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Heizungswasser nachfüllen: Das müssen Sie beachten

Nahezu jede in Wohngebäuden verbreitete Heizung gehört zur Klasse der Pumpenwarmwasser-Heizungsanlagen. Unabhängig von der Energiequelle (wie Gas oder Öl) nutzen die Geräte Wasser als Übertragungsmedium für die erzeugte Wärme. Das Wasser zirkuliert, angetrieben durch Umwälzpumpen, im Heizkreislauf. Dabei gibt das Wasser im Wechsel Wärme ab und nimmt wieder neue auf. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, muss theoretisch kein Heizungswasser nachgefüllt werden, um das System im betriebsbereiten Zustand zu halten. Doch ganz so einfach ist es in der Praxis leider nicht.

Heizungswasser nachfüllen

Inhaltsverzeichnis

  1. Ohne Druck geht es nicht: Der Heizkreislauf
  2. Wann Heizungswasser nachgefüllt werden muss
  3. Vorschriften zum Nachfüllen des Heizungswassers
  4. Heizungswasser muss aufbereitet werden
  5. Beauftragen Sie einen Fachmann

Es kann durchaus vorkommen, dass zu wenig Wasser im Heizkreislauf ist. In diesem Fall raten wir dringend dazu, nicht selbst Hand anzulegen, sondern dafür einen kompetenten Heizungsbauer zu suchen. Welche Gefahren sich beim Nachfüllen des Heizungswassers verbergen, erfahren Sie in diesem Beitrag. Außerdem möchten wir Ihnen ein Grundverständnis von dem Prozess vermitteln, damit Sie die Arbeit des Installateurs nachvollziehen können.

Ohne Druck geht es nicht: Der Heizkreislauf

Aufgrund seiner hohen Wärmekapazität ist Wasser das optimale Trägermedium, um die im Heizkessel erzeugte Wärme zu den Verbrauchern – zum Beispiel Heizkörpern – zu transportieren. Bei größeren Anlagen können sich über 1.000 Liter Flüssigkeit im Heizkreislauf befinden. Je mehr Verbraucher, Speichersysteme und Wärmequellen angeschlossen sind, desto mehr Heizungswasser ist im Einsatz.

Zwar eignet sich Wasser durch seine Eigenschaften ideal für die Wärmeübertragung, doch ohne den richtigen Druck im Heizungssystem ist damit noch nicht viel gewonnen. Schließlich soll die Wärme alle Räume gleichermaßen erreichen können. Ist aber der Druck im Heizungssystem zu niedrig, dann durchströmt das Wasser die höchstgelegenen Heizkörper unter Umständen nicht. Die Umwälzpumpen sind nämlich nicht dazu gedacht, dass Wasser in die Höhe zu heben. Sie überwinden lediglich die Reibung in den Rohren und sorgen so für die notwendige Zirkulation.

Wovon der Mindestdruck abhängt

Mit jedem Meter Höhenunterschied, den das Wasser im Heizkreislauf überwinden muss, steigt der notwendige Fülldruck um 0,1 bar an. 

Ein kleines Rechenbeispiel zur Veranschaulichung:

  • In einem Einfamilienhaus befindet sich die Heizung meistens im Kellergeschoss. Die Bewohner wollen es aber vor allem im Erdgeschoss und im Obergeschoss warm haben.

  • Da sich in diesem Beispiel der Heizkessel samt Manometer etwas über einen Meter über Bodenhöhe im Keller befindet, ebenso wie die Oberkante des Heizkörpers im Stockwerk darüber, können Sie von einem Höhenunterschied von drei Metern ausgehen.

  • Damit das Wasser auch das Obergeschoss erreicht, durchfließt es das Erdgeschoss vollständig.

  • Auf Bodenniveau angekommen, gilt es noch die Höhe des Heizkörpers zu erreichen. Dabei kommen erneut drei Meter zusammen.

  • Der vertikale Abstand zwischen höchstem und tiefstem Punkt der Heizungsanlage beträgt also sechs Meter.

  • Das ergibt in diesem Beispiel einen notwendigen Betriebsdruck von 0,6 bar.

Für einen sicheren Betrieb kommen schließlich noch zwei weitere Komponenten dazu: Der Vordruck des Ausgleichsgefäßes und ein Sicherheitszuschlag. Welchen Druck das Manometer tatsächlich anzeigt, hängt auch von dessen Positionierung im Leitungsnetz ab.

Welcher Mindestdruck also in Ihrem Heizkreis herrschen sollte, lässt sich nicht allgemein sagen. Häufig zu findende Richtwerte für den Mindestdruck sollten Sie daher mit Vorsicht begegnen. Zwar verfügen die Manometer über einen farbig markierten Solldruckbereich, doch auch das stellt keine Aussage über den für Ihre Anlage optimalen Wert dar. Es bringt übrigens keinen Vorteil, den Solldruck zu überschreiten. Außer, dass Sie die Heizungsanlage unnötig belasten, erzielen Sie damit keinen Effekt.

Das Ausdehnungsgefäß gleicht Druckschwankungen aus

Der Druck im Heizkreis bleibt nur so lange stabil, wie das Heizungswasser seine Temperatur nicht verändert. Heizungen ändern aber beispielweise je nach Bedarf die Vorlauftemperatur. Wird es wärmer, dann dehnt sich das Wasser in den Leitungen aus und der Druck steigt unweigerlich, weil Wasser sich nicht komprimieren lässt. Abhilfe für solche temperaturbedingten Druckschwankungen schafft daher ein Ausdehnungsgefäß. Bei einem sehr hohen Überdruck, der die Leitungen beschädigen könnte, sorgt zudem das Sicherheitsventil für den nötigen Ausgleich.

Den Aufbau des Ausdehnungsgefäßes verdeutlicht die Abbildung: Es besteht in der Regel aus einem luftdichten Behälter, in dem sich eine Gummimembran befindet. Diese trennt zwei Kammern voneinander. In einer befindet sich das Heizungswasser, die andere ist mit Stickstoff gefüllt.

Dehnt sich nun das Heizungswasser aus, übt es Druck auf das Stickstoffpolster aus, welches komprimiert wird und Platz für das Heizungswasser schafft. Fällt die Temperatur des Wassers und damit der Druck wieder ab, entweicht Wasser aus dem Ausdehnungsgefäß und das Stickstoffpolster dehnt sich wieder aus. Ganz frei von Wasser ist das Ausdehnungsgefäß aber auch dann nicht, wenn das Heizungswasser kalt und der Druck im System dementsprechend niedrig ist. Dann bleibt die sogenannte Wasservorlage, die zum Ausgleich kleinerer systembedingter Wasserverluste dient. Das Ausdehnungsgefäß passt der Heizungsbauer bei der Installation an die Erfordernisse Ihrer Heizungsanlage an. Wird dies nicht getan oder liegt ein Defekt am Ausgleichsgefäß vor, kann dies zu andauernden Schwankungen des Drucks führen.

Wann Heizungswasser nachgefüllt werden muss

Obwohl der Heizkreis als geschlossenes System konzipiert ist, treten im Betrieb Verluste auf. Damit Heizungswasser entweicht, braucht es gar keinen Notfall wie einen Rohrbruch. Auch im normalen Betrieb geht Wasser durch das Entlüften oder kleinere Undichtigkeiten verloren. Doch woran bemerken Sie, dass es Zeit wird, fehlendes Heizungswasser nachzufüllen?

Um fehlendes Heizungswasser rechtzeitig zu bemerken, müssen Sie nicht unbedingt das Manometer am Heizungskessel überwachen. Es gibt weitere Anzeichen: Bleiben einzelne Heizkörper auch nach dem Entlüften kalt, kann das ein Zeichen für fehlendes Heizungswasser sein. Auch Gluckern und Fließgeräusche können auf zu wenig Heizungswasser hindeuten, müssen aber nicht.

Vorschriften zum Nachfüllen des Heizungswassers

Wir raten dringend davon ab, selbst Heizungswasser nachzufüllen, denn dafür benötigt man Expertise im Bereich der Vorschriften zum Schutz des Trinkwassers. Diese regelt die Norm EN 1717. Sie gibt vor, was es beim Anschluss einer Heizungsanlage an das Trinkwassernetz zu beachten gilt.

Achtung:

  • Ihre Trinkwasseranlage dürfen Sie in keinem Fall unmittelbar mit der Heizungsanlage verbinden.

  • Am Wasserhahn sollten ein fachgerecht installierter Rückflussverhinderer und ein Systemtrenner angebracht sein.

  • Diese Kombination stellt sicher, dass das Heizungswasser nach dem Befüllen nicht in das Trinkwassersystem zurückfließt und dieses mit Keimen und anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet.

Heizungswasser muss aufbereitet werden

Gerade moderne Heizungsanlagen arbeiten nur dann dauerhaft zuverlässig, wenn das Heizungswasser bestimmte Anforderungen erfüllt. Welche das sind, listet VDI 2035 auf. Viele Hersteller erheben in den Bedienungsanleitungen ihrer Heizungen jedoch noch strengere Anforderungen. Indem er das Nachfüllwasser entsprechend aufbereitet, sorgt ein Fachhandwerker dafür, dass es die geforderte Beschaffenheit aufweist.

Nicht nur das Trinkwassernetz, sondern auch die Heizungsanlage selbst muss nämlich vor dem Heizungswasser geschützt werden. Damit das Wasser die Anlage nicht schädigt, ist eine Aufbereitung durch den Fachmann daher unumgänglich. Diese Aufbereitung hängt von der Beschaffenheit des vor Ort verfügbaren Wassers und der verwendeten Heizungstechnik ab.

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Warum die Aufbereitung notwendig ist

Dass Heizungswasser kein normales Wasser ist, wird spätestens dann klar, wenn Sie einmal selbst Ihre Heizkörper entlüftet haben. Denn drehen Sie das Ventil einen Augenblick zu spät zu, dann passiert es leicht, dass neben der Luft auch etwas von dem verschmutzten Heizungswasser entweicht. Verantwortlich für die Verunreinigung des Heizungswassers sind die folgenden Bestandteile:

  • Schwebstoffe
  • Schmutz
  • Rostpartikel
  • Schlamm

Diese Stoffe entstehen durch die Reaktion des Heizungswassers mit Anlagenteilen und können früher oder später zum Problem werden. Ein Überblick über die in Heizungsanlagen für den Privatgebrauch verwendeten Materialien zeigt die Vielfalt der möglichen Wechselwirkungen zwischen den Stoffen:

Wechselwirkungen zwischen den Stoffen im Heizungswasser

  • Kupfer

  • Aluminium

  • Edelstahl

  • Messing

  • Eisenmetalle

  • Kunststoffe

  • Gummimaterialien

Diese Materialien reagieren zum Teil auch selbst miteinander, was die Auswahl des optimalen Heizungswassers nicht gerade erleichtert. Dennoch definiert VDI 2035 einige allgemeine Merkmale für Heizungswasser, allen voran den pH-Wert, die elektrische Leitfähigkeit und die Härte. Je nach Region variiert die Zusammensetzung des Wassers deutlich. Hartes Wasser enthält beispielsweise viel Calcium und Magnesium.

Diese Stoffe können schädliche Ablagerungen verursachen. Vor allem im Heizungskessel bildet sich Kesselstein aus, der erst dessen Effizienz beeinträchtigt und bei entsprechender Schichtdicke abplatzen und bewegliche Teile wie Pumpen und Ventile verstopfen kann. Solche Ablagerungen beeinträchtigen den Wärmeaustausch und setzen nachhaltig die Energieeffizienz der Heizungsanlage herab. Auch Ihren Anspruch auf Gewährleistung gefährden Sie, wenn das Wasser vom Hersteller festgelegte Grenzwerte nicht einhält.

Daneben sorgt auch ein möglichst geringer Sauerstoffgehalt dafür, unerwünschte Abläufe im Heizkreislauf zu vermeiden. Bei der ersten Befüllung der Anlage gelangt neben dem Wasser nämlich auch Sauerstoff in das System. Der Sauerstoff wird über die Zeit durch Korrosion verbraucht. Füllen Sie Wasser nach, gelangt neuer Sauerstoff in das System und die Beschädigung von Anlagenteilen durch die Korrosion schreitet fort. Generell sollten Sie daher so selten wie möglich Heizungswasser nachfüllen lassen.

Verfahren zur Aufbereitung von Heizungswasser

Dem Handwerker stehen verschiedene Verfahren zur Aufbereitung des Wassers zur Verfügung. Dabei richten sich die Auswahl und der Umfang der Maßnahmen nach den Anforderungen der Heizungsanlage und der vorliegenden Wasserqualität.

Im einfachsten Fall enthärtet der Heizungsbauer das Wasser lediglich unter Zuhilfenahme eines tragbaren Gerätes. Darin findet ein chemischer Austausch statt, bei dem die Härtebildner im Wasser durch andere Teilchen ersetzt werden. Am Markt sind auch Enthärtungsanlagen für den dauerhaften Betrieb erhältlich. Diese werden in den Heizkreislauf eingebunden und verrichten dort ihre Arbeit. Die Frage, ob sich solch ein Gerät für Sie lohnt, kann Ihnen Ihr Installateur anhand der spezifischen Parameter Ihrer Anlage und der Anforderungen des Kesselherstellers beantworten.

Auch die Verfahren der Teil- und Vollentsalzung kommen zum Einsatz. So behandeltes Wasser weist nicht nur eine deutlich abgesenkte Härte, sondern auch eine geringe elektrische Leitfähigkeit auf. Den pH-Wert des Wassers, maßgeblich verantwortlich für die Korrosionstätigkeit, können Fachleute durch die Zugabe von Phosphat beeinflussen.

Beauftragen Sie einen Fachmann

Sie sehen: Das Nachfüllen von Heizungswasser sollten Sie wirklich den Profis überlassen. Nur sie können im Zweifelsfall sicherstellen, dass das Heizungswasser fachgerecht aufgefüllt wird.

Außerdem kann der Heizungsbauer dank seiner Ausrüstung auch direkt vor Ort die Qualität Ihres Heizungswassers bestimmen und entsprechende Maßnahmen vorschlagen. Solch eine Analyse gehört zu einer gründlichen Wartung dazu. Ist die Anlage beispielsweise stark mit Schwebstoffen und Partikeln belastet, kann das Spülen der Heizungsanlage notwendig werden. Handeln Sie rechtzeitig, damit Sie Ihre Anlage vor Schäden durch Korrosion und Ablagerungen schützen können.

Vorteile des fachmännischen Umgangs mit Heizungswasser:

  • Der Heizungsdruck stimmt, alle Heizkörper werden optimal mit Wärme versorgt

  • Die Bildung von Ablagerungen wird verhindert, die Heizungsanlage arbeitet effizienter

  • Im Gewährleistungsfall können Sie den Einsatz geeigneten Heizungswassers gegenüber dem Heizungshersteller nachweisen

  • Es geraten keine Keime in Ihr Trinkwasser

Ein ruhiges Gewissen, eine perfekt temperierte Wohnung und die Möglichkeit, dabei auf lange Sicht auch noch Geld zu sparen: Das sind die besten Argumente dafür, einen kompetenten Experten mit dem Nachfüllen des Heizungswassers zu beauftragen. Nutzen Sie unseren Service, um Kontakt mit Heizungsbauern aus Ihrer Region herzustellen.

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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