Wenn Sie heute eine Wärmepumpe kaufen möchten, stoßen Sie früher oder später auf die Frage nach dem richtigen Kältemittel. R290, R32 und R410A sind Bezeichnungen, die technisch klingen, aber direkte Auswirkungen auf die Effizienz, die Förderfähigkeit und die rechtlichen Rahmenbedingungen Ihrer Anlage haben. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Kältemittel R290 steckt, wie es sich von synthetischen Alternativen unterscheidet und warum immer mehr Hersteller auf Propan setzen.
R290 als Kältemittel: Warum Propan in der Wärmepumpe immer häufiger zum Einsatz kommt

R290 Kältemittel: Das Wichtigste auf einen Blick
R290 ist die Kurzbezeichnung für Propan: ein natürliches Kältemittel mit einem Treibhauspotenzial (GWP) von nur 0,02 (nach IPCC AR6).
Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Hersteller neue Monoblock-Wärmepumpen bis 50 Kilowatt und neue Split-Luft/Wasser-Wärmepumpen bis zwölf Kilowatt nicht mehr mit Kältemitteln ab GWP 150 in Verkehr bringen, darunter R32.1
Ab dem 1. Januar 2028 fördert der Staat nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln wie R290.2
Der Kältekreis in R290-Wärmepumpen ist hermetisch geschlossen: Im Normalbetrieb ist ein Austritt von Propan sehr unwahrscheinlich.
Was ist R290?
R290 ist die normierte Bezeichnung für Propan (GWP 0,02 nach IPCC AR6), ein Kohlenwasserstoff, der seit den 1920er-Jahren und verstärkt seit den 1990er-Jahren als Kältemittel in Kälteanlagen und Klimageräten zum Einsatz kommt. Propan fällt als Nebenprodukt bei der Erdgasaufbereitung und Erdölraffination an und ist breit verfügbar. Es enthält keine Fluorverbindungen und zählt zu den natürlichen Kältemitteln, zu denen auch Ammoniak und Kohlendioxid gehören.3
Propan verdampft bereits bei niedrigen Temperaturen und kommt mit vergleichsweise geringen Füllmengen aus. Hersteller setzen R290 deshalb vor allem in Luft/Wasser-Wärmepumpen ein.
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Wie funktioniert der Kältemittelkreislauf mit R290?
Eine Wärmepumpe nimmt die Wärme aus der Umgebung über einen Wärmetauscher, den Verdampfer, auf. Das Kältemittel R290 verdampft dabei bereits bei niedrigen Temperaturen, da Propan einen niedrigen Siedepunkt besitzt. Der Verdichter komprimiert den Dampf, wodurch die Temperatur und der Druck steigen. Im Kondensator gibt R290 diese Wärme an das Heizwasser ab und verflüssigt sich wieder. Im Expansionsventil verliert das Kältemittel Druck und Temperatur. Der Kreislauf beginnt dann erneut. Das Heizwasser und das Kältemittel kommen dabei im Normalbetrieb nicht direkt miteinander in Berührung.

R290 im Vergleich: Kältemittel für Wärmepumpen auf einen Blick
Wenn Sie sich für eine neue Wärmepumpe entscheiden, begegnen Ihnen häufig drei Kältemittel. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede.
| Eigenschaft | R290 (Propan) | R32 | R410A |
|---|---|---|---|
| Typ | natürlicher Kohlenwasserstoff | synthetischer, teilfluorierter Kohlenwasserstoff | synthetisches Gemisch aus teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) |
| Treibhauspotenzial (GWP, nach IPCC AR6)* | 0,02 | 771 | 2.256 |
| Sicherheitsklasse | A3 (brennbar) | A2L (schwach entzündlich) | A1 (nicht brennbar) |
| Siedepunkt | −42°C | −52°C | −51°C |
| F-Gas | nein | ja | ja |
| Rechtliche Lage (F-Gase-Verordnung) | nicht betroffen, da kein F-Gas | in neuen Monoblock-Wärmepumpen bis 50 kW und Split-Luft/Wasser-Wärmepumpen bis 12 kW ab 2027 nicht mehr zulässig | in diesen Geräten wie R32 ab 2027 nicht mehr zulässig |
| Eigenschaft | Typ |
| R290 (Propan) | natürlicher Kohlenwasserstoff |
| R32 | synthetischer, teilfluorierter Kohlenwasserstoff |
| R410A | synthetisches Gemisch aus teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) |
| Eigenschaft | Treibhauspotenzial (GWP, nach IPCC AR6)* |
| R290 (Propan) | 0,02 |
| R32 | 771 |
| R410A | 2.256 |
| Eigenschaft | Sicherheitsklasse |
| R290 (Propan) | A3 (brennbar) |
| R32 | A2L (schwach entzündlich) |
| R410A | A1 (nicht brennbar) |
| Eigenschaft | Siedepunkt |
| R290 (Propan) | −42°C |
| R32 | −52°C |
| R410A | −51°C |
| Eigenschaft | F-Gas |
| R290 (Propan) | nein |
| R32 | ja |
| R410A | ja |
| Eigenschaft | Rechtliche Lage (F-Gase-Verordnung) |
| R290 (Propan) | nicht betroffen, da kein F-Gas |
| R32 | in neuen Monoblock-Wärmepumpen bis 50 kW und Split-Luft/Wasser-Wärmepumpen bis 12 kW ab 2027 nicht mehr zulässig |
| R410A | in diesen Geräten wie R32 ab 2027 nicht mehr zulässig |
* IPCC: The Earth’s Energy Budget, Climate Feedbacks and Climate Sensitivity Supplementary Material und Project Drawdown: Figure 1. Examples of common refrigerants and their climate and environmental impacts
Wichtig zu wissen: Bereits installierte R32-Geräte dürfen weiter betrieben und gewartet werden. Das Verbot betrifft nur neue Geräte, die ab dem 1. Januar 2027 in Verkehr kommen.4
Warum synthetische Kältemittel zunehmend reguliert werden
Synthetische Kältemittel aus der Gruppe der fluorierten Treibhausgase, sogenannte F-Gase, setzen Hersteller seit Jahrzehnten in Wärmepumpen und Klimaanlagen ein. Ihre thermodynamischen Eigenschaften sind gut, ihre Klimawirkung ist es jedoch nicht. F-Gase haben ein vielfach höheres Treibhauspotenzial als CO2 und verbleiben je nach Stoff Jahre bis Jahrzehnte in der Atmosphäre.
Die EU hat mit der Verordnung (EU) 2024/573 (F-Gase-Verordnung) einen klaren Ausstiegsfahrplan festgelegt.5 Sie ersetzt die frühere F-Gase-Verordnung (EU) Nr. 517/2014 vollständig. Ziel ist der schrittweise Ausstieg aus allen teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) bis 2050. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Hersteller keine neuen Monoblock-Wärmepumpen bis 50 Kilowatt und keine neuen Split-Luft/Wasser-Wärmepumpen bis zwölf Kilowatt mehr in Verkehr bringen, die ein Kältemittel ab GWP 150 enthalten. Dazu zählt R32.
Ist R290 sicher? Das müssen Sie wissen
Dass Propan brennbar ist, bleibt ein Nachteil gegenüber nicht brennbaren Kältemitteln wie R410A. Zwei Eigenschaften begrenzen das Risiko: Der Kältekreis ist hermetisch geschlossen, und bei Monoblock-Geräten für die Außenaufstellung zirkuliert das Propan ausschließlich im Außengerät. Ein Austritt ist im Normalbetrieb deshalb sehr unwahrscheinlich.
Zwei Punkte sollten Sie bei der Planung kennen:
Aufstellort: Da Propan brennbar ist, darf sich im Schutzbereich um das Außengerät, den der Hersteller vorgibt, keine Zündquelle befinden, zum Beispiel offenes Feuer oder elektrische Installationen.
Installation: Arbeiten am Kältekreis von R290-Wärmepumpen dürfen nur zertifizierte Fachbetriebe ausführen. Für die Installation, Wartung, Reparatur und andere Eingriffe gelten Zertifizierungs- und Schulungsanforderungen für den sicheren Umgang mit brennbaren Kältemitteln wie Propan. Das erhöht die Sicherheit und trägt zu einer fachgerechten Ausführung bei.

Frage an einen Experten zur Sicherheit von R290
Ist das Kältemittel R290 gefährlich?
Maximilian Schmidt: Bei fachgerechter Installation nicht. R290 ist zwar brennbar, aber jede R290-Wärmepumpe hat ein Sicherheitskonzept mit definierten Mindestabständen, und die Technik ist seit über zehn Jahren erprobt. Entscheidend ist, dass der Installateur fachgerecht und sicher arbeitet. Dann ist R290 ein zuverlässiges Kältemittel.
Maximilian Schmidt arbeitet im Market Launch Management bei WOLF (Klima- und Heiztechnik).
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Die Vorteile von R290 als Kältemittel
R290 bietet als natürliches Kältemittel mehrere Vorteile für Wärmepumpen: von hohen Jahresarbeitszahlen über ein Treibhauspotenzial von nur 0,02 (nach IPCC AR6) bis hin zu fehlenden Mengenbeschränkungen.
Sehr niedriges Treibhauspotenzial: Ein Kilogramm R290 wirkt über 100 Jahre wie 0,02 Kilogramm CO2 (nach IPCC AR6). R290 enthält außerdem keine PFAS oder fluorierten Verbindungen.
Hohe Jahresarbeitszahl: Die thermodynamischen Eigenschaften von Propan begünstigen eine hohe Jahresarbeitszahl. Die Wärmepumpe stellt dann mit relativ wenig Strom das 3- bis 4-fache an Wärme bereit.
Staatliche Förderung der Wärmepumpe: Einen eigenen Bonus für natürliche Kältemittel gibt es seit dem 21. Juli 2026 nicht mehr. Ab dem 1. Januar 2028 fördert der Staat nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln wie R290.
Keine Mengenbeschränkung: R290 fällt nicht unter die Mengenbeschränkungen der F-Gase-Verordnung. Die erlaubte Menge an HFKW sinkt dagegen bis 2050 auf null.
Häufig gestellte Fragen zum Kältemittel R290
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Fazit: Heizen mit R290
R290 hat als Kältemittel mehrere Vorteile: Seine thermodynamischen Eigenschaften begünstigen hohe Jahresarbeitszahlen, es enthält weder fluorierte Verbindungen noch PFAS, und die Beschränkungen der F-Gase-Verordnung betreffen es nicht. Dem steht die Brennbarkeit gegenüber. Deshalb dürfen nur zertifizierte Fachbetriebe am Kältekreis arbeiten.

