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Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz (ETAs): Wichtige Kennzahl für die Effizienz von Heizungen

Wenn Sie für Ihre neue Heizung die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in Anspruch nehmen möchten, stoßen Sie auf den Begriff jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz. Denn eine Heizung ist nur dann förderfähig, wenn sie bestimmte Werte erreicht. Was es mit dieser Kennzahl auf sich hat, fassen wir in diesem Artikel zusammen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz berücksichtigt Hilfsenergie
  2. ETAs ist Grundlage der Energielabel
  3. Vielfalt an Kennzahlen: Wirkungsgrad, COP, JAZ, SCOP
  4. BEG-Förderung an ETAs gekoppelt
  5. Realistische Kenngröße für Heizungen
Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz: Haus und Grundstück mit Abendsonne

Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz berücksichtigt Hilfsenergie

Die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz ist ein technischer Kennwert. Er gibt an, wie viel Wärme eine Raumheizung aus einem Energieträger gewinnt. Experten geben den Wert mit dem Symbol ηs oder ETAs an.

In der jahreszeitbedingten Raumheizungseffizienz wird nicht nur die direkte Umwandlung von Öl, Gas oder Strom in Wärme berücksichtigt, sondern auch die benötigte Hilfsenergie. Diese Hilfsenergie umfasst zum Beispiel Strom für Pumpen und Regelungen.

Mathematisch ist die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz der Quotient aus dem Raumheizungsbedarf und dem jährlichen Energieverbrauch, den die Heizung zur Deckung dieses Bedarfs benötigt:

Raumheizungsbedarf / Jährlicher Energieverbrauch = Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz

Je höher der Wert für die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz ausfällt, desto effizienter ist ein Heizgerät.

Ein Gas-Brennwertgerät wandelt bis zu 98% der im Erdgas gespeicherten Energie in Wärme um. Ziehen Sie dann noch die Hilfsenergie ab, bleibt am Ende eine jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz von 92 bis 95% übrig. Eine Wärmepumpe kann sogar mehr als 100% aus dem Energieträger Strom gewinnen. Sie können mit einer Wärmepumpe potenziell also mehr Heizwärme bereitstellen als Sie verbrauchen.

Jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz im Überblick

  • Meist arbeitet der Wärmeerzeuger in Teillast (keine volle Auslastung der möglichen Leistung).

  • Nur wenn die Heizlast im Winter maximal ist, muss die Anlage unter Volllast arbeiten.

  • Die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz berücksichtigt die unterschiedliche Auslastung je nach Jahreszeit.

  • Dadurch ist es möglich, die Effizienz der Heizgeräte realistisch zu vergleichen.

ETAs ist Grundlage der Energielabel

Die Definition der jahreszeitbedingten Raumheizungseffizienz geht auf die Ökodesign-Richtlinie der Europäischen Union zurück. Die Ökodesign-Richtlinie ist die Grundlage für die bekannten Energielabel, die Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher, aber auch Heizgeräte in die Effizienzklassen A+++ bis G unterteilen. Um Wärmeerzeuger einordnen zu können, haben Experten dafür die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz etabliert. Ein Gas-Brennwertgerät muss zum Beispiel ein ETAs von 90% erreichen, um das Label A zu bekommen.

Bei Wärmepumpen unterscheidet das Label nach Niedertemperatur-Wärmepumpen, die 35°C Vorlauftemperatur liefern, und Mitteltemperatur-Wärmepumpen, die 55°C bereitstellen. Bei der Niedertemperatur-Wärmepumpe muss der Wert von ETAs zwischen 115 und 123% liegen, um für die Klasse A auszureichen. Die meisten Wärmepumpen sind aber besser und erhalten daher das Label A+ oder A++.

Auch Hybridheizungen erhalten nach der Ökodesign-Richtlinie ein Energielabel. So verbessert eine Solarthermieanlage das Label in der Regel um eine Stufe. Eine Hybridheizung aus Gas-Brennwertgerät und Solarthermie kommt dann auf A+. Die Hybridheizung, die aus Wärmepumpe und Solarthermie besteht, erreicht sogar A++ oder A+++.

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Vielfalt an Kennzahlen: Wirkungsgrad, COP, JAZ, SCOP

Bevor die EU die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz eingeführt hat, gab es andere technische Kennwerte für den Vergleich der Energieeffizienz von Heizgeräten. Gebräuchlich bei der Gas- oder Ölheizung ist seit langem der Begriff Wirkungsgrad. Wie ETAs beschreibt er das Verhältnis der nutzbaren Energie zum dafür nötigen Energieaufwand.

Bei Wärmepumpen sprechen Techniker von der Leistungszahl – oder abgekürzt vom COP (Coefficient of Performance). Dabei ermittelt der Wärmepumpen COP die Effizienz unter bestimmten Bedingungen. Einen typischen COP-Wert einer Luftwärmepumpe ermitteln Techniker für A2/W35. Das bedeutet, dass die Außenlufttemperatur 2°C und die Vorlauftemperatur der Heizung 35°C beträgt.

In der Praxis ist ein COP-Vergleich aber wenig aufschlussreich. Denn die Außenluft ist jeden Tag anders und daher ändert sich der COP einer Wärmepumpe auch täglich. Er hängt zudem davon ab, ob die Wärmepumpe in Volllast oder Teillast arbeitet.

Wie effizient eine Wärmepumpe in der Praxis ist, das gibt ein anderer Kennwert an: Die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe. Die JAZ können Sie berechnen, indem Sie Ihre Heizenergie, die Sie in einem Jahr benötigt haben, durch den Strom teilen, den Ihre Wärmepumpe in diesem Zeitraum verbraucht hat.

SCOP fließt ebenfalls in die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz ein

  • Auch die JAZ eignet sich für den Vergleich von unterschiedlichen Wärmepumpenmodellen nicht unbedingt.

  • Denn jedes Haus ist anders und das Heizverhalten der Bewohner verschieden.

  • Daher kann die gleiche Wärmepumpe in Haus A eine JAZ von 4,5 erreichen, in Haus B aber nur 3,5.

  • Für einen realistischen Vergleich haben Experten daher den SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) definiert.

  • Dieser jahreszeitbedingte COP mittelt den COP einer Wärmepumpe über verschiedene Betriebszustände und Außentemperaturen.

  • Zudem ist er die Basis für die Berechnung der jahreszeitbedingten Raumheizungseffizienz einer Wärmepumpe in der Definition der EU.

BEG-Förderung an ETAs gekoppelt

Mit der Einführung der BEG-Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude) hat der Gesetzgeber das Fördergeld an die jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz einer Wärmepumpe gekoppelt. Im vorher gültigen Marktanreizprogramm war dafür noch die individuelle Berechnung einer Jahresarbeitszahl vorgesehen. Da aber seit der Einführung der Energielabel für Wärmeerzeuger mit ETAs ein Vergleichswert für sämtliche Wärmerzeuger vorliegt, ist es sinnvoll, diesen Wert auch als Fördervoraussetzung zu nehmen.

Luft/Wasser-Wärmepumpen sind demnach nur förderfähig, wenn ihre jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz für ein A+ ausreicht. Bei den besonders effizienten Erdwärmepumpen sind sogar A++ gefordert.

Realistische Kenngröße für Heizungen

Mit der jahreszeitbedingten Raumheizungseffizienz hat die EU eine Kenngröße für Heizungsanlagen geschaffen, die eine Einteilung in Energieeffizienzklassen ermöglicht. Diese Kenngröße deckt verschiedene Betriebszustände ab und kann so eine realistische Aussage treffen, wie effizient die jeweilige Raumheizung in der Praxis ist. Außerdem ist sie eine wichtige Voraussetzung für Förderungen.

Jens-Peter Meyer,
Dr. rer. nat.

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

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