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Rücklaufanhebung: Nicht nach Schema F vorgehen

Bei Heizungen gilt ebenso wie bei Menschen: Die einen leiden unter Kälte, den anderen macht sie weniger aus. Manche Heizkessel haben ein Problem damit, wenn ein zu kalter Rücklauf von den Heizkörpern zurück zum Heizgerät fließt. In diesem Fall kann es zu Schäden im Heizkessel kommen. Das will der Heizungsprofi verhindern: Deshalb setzt er eine sogenannte Rücklaufanhebung ein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Rücklaufanhebung – und wofür ist sie gut?
  2. Rücklaufanhebung Schema mit einem Mischventil
  3. Rücklaufanhebung Schema mit einer Beimischpumpe
  4. Rücklaufanhebung elektronisch oder thermostatisch regeln
  5. Gas- und Öl-Brennwert: Rücklaufanhebung nicht nötig
  6. Holzkessel: Kein Start ohne Rücklaufanhebung
  7. Solaranlagen: Rücklaufanhebung speist Solarwärme in das Heizsystem
  8. Kosten hängen stark von der Art der Rücklaufanhebung ab

Was ist eine Rücklaufanhebung – und wofür ist sie gut?

Bei der Rücklaufanhebung wird warmes Wasser aus der Vorlaufleitung entnommen und direkt in den Rücklauf eingespeist. Dadurch stellt sich auch in der Startphase des Kessels schnell eine optimale Rücklauftemperatur ein. Das beugt Schäden vor und sorgt gleichzeitig für einen optimalen Wirkungsgrad des Heizkessels.

Zudem wird die Heizung damit besonders effizient und sparsam betrieben. Sehr wichtig ist eine Rücklaufanhebung bei Holzheizungen. Aber auch bei Solarthermieanlagen kommt sie zum Einsatz. Dem Heizungsprofi stehen dabei unterschiedliche Schemata für die technische Umsetzung der Rücklaufanhebung zur Verfügung.

Den Wärmetauscher nicht unterkühlen

Warum verursacht der zu kühle Rücklauf überhaupt Probleme? Das abgekühlte Heizungswasser fließt von den Heizkörpern zurück zum Kessel. Es strömt im Inneren des Heizgerätes durch einen Wärmetauscher. In diesem Wärmetauscher nimmt das Wasser erneut die Wärmeenergie des Kessels auf. Die Temperatur des Wassers steigt an, bis es warm genug ist, um zu den Heizkörpern wieder zurückfließen zu können.

Bei diesem Prozess trifft der kühle Rücklauf auf den Wärmetauscher. An dieser Stelle kühlt sich der Wärmetauscher ab. Der Temperaturunterschied sorgt für Spannungen. Er belastet das Material. Im Laufe der Zeit können sich sogar Risse im Wärmetauscher bilden.

Wenn die Abkühlung sehr stark ist, wird der Taupunkt des Rauchgases unterschritten. Bei der Verbrennung von Brennstoffen entsteht ein gasförmiges Verbrennungsprodukt: Das bezeichnet der Fachmann als Rauchgas. Infolge der Taupunktunterschreitung kondensiert der Wasserdampf aus dem Rauchgas und schlägt sich auf den Wärmetauscherflächen nieder.

Der Rauchgastaupunkt unterscheidet sich nun je nach Brennstoff. Bei Heizöl liegt er bei etwa 47°C. Das Rauchgas von Erdgas oder Holzpellets kondensiert bei rund 55°C. Bei Stückholz kann der Taupunkt je nach Wassergehalt zwischen 20 und 60°C schwanken.

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Gefahr von Korrosion

Diese Kondensation hat Folgen: Rauchgas enthält nicht nur Wasser, sondern auch säurebildende Reizgase wie Schwefeldioxid und Stickoxide. Die Säure kann zur Korrosion führen. Denn sie greift das Material an und kann Löcher in die Wand des Wärmetauschers fressen. Wenn dann noch Spannungsrisse hinzukommen, hält der Wärmetauscher nicht mehr dicht.

Ein undichter Wärmetauscher führt zu einem Druckverlust im Heizsystem. Er legt die Heizung damit still. Erdgaskessel sind hiervon kaum betroffen. Im Erdgas sind nämlich nur wenig säurebildende Stoffe enthalten. Das normale Heizöl besteht jedoch zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Schwefel. Es bildet daher aggressive Schwefelsäure in seinem Abgas. Besser ist schwefelarmes Heizöl – doch auch das ist nicht gänzlich frei von diesem Schadstoff.

Am meisten säurebildende Schadstoffe befinden sich im Holz. Darum ist es bei Holzkesseln erforderlich, mit einer Rücklaufanhebung zu arbeiten. Die Rücklauftemperatur muss stabil bei 55 bis 60°C liegen. Nur dann bleibt der Wärmetauscher auf Dauer intakt.

Bei Holz kommt hinzu: Im Rauchgas bilden sich auch teerhaltige Asche und Ruß. Besonders problematisch ist der sogenannte Glanzruß. Dabei handelt es sich um eine sehr harte Rußschicht. Sie lagert sich auf den Flächen des Wärmetauschers ab, wenn die Temperatur unter 55 bis 60°C sinkt.

Die Glanzrußschicht reduziert die Wärmeübertragung im Wärmetauscher erheblich. Die Effizienz der Heizung sinkt und der Brennstoffverbrauch steigt. Schlimmstenfalls kommt es zum Totalausfall des Wärmetauschers und folglich der ganzen Heizungsanlage.

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Rücklaufanhebung Schema mit einem Mischventil

Je nach Aufbau der Heizungsanlage kann sich das Schema der Rücklaufanhebung unterscheiden.

Gibt es einen Pufferspeicher in der Heizung? Dann baut der Heizungsinstallateur ein Mischventil in den Speicherladekreis ein und verbindet über das Mischventil den Vorlauf mit dem Rücklauf (siehe Grafik „Rücklaufanhebung einer Heizung mit Mischventil“).

Die Rücklauftemperatur kommt vom Pufferspeicher. Reicht diese nicht aus, führt das Mischventil einen Teil des heißen Vorlaufwassers in den Rücklauf. Es hält die Temperatur so konstant hoch.

Die Temperatur des Mischventils lässt sich bei einigen Modellen einstellen. Bei anderen ist sie fest vorgegeben.

Rücklaufanhebung: Grafik des Prozesses bei einer Heizung mit Mischventil
Ein Mischventil im Speicherladekreis verbindet den Vorlauf mit dem Rücklauf. Aus dem Pufferspeicher kommt die Rücklauftemperatur.

Rücklaufanhebung Schema mit einer Beimischpumpe

Enthält die Heizungsanlage keinen Pufferspeicher, kann die Temperaturanhebung des Rücklaufes mithilfe einer weiteren Heizungspumpe realisiert werden – der sogenannten Beimischpumpe (siehe Grafik „Rücklaufanhebung einer Heizung mit Beimischpumpe“).

Im Schema dieser Rücklaufanhebung sitzt die Beimischpumpe in einer Bypassleitung. Dabei handelt es sich um eine Verbindungsleitung zwischen dem Vorlauf und dem Rücklauf. Die Beimischpumpe startet immer dann, wenn die Rücklauftemperatur zu niedrig ist.

Dadurch kommt es zu einer Art Kurzschluss zwischen Vorlauf und Rücklauf. Das führt dazu, dass der Kessel nach dem Start zunächst nur sich selbst heizt, bis die gewünschte Rücklaufanhebung erreicht ist. Dann erst wird das Heizungswasser durch die Heizkörper gepumpt.

Das Heizungswasser darf bei diesem Schema nicht falsch herum durch die Bypassleitung fließen. Deshalb muss der Handwerker zusätzlich noch eine Rückschlagklappe installieren.

Rücklaufanhebung Heizung Beimischpumpe Grafik
Zwischen dem Vor- und dem Rücklauf befindet sich eine Verbindungsleitung mit einer Beimischpumpe. Diese hebt die Temperatur des Rücklaufes an.

Rücklaufanhebung elektronisch oder thermostatisch regeln

Um die Rücklaufanhebung genau auf die erforderliche Temperatur einstellen zu können, wird eine elektronische oder thermostatische Regelung benötigt. Bei der elektronischen Variante übernimmt meist der Regler der Heizung diese Funktion. In diesem Fall kann die Heizungsregelung bei der Mischventilvariante auch einen Mindestvolumenstrom für den Kesselkreis sicherstellen.

Enthält die Heizungsregelung keine Funktion für die Rücklaufanhebung ist es aber auch möglich, einen separaten Regler für die Rücklaufanhebung einzubauen. Ihr Heizungsbauer kann Sie dazu beraten.

Heute bieten viele Hersteller vorgefertigte Pumpengruppen für die Rücklaufanhebung an. In diesen Pumpengruppen sind neben der Pumpe alle notwendigen Komponenten wie Mischventile, Thermostatventile oder Sensoren für die Temperaturmessung und die Durchflussmenge bereits enthalten. Auch ein elektronischer Regler kann hier schon integriert sein. Das macht die Montage für den Heizungsprofi besonders einfach.

Gas- und Öl-Brennwert: Rücklaufanhebung nicht nötig

Bei modernen Gas- oder Öl-Brennwertgeräten brauchen Sie sich um die Rücklaufanhebung keine Gedanken zu machen. Moderne Heizgeräte sind aus Materialien gefertigt, die gegen Korrosion durch Säure resistent sind. Zudem ist, falls nötig, die Rücklaufanhebung bereits im Heizgerät eingebaut.

Bei der Brennwerttechnik – dem heutigen Stand der Technik – sollte aber sowieso keine Rücklaufanhebung installiert sein. Hier ist das Kondensieren des Wassers aus dem Rauchgas gewünscht. Dieser Effekt bringt zusätzlich Wärme. Er macht die Brennwertgeräte so besonders effizient.

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Tauschen Sie einen alten Kessel gegen ein Brennwertgerät aus? Dann muss der Handwerker sogar darauf achten, dass er eine eventuell vorhandene Rücklaufanhebung demontiert. Durch die Kondensation des Rauchgases tun Brennwertgeräte auch etwas Gutes für die Umwelt – nicht nur die säurebildenden Reizgase, sondern auch die ungesunden Feinstäube werden so aus dem Abgas entfernt.

Holzkessel: Kein Start ohne Rücklaufanhebung

Holzheizungen mit einem Pelletkessel oder einem Scheitholzvergaserkessel brauchen immer eine Rücklaufanhebung. Ganz besonders wichtig ist dies in der Startphase: Hier heizt sich das kalte Gerät langsam auf.

Mittlerweile gibt es auch Pelletkessel mit Brennwerteffekt. Bei diesen Geräten befindet sich meist ein spezieller Brennwert-Wärmetauscher hinter dem eigentlichen Kessel im Abgasrohr. Er ist gegen Korrosion geschützt und verfügt oft über eine automatische Reinigung. So werden Rußablagerungen vermieden.

Betreiben Sie einen wasserführenden Kamin oder Kaminofen, sollten Sie ganz besonders auf die Rücklaufanhebung achten: Bei Kaminen und Kaminöfen ist die Verbrennung in der Regel weniger optimal als bei geregelten Heizkesseln. Das bedeutet, dass Öfen besonders viel schädliche Asche und Rußpartikel freisetzen und auch mehr Säure bilden können. Es gibt darum Empfehlungen, bei wasserführenden Öfen die Rücklauftemperatur regelmäßig zu überprüfen. So verhindern Sie Schäden am Wärmetauscher.

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Solaranlagen: Rücklaufanhebung speist Solarwärme in das Heizsystem

Von einer Rücklaufanhebung sprechen Experten auch bei heizungsunterstützenden Solarthermieanlagen. Dies ist dann der Fall, wenn die Sonnenkollektoren auf dem Dach nicht nur warmes Wasser zum Duschen aufbereiten. Sie versorgen auch die Heizung mit umweltfreundlicher Solarwärme. Diese Solarwärme zum Heizen gelangt über eine Rücklaufanhebung in den Heizkreis.

Bei dieser Art der Rücklaufanhebung unterscheidet sich das Schema von den bisher vorgestellten. Hier nutzt die Heizung nicht die Wärme aus dem Vorlauf, um den Rücklauf anzuheben. Sie greift auf die Solarwärme zu und spart durch die Rücklaufanhebung Brennstoff ein. Technisch realisiert der Heizungsbauer das, indem er den Rücklauf zum Kessel durch den Solarspeicher leitet.

Meistens werden heutzutage Solarwärmeanlagen mit Brennwertgeräten kombiniert. Das führt zu einem Zielkonflikt. Ist die Rücklaufanhebung zu hoch, macht sie den Brennwerteffekt zunichte. Ist sie zu niedrig, wird weniger Solarenergie als möglich gewonnen. Die genaue Einstellung und Feinabstimmung der Rücklaufanhebung macht hier den Erfolg aus.

Häuser mit einer Flächenheizung, wie zum Beispiel einer Fußbodenheizung, sind kein Problem. Der Rücklauf ist in diesem Fall immer so kalt, dass der Brennwertkessel optimal arbeitet. So kann auch die Solaranlage ihren größtmöglichen Ertrag von der Sonne erhalten.

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Kosten hängen stark von der Art der Rücklaufanhebung ab

Je nach dem Schema der Rücklaufanhebung fallen unterschiedliche Kosten für die Installation an. Ein Mischventil mit thermostatischer Regelung kostet 100 bis 150 Euro. Für eine vorgefertigte Pumpengruppe mit Komponenten für die elektronische Regelung müssen Sie dagegen je nach Ausstattung mit 300 bis 600 Euro rechnen. Sie bietet in der Regel aber auch die genauere Einhaltung der Rücklauftemperatur. Hinzu kommen in beiden Fällen die Kosten für Rohrmaterial und die Arbeitsstunden.

Bei Fragen zur Rücklaufanhebung hilft der Profi

Die Rücklaufanhebung ist in der Heizungstechnik ein wichtiges Mittel: Sie gewährleistet den sicheren Betrieb und eine lange Lebensdauer der Heizung. Besonders bei Holzheizungen ist die Rücklaufanhebung wichtig – so lassen sich Rußablagerungen auf dem Wärmetauscher im Gerät vermeiden. Auch in der Solarthermie spielt die Rücklaufanhebung eine zentrale Rolle.

Der Heizungsprofi kennt unterschiedliche Schemata der Rücklaufanhebung. Er kann damit in jedem Fall eine optimale Lösung finden. Bei Fragen zur Rücklaufanhebung wenden Sie sich am besten direkt an Ihren Heizungsfachbetrieb.

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