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Brennwert: Diese Definition sollten Sie kennen

Heizwert und Brennwert: Beide Größen kennzeichnen den Energiegehalt von Brennstoffen. Per Definition fällt der Brennwert eines Stoffes stets höher aus als dessen Heizwert. Aber nicht alle Heizgeräte können den höheren Wert erschließen und damit die Effizienz der Brennstoffnutzung maximieren. Obwohl die leistungsfähigere Brennwerttechnik bei neu installierten Öl- und Gasheizungen längst zum Standard gehört, begegnen Ihnen in der Praxis nach wie vor beide Kennzahlen.

Brennwert Definition: WOLF CGS-2L

Inhaltsverzeichnis

  1. Hintergründe zur Definition des Brennwerts
  2. Per Definition: Der Brennwert schlägt den Heizwert
  3. Brennwerteffekt nutzen: Diese Voraussetzungen sollten erfüllt sein
  4. Gesetzgebung erhebt die Brennwerttechnik zum Standard
  5. Förderung für die Brennwerttechnik

In den folgenden Abschnitten klären wir die Fragen, wie eine Brennwertheizung den Energiegehalt von Öl, Gas und weiteren Brennstoffen besser nutzen kann und wie groß dieser Effekt bei unterschiedlichen Brennstoffen ist. Speziell Wohnungseigentümer und Vermieter werden sich dafür interessieren, welche Bedingungen die Brennwerttechnik voraussetzt. Und in welchen Fällen der Gesetzgeber trotz weitreichender Verbote auch künftig den Einbau von weniger modernen Heizwertgeräten gestattet.

Hintergründe zur Definition des Brennwerts

Im Verbrennungsprozess geben Energieträger den Großteil ihres Energieinhalts direkt als Wärme ab. Wenn ein herkömmlicher Heizkessel ohne Brennwerttechnik genutzt wird, liegt das im Abgas befindliche Wasser als Dampf vor und entweicht mit hoher Temperatur ungenutzt in die Umgebung. Die nutzbare Energiemenge wird in diesem Fall als Heizwert bezeichnet.

Heizgeräte nach den mittlerweile überholten Konstant- oder Niedertemperaturstandards können lediglich diesen Teil der Energie verarbeiten und als Heizungswärme und Warmwasser bereitstellen.

Unterschied zwischen Brennwert- und Heizwertgeräten

  • Brennwertgeräte machen sich im Gegensatz zu Heizwertgeräten zusätzlich die Wärme der Abgase zunutze.

  • Sie kühlen das Abgas auf eine deutlich geringere Temperatur ab.

  • So können Brennwertgeräte die dabei entstehende sogenannte Kondensationswärme nutzen.

Den Verlust der Differenz zwischen Brennwert und Heizwert mussten Bewohner in der Vergangenheit in Kauf nehmen. Denn das entstehende Kondensat hätte feuchtigkeitsbedingte Schäden an Heizungs- und Abgasanlage verursacht. Brennwertheizungen haben dagegen kein Problem mit der entstehenden Feuchtigkeit, benötigen aber entsprechend feuchteresistente Schornsteine und einen Ablauf. Mehr über Brennwert und Heizwert lesen Sie in unserem Artikel.

Per Definition: Der Brennwert schlägt den Heizwert

Der Effizienzvorteil durch die Nutzung der Kondensationswärme lässt sich nicht nur beziffern, sondern er hat auch einen Namen: Brennwerteffekt.

Definition: Brennwert und Brennwerteffekt

  • Laut Definition entspricht der Brennwert eines Energieträgers der Summe aus dessen Heizwert und der Kondensationswärme des Wasserdampfes.

  • Der Brennwerteffekt gibt genau an, in welchem Verhältnis Brennwert und Heizwert eines Brennstoffes zueinander stehen.

Wie sich der Brennwerteffekt errechnet, verdeutlicht die Tabelle. Sie zeigt auch, dass der Brennwerteffekt nicht bei allen Energieträgern gleichermaßen ausgeprägt ist. Wie groß der Anteil der Kondensationswärme am gesamten Energieinhalt ist, hängt vom Wasserstoffgehalt des jeweiligen Energieträgers ab.

Das heißt in der Praxis: Heizen Sie mit Erdgas, erreichen Sie eine größere Effizienzsteigerung (11%) beim Umstieg von der Heizwert- auf die moderne Brennwerttechnik als bei der Erneuerung einer alten Ölheizung (6%). Das liegt daran, dass der Unterschied zwischen Brennwert und Heizwert beim Energieträger Öl deutlich geringer ausfällt als bei Erdgas.

Brennwerteffekt bei ausgewählten Brennstoffen1

Brennstoff Heizwert Brennwert Verhältnis Brennwerteffekt
Heizöl
42,7
45,4
1,06
6%
Erdgas
38,3
42,4
1,11
11%
Holz
17 - 21
18 – 22
1,06
6%

Brennwerteffekt nutzen: Diese Voraussetzungen sollten erfüllt sein

Bisher haben wir nur betrachtet, wie der Brennwerteffekt dafür sorgt, dass eine Brennwertheizung theoretisch mehr Energie aus Ihrem Brennstoff herausholt. Doch ein weiterer Faktor beeinflusst maßgeblich, wie hoch das Plus an Energieeffizienz unter realen Bedingungen ausfällt: Die Rücklauftemperatur im Heizkreislauf.

Damit die Kondensationswärme in Ihrem Wohnzimmer ankommt, muss sie nämlich zuallererst in das Übertragungsmedium Heizungswasser gelangen. Nur wenn die Temperatur des Rücklaufwassers den jeweiligen Taupunkt der Abgase unterschreitet, kondensiert der Wasserdampf und der Transfer kann stattfinden.

Praxistipp für eine besonders effiziente Heizung

  • Um das Effizienzpotenzial einer Brennwertheizung optimal zu nutzen, sollten Sie für möglichst niedrige Rücklauftemperaturen sorgen.

  • Das liegt daran, dass bei einem geringen Temperaturniveau im Heizungskreislauf ein höherer Anteil an Wärme über den Wärmetauscher zugeführt werden kann.

  • Je niedriger die Temperatur Ihres Rücklaufwassers, desto stärker profitieren Sie vom Brennwerteffekt.

  • Denn je besser der Wärmetauscher das Heizungswasser vorheizt, desto weniger Wärme muss der Brenner zuführen, um die Vorlauftemperatur zu erreichen.

Eine weitere Voraussetzung braucht es, damit Sie effizient mit einem Brennwertgerät heizen: Im Gegensatz zum Heizkörpertausch zum Beispiel ist eine Schornsteinsanierung mit einer feuchtigkeits- und säurebeständigen Abgasführung und ein Ablauf für das Kondensat Pflicht beim Umstieg auf die Brennwerttechnik.

Gesetzgebung erhebt die Brennwerttechnik zum Standard

Brennwertheizungen sind mittlerweile für nahezu alle verbrennungsbasierten Heizungsarten erhältlich. Bei Öl- und Gasheizungen hat die Politik die Brennwerttechnik wegen ihrer überlegenen Effizienz sogar per Gesetz zum Standard gemacht: Wenn Sie eine neue Heizungsanlage für den Betrieb mit Öl oder Gas in Ihrem Neubau installieren, führt in aller Regel kein Weg an der Brennwerttechnik vorbei.

Denn seit 2015 sind Verkauf und Installation von Niedertemperaturkesseln auf europäischer Ebene weitestgehend verboten. Zusätzlich erließ der Gesetzgeber für Hauseigentümer einen weiteren Paragraphen: Nach § 10 der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind mit wenigen Ausnahmen alle Heizgeräte für flüssige und gasförmige Brennstoffe auszutauschen, sobald sie ein Alter von 30 Jahren erreichen.

Ausnahmeregelung: Mehrfamilienhaus mit Etagenheizungen

Nicht nur bei Brennwert und Heizwert, sondern auch bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen spielen Definitionen eine wichtige Rolle: So können Sie beim Heizungstausch vorerst weiterhin auf die Brennwerttechnik verzichten, wenn Sie Eigentümer eines Mehrparteienhauses mit raumluftabhängigen Etagenheizungen sind.

Praxistipp Mehrfamilienhäuser

  • Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an die Abgasanlage ist ein Parallelbetrieb von Geräten mit Heizwert- und Brennwertstandards an einen Schornsteinzug nicht möglich.

  • Weil bei einem Mehrfamilienhaus der Austausch eines Heizwertgerätes also den Austausch aller Etagenheizungen und eine Kaminsanierung nötig machen würde, verschont der Gesetzgeber diese Vermieter bislang.

  • Doch auch die in diesem Fall zulässigen Heizwertgeräte müssen hohen Effizienzansprüchen genügen.

Förderung für die Brennwerttechnik

Wirksamere Anreize als Verbote und Austauschpflichten schaffen jedoch Brennwertkessel-Fördermaßnahmen: Zahlreiche Einrichtungen, allen voran die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), fördert die Installation effizienter Heizungstechnik. Auf unseren Ratgeber-Seiten zum Thema können Sie sich darüber informieren, welche Kredite und Zuschüsse für Ihren Anwendungsfall zur Verfügung stehen. Unser Rat: Informieren Sie sich vor Beginn der Maßnahmen unbedingt über die Teilnahmebedingungen der Fördermaßnahme Ihrer Wahl.

1 Universität Magdeburg: Energieumwandlung – Heizwert und Brennwert

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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