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Energie sparen: Ab wann sollte ich heizen?

Während es den einen bei einer Raumtemperatur von 21°C fröstelt und er am liebsten die Heizung anstellen will, fühlt sich der andere an einen karibischen Strand versetzt. Doch das individuelle Temperaturempfinden ist nicht das einzige Kriterium dafür, ab wann Sie heizen sollten. Auch die Möglichkeit Energie zu sparen und bleibende Gebäudeschäden durch zu niedrige Temperaturen zu vermeiden, gilt es zu berücksichtigen. In diesem Artikel erfahren Sie, ab wann Sie heizen sollten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Räume individuell beheizen
  2. Schäden durch zu niedrige Raumtemperaturen
  3. Ab wann heizen: Gebäude und Wetter entscheiden
  4. Offizielle Heizperiode: Ab wann muss der Vermieter heizen?
  5. Was tun mit der Heizung im Urlaub?
Ab wann heizen: Kalender

Räume individuell beheizen

Doch wie warm sollte es in der Wohnung überhaupt sein? Diese Frage lässt sich kaum in einem Satz beantworten, denn neben anerkannten Temperatur-Richtwerten spielen dafür unser individuelles Temperaturempfinden und die Nutzung der einzelnen Räume eine wichtige Rolle.

Bei den Fragen, wie hoch und ab wann Sie die Heizung aufdrehen sollten, geht es vor allem um ein Ziel: Einen Kompromiss zu finden zwischen Energieverbrauch und -kosten sowie Wohnkomfort. Die unten in der Grafik genannten Temperaturen können daher nicht mehr als einen Anhaltspunkt darstellen. Die Tendenz ist aber klar: Während beispielsweise 18°C im Schlafzimmer zu einer erholsamen Nacht beitragen, würde die gleiche Temperatur im Wohnzimmer so manchem den Fernsehabend verderben.

Ab wann heizen: Lufttemperatur Räume
Nicht jeder Raum hat den gleichen Richtwert für die Lufttemperatur. Die optimale Raumlufttemperatur sollten Sie bei Ihrer Entscheidung, ab wann Sie heizen, beachten.

Schäden durch zu niedrige Raumtemperaturen

Experten setzen für jedes zusätzliche Grad Raumtemperatur einen Energieaufwand von 6% an. Wer mit einer niedrigeren Temperatur zurechtkommt, kann also bares Geld bei den Heizkosten sparen. Doch übertriebener Ehrgeiz ist hier fehl am Platz, denn dauerhaft zu niedrige Temperaturen können dem Gebäude erhebliche Schäden zufügen.

Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt und einem ungeheizten Gebäude besteht die Gefahr, dass Frostschäden an Wasserleitungen auftreten. Im schlimmsten Fall platzen Teile der Rohre und es werden kostspielige Reparaturen erforderlich.

Bei Raumtemperaturen unter 17°C nimmt zudem die Gefahr der Schimmelbildung rapide zu. Der Grund: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kältere. Kühlt die Luft ab, kommt es verstärkt zur Kondensation des Wasserdampfes aus der Luft. Die Feuchtigkeit schlägt sich dann an verhältnismäßig kälteren Flächen nieder, an denen sich bei anhaltender Feuchtigkeit Schimmel bildet. Bei den kühlen Bauteilen handelt es sich oft um Fenster oder die Innenflächen von Außenmauern.

Doch das Heizen alleine ist noch keine wirksame Schimmelabwehr, auch auf Ihr Lüftungsverhalten kommt es an. Je höher die Luftfeuchtigkeit im Innenraum ist, desto geringer ist der Temperaturunterschied, der für die Kondensation ausreicht.1

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Jede Person gibt über den Tag mehrere Liter Wasser an die Umgebung ab, dazu kommt beispielsweise noch Wasserdampf vom Kochen und Duschen. Neben dem ausreichenden Heizen ist also der regelmäßige Austausch feuchter Luft durch trockene Außenluft besonders im Winter unerlässlich.

Ab wann heizen: Gebäude und Wetter entscheiden

Doch wann sollten Sie nun die Heizung einschalten, um die bereits genannten Behaglichkeitstemperaturen und technisch erforderlichen Mindesttemperaturen einzuhalten? Ganz einfach dann, wenn sich die erforderlichen Temperaturen ohne eine Wärmezufuhr durch die Heizung nicht mehr einstellen. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, ab dem Sie heizen sollten, hängt also neben der Zieltemperatur auch von den Außentemperaturen und dem energetischen Standard des Gebäudes ab.

Ab welcher Außentemperatur Sie Ihre Heizung aktivieren sollten, das sagt die sogenannte Heizgrenze aus. Wird die Heizgrenze des Gebäudes unterschritten, reichen Sonneneinstrahlung und die Wärmeabgabe von Personen und Haushaltsgegenständen nicht mehr aus, um die Wärmeverluste der Gebäudehülle auszugleichen und die Solltemperatur zu halten.

Es gibt daher einen direkten Zusammenhang zwischen dem Dämmstandard Ihres Gebäudes und der Heizgrenze – wie die Übersicht charakteristischer Heizgrenzen verschiedener Gebäudetypen zeigt.

Das Unterschreiten der Heizgrenze Ihres Gebäudes markiert also den Beginn Ihrer persönlichen Heizsaison. Kalte Frühjahrs- oder Herbstmonate können die Heizperiode dementsprechend zeitlich verschieben oder die Dauer verändern.

Offizielle Heizperiode: Ab wann muss der Vermieter heizen?

Können Sie als Eigenheimbesitzer selbst bestimmen, ab wann Sie heizen, dürfen sich Vermieter nicht auf ihr eigenes Empfinden verlassen. Es ist nämlich die Pflicht des Vermieters, die Wohnung ganzjährig in einem bewohnbaren Zustand zu erhalten. Dementsprechend muss er seinen Mietern durch das Anschalten der Zentralheizung die Möglichkeit geben, für ein ausreichendes Temperaturniveau in der Wohnung zu sorgen.

Die Rechtsprechung setzt dafür zwei Richtwerte an:

  • Am Tag muss es dem Mieter möglich sein, die Wohnung in einer angemessenen Zeit auf 20 bis 22°C zu heizen.
  • In der Nacht darf die Temperatur nicht unter 16 bis 18°C fallen.

Ist die Einhaltung dieser Werte in Ihrer Wohnung innerhalb der Heizperiode vom 1. Oktober bis zum 30. April dauerhaft nicht möglich, sollten Sie Ihren Vermieter über den Mangel informieren. Schafft er keine Abhilfe, haben Sie das Recht, die Miete zu mindern. Mehr Details finden Sie in unserem Beitrag „Die Heizperiode: Informationen für Vermieter und Mieter“.

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Als Mieter haben Sie dagegen nicht die Pflicht, dass die Heizung Ihre Wohnung tatsächlich auf die genannten Temperaturen bringt. Vielmehr bleibt es Ihnen selbst überlassen, ab wann Sie die Heizkörperthermostate aufdrehen. Als einzige Maßgabe gilt: Sie sind verpflichtet, eine Mindesttemperatur aufrechtzuerhalten, die bauliche Schäden an Ihrer und anderen Wohneinheiten vermeidet.

Was tun mit der Heizung im Urlaub?

Das gilt natürlich auch, wenn Sie im Winter in den Urlaub fahren. Obwohl verlockend für Sparwillige, sollten Sie die Heizung im Winter nie vollständig ausschalten. Die möglichen Schäden durch geplatzte Wasserrohre oder einen hartnäckigen Schimmelbefall übersteigen das Einsparpotenzial bei Ihren Heizkosten um ein weites.

Sind Sie nur wenige Tage unterwegs, sollten Sie die Temperatur daher nicht unter 17°C fallen lassen. Niedrigere Temperaturen rechnen sich zudem nicht, da dies sonst für Ihre Heizung bei Ihrer Rückkehr einen hohen Energieaufwand bedeutet.

Heizungsbauer finden

Wollen Sie ganz sicher gehen, dass Ihre Heizung richtig eingestellt ist, kontaktieren Sie einfach einen Heizungsbauer in Ihrer Nähe. Jetzt Postleitzahl eintippen und Heizungsbauer finden!

Für längere Abwesenheiten können Sie Ihre Heizung in die Frostschutz-Stellung schalten. Diese ist am Thermostat der Heizkörper mit einem Sternchen markiert. Die Heizkörper arbeiten dann mit geringem Energieeinsatz, verhindern aber dennoch Frostschäden. Als Eigenheimbesitzer sollten Sie dementsprechend den zentralen Wärmeerzeuger nie komplett abschalten, da die Heizung sonst diese Funktion nicht nutzen kann.

 

1Luftdicht: Kondensat hat immer zwei Ursachen

Andreas Wurm,
M.Sc.

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

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