anspruchslos und robust. Sie kann darüber hinaus als Hybridheizung zum Beispiel mit Solarthermie kombiniert werden, um die gesetzlichen Forderungen nach einem festen Anteil an erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung zu erfüllen.

Vor- und Nachteile der Gasheizung im Überblick

Pro

  • Platzsparend: Die Gasheizung ist kompakt. Bei Erdgas ist zudem kein Tank erforderlich.

  • Kostengünstig: Gasheizungen sind seit Jahrzehnten etabliert und sind daher günstig in Anschaffung und Betrieb. Die Investition liegt bei etwa 3.000 bis 6.000 Euro für das Gerät.

  • Ausgereift: Gasheizungen sind technisch ausgereift und zuverlässig. Mit ihr müssen Sie sich auch im tiefsten Winter keine Gedanken machen, ob das Heizsystem den Temperaturen gewachsen ist.

  • Effizient: Gasheizungen mit Brennwerttechnik wandeln fast den kompletten Energiegehalt des Brennstoffs in Wärme um.

  • Kombinierbar: Gasheizungen lassen sich vielseitig mit erneuerbaren Energien wie Solarthermieanlagen oder Wärmepumpen kombinieren.

  • Förderbar: Die Heizungsmodernisierung mit moderner Gas-Brennwerttechnik wird gefördert von Institutionen wie der KfW.

Contra

  • Gasleitung erforderlich: Voraussetzung für die Nutzung einer Erdgasheizung ist das Verlegen einer Gasleitung ins Gebäude oder ein Flüssiggastank.

  • Nicht klimaneutral: Auch wenn heutige Gasheizungen effizient arbeiten, basieren sie immer noch auf der Verbrennung fossiler Energieträger und verursachen dadurch klimaschädliche CO2-Emissionen.

  • Preisschwankungen: Der Markt für fossile Energieträger wie Gas oder Öl ist starken Schwankungen unterworfen. Die Betriebskosten für eine Gasheizung können daher nicht präzise vorhergesagt werden.

Die Wärmepumpe: Ideal für moderne Gebäude

Die Wärmepumpe nutzt einen einfachen Verdichtungsprozess, um Wärme von einem geringen auf ein höheres, im Heizkreislauf nutzbares Temperaturniveau zu heben. Dieses Prinzip entspricht dem umgekehrten Kreisprozess eines Kühlschranks: Statt Wärme von innen nach außen zu transportieren, nimmt die Wärmepumpe außen Energie auf und „schaufelt“ diese nach innen.

Als Wärmequelle kommen – je nach baulichen Gegebenheiten und Umweltbedingungen – verschiedene Alternativen infrage. So können Bauherren beispielsweise die Wärme des Erdreichs, die Wärme des Grundwassers oder die Wärme in der frei verfügbaren Umgebungsluft nutzen.

Die aus der Umwelt zum Beispiel durch die Luft aufgenommene Wärme wird zur Verdampfung des in der Wärmepumpe zirkulierenden Kältemittels genutzt. Das Kältemittel wird dann in gasförmiger Form von einem elektrisch angetriebenen Kompressor verdichtet und dadurch weiter erhitzt.

Im Verflüssiger gibt das Kältemittel die Wärme an den Heizkreislauf ab. Das Kältemittel verflüssigt sich dabei wieder und der Vorgang beginnt nach der Entspannung erneut. Wärmepumpen sind in der Lage, das Vielfache des verbrauchten Stroms als Wärme bereitzustellen.

Im Vergleich zu einer Gasheizung arbeitet die Wärmepumpe auf einem vergleichsweise niedrigen Temperaturniveau. Das heißt, die Vorlauftemperatur des Heizsystems ist bei Wärmepumpen geringer als bei konventionellen Heizungen. Nur dann arbeitet diese Art des Wärmeerzeugers wirklich effizient.

Aus diesem Grund ist diese Heizungsart vor allem für moderne Gebäude mit einem geringen Heizbedarf prädestiniert. Denn dafür ist eine gute Gebäudedämmung wichtig. Flächenheizungen – wie beispielsweise Fußboden- oder Deckenheizungen – arbeiten mit geringen Temperaturen und können die Wärme der Wärmepumpe daher perfekt nutzen.

Vor- und Nachteile der Wärmepumpe im Überblick

Pro

  • Platzsparend: Die Wärmepumpe ist etwas größer als eine Gasheizung, der Platzbedarf hält sich aber in Grenzen.

  • Geringe Heizkosten: Die Heizkosten – also die Kosten für den elektrischen Antrieb des Kompressors – fallen gering aus.

  • Umweltfreundlich: Wärmepumpen verbrennen keine fossilen Energieträger. Stammt der nötige Strom aus der heimischen PV-Anlage oder ist Ökostrom, heizen Sie CO2-neutral.

  • Wartungsarm: Die Wärmepumpe arbeitet zuverlässig und überzeugt durch geringen Wartungsaufwand.

  • Staatliche Förderungen: Auch der Einbau einer Wärmepumpe wird vom Staat finanziell unterstützt.

Contra

  • Anschaffungskosten: Im Vergleich zu einer Gasheizung sind Wärmepumpen teurer. Die Kosten für die Anschaffung des Geräts liegen üblicherweise bei 12.000 bis 25.000 Euro, je nach Leistung und Wärmequelle.

  • Stromverbrauch: Da die Wärmepumpe elektrisch angetrieben wird, sind die Betriebskosten vom aktuellen Strompreis abhängig – außer Sie nutzen Ihren eigenen Photovoltaikstrom.

  • Genehmigung: Je nach Wärmepumpenart ist eventuell – etwa für die Tiefenbohrung – eine Genehmigung erforderlich.

Welche Heizungsart eignet sich für welchen Haushalt?

Die Frage, ob Wärmepumpe oder Gas am geeignetsten ist, stellt sich für viele Bauherren im Zuge der Planungen. Auch in Bestandsbauten kann sich der Wechsel des Energieträgers aufgrund der geringeren Energiekosten häufig lohnen.

Bei der Entscheidung zwischen Wärmepumpe und Gas stellt sich zunächst die Frage, ob es sich um einen Bestandsbau oder einen Neubau handelt. Ältere Bestandsbauten haben häufig einen schlechten Dämmstandard und damit einen hohen Heizbedarf. Gleichzeitig sind die Vorlauftemperaturen des Heizungssystems meist auf ein sehr hohes Temperaturniveau ausgelegt, das mit einer Wärmepumpe nicht erbracht werden kann.

Bei älteren Bestandsbauten ist die Investition in eine Wärmepumpe also nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll. Etwa dann, wenn diese lediglich als Unterstützungsheizung eingesetzt wird oder wenn im Zuge einer Kernsanierung das komplette Heizungssystem modernisiert wird.

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Wenn in dem Gebäude aber noch eine alte Gasheizung ohne Brennwerttechnik installiert ist, bietet sich stattdessen häufig die Investition in ein modernes Brennwertgerät an. Die Anschaffung einer Brennwertheizung rentiert sich aufgrund des deutlich besseren Wirkungsgrads bereits nach wenigen Jahren und wird zudem staatlich gefördert.

Im Neubau stellt sich die Situation anders dar: Aufgrund der strengen Vorgaben der aktuellen EnEV  haben neue Gebäude einen sehr viel geringeren Wärmebedarf und sind darüber hinaus häufig mit Flächenheizungen ausgestattet, die geringe Vorlauftemperaturen nutzen können. Hier spielt die Wärmepumpe ihre Vorteile voll aus und gewährleistet eine hohe Effizienz bei geringen Betriebskosten.

Zudem wird die Wärmepumpe im Neubau häufig mit einer PV-Anlage auf dem Dach kombiniert. Dabei liefern die Solarzellen die für die Wärmepumpe erforderliche elektrische Energie und ermöglichen so sogar einen klimaneutralen und auch langfristig besonders kostengünstigen Betrieb.

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Fördermöglichkeiten für Wärmepumpe oder Gas

Modernisierungsmaßnahmen wie der Austausch des alten Gaskessels oder die Investition in eine neue Wärmepumpe werden vom Gesetzgeber mit staatlichen Zuschüssen honoriert. Förderinstitutionen wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellen für diese Maßnahmen zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse zur Investition zur Verfügung.

Das BAFA belohnt die Installation einer effizienten Wärmepumpe bis zu einer Nennleistung von 100 kW beispielsweise mit attraktiven Fördergeldern aus dem Marktanreizprogramm (MAP). Die Förderung gilt im Neubau nur für Wärmepumpen mit einer besonders hohen Effizienz. Auch die KfW fördert den Einbau von Wärmepumpen und stellt sowohl bei Alt- als auch bei Neubauten zinsgünstige Kredite zur Verfügung. Diese können beispielsweise unter den Förderprogrammen 153 („Energieeffizient Bauen“) und 430 („Förderung einer energetischen Komplettsanierung mit Zuschuss“) in Anspruch genommen werden.

Auch moderne Gasheizungen mit Brennwerttechnik sind aufgrund ihrer hohen Effizienz förderwürdig. Privatverbraucher können beispielsweise das Zuschuss-Programm 430 in Anspruch nehmen oder sich für die Kredit-Programme 151 und 152 entscheiden.

Förderung Heizung

Welche Fördermittel gibt es für die Heizung?

Effiziente Heizungen und erneuerbare Energien werden gefördert. Diese Optionen gibt’s Weiterlesen

Die Kombination aus Wärmepumpe und Gasheizung

Wenn Sie sich bei der Frage nach Wärmepumpe oder Gas nicht so recht entscheiden möchten, ist die Kombination beider Technologien eine attraktive Alternative. Diese Option ist in einigen Fällen sogar die beste, da beide Heizungsarten ganz bestimmte Vorteile aufweisen und sich gegenseitig sehr gut ergänzen. Die Gasheizung kann beispielsweise schnell sehr hohe Temperaturen bereitstellen, während die Wärmepumpe umweltfreundlich und kostengünstig im Betrieb ist.

Wenn Sie beide Technologien miteinander kombinieren, können Sie die jeweiligen Anlagen entsprechend etwas kleiner dimensionieren. Während die Wärmepumpe beispielsweise in den Übergangsmonaten den kompletten Wärmebedarf decken kann, läuft die Gasheizung nur an sehr kalten Tagen, an denen die Wärmepumpe weniger effizient arbeiten würde.

Wenn Sie Interesse an einer weiterführenden Beratung rund um das Thema Wärmepumpe oder Gas haben, empfehlen wir Ihnen unser Suchportal. Hier finden Sie kompetente Beratungsangebote und erhalten individuelle Lösungsvorschläge für Ihren Bedarf. Zudem kann Sie ein Heizungsbauer aus Ihrer Umgebung optimal beraten, welches Heizsystem sich bei Ihrem Haus am besten eignet.

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1Statista: Anteil der Wärmepumpen im Neubau in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2018

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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