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Klimaziele für Deutschland: Bundesregierung macht Dampf in allen Sektoren

Um im Kampf gegen den Klimawandel endlich einen großen Schritt voranzukommen, hat die deutsche Regierung neue Klimaziele formuliert. Im Bereich Wohnen und Wärme (Gebäude) will sie große CO2-Einsparungen erreichen, indem sie die Bevölkerung durch Förderungen für umweltfreundliche Lösungen motiviert. Aber auch beim Strom und im Verkehrssektor kommen Änderungen auf Sie zu. Lesen Sie weiter, um mehr über die konkreten Ziele und Maßnahmen zu erfahren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie lauten die Klimaziele von Deutschland?
  2. Klimaschutzmaßnahmen bei Wohnen und Wärme
  3. Klimaziele für Energieerzeugung und Energieverbrauch
  4. Klimaschutz bei Mobilität und Verkehr
  5. Maßnahmen bei Ernährung und Landwirtschaft
  6. Klimaschutz in die eigenen Hände nehmen

Wie lauten die Klimaziele von Deutschland?

Die Wissenschaft ist sich einig: Um die Auswirkungen des Klimawandels auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, darf die Durchschnittstemperatur auf der Erde nicht mehr als 1,5 bis 2°C ansteigen.1 Dafür müssen die Staaten weltweit den Ausstoß an Treibhausgasen ab 2050 auf nahezu null herunterfahren. Das hat die internationale Gemeinschaft im Pariser Klimaabkommen 2015 vereinbart.

Die Bundesregierung hat als eine der ersten Regierungen schon im November 2016 die Klimaziele für das Land im Klimaschutzplan 2050 festgelegt. Und mit der neuesten Novelle lautet Deutschlands Ziel, schon ab dem Jahr 2045 weitgehend treibhausgasneutral zu sein. Das heißt, dass die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2040 verglichen mit dem Basisjahr 1990 um 88% sinken sollen.2 Für das Jahr 2030 beträgt die Zwischenetappe für das Klimaziel in Deutschland -65%.

Was die Klimaziele Deutschlands genau beinhalten und wie es um die Erreichung gegenwärtig steht, können Sie im Folgenden nachlesen.

Klimaziel für das Jahr 2020 erreicht, aber nicht nachhaltig

Bis zum Jahr 2020 war geplant gewesen, den Ausstoß von Treibhausgasen um 40% gegenüber dem Basisjahr zu reduzieren. Dafür hatte die Bundesregierung das spezielle Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 geschaffen.3 Lange bestand die Befürchtung, dass Deutschland das Etappen-Klimaziel für 2020 deutlich verfehlen würde. Denn in den Jahren 2011 bis 2017 konnten wir so gut wie keine Verbesserungen erzielen. In manchen Jahren waren die Emissionen sogar leicht angestiegen.

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland seit 1990 Grafik
Bis zum Jahr 2045 will Deutschland volle Treibhausgas-Neutralität erreicht haben. Die Treibhausgasemissionen sind zwar seit 1990 gesunken, aber teilweise viel zu langsam.

In den Jahren 2018 und 2019 gelang dann eine Trendwende. Nach Angaben des Umweltbundesamtes betrugen die deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2019 nur noch 810 und im Jahr 2020 noch 739 Millionen Tonnen. Diese Angabe fasst alle Treibhausgase in CO2-Äquivalenten zusammen.

Verglichen mit dem Basisjahr 1990 schien das Ziel von 40% für 2020 weiterhin zunächst unerreichbar. Doch dann kamen die Coronavirus-Pandemie und der Einbruch der Wirtschaft. Trotzdem: Auch wenn Deutschland seine Klimaziele 2020 tatsächlich erreicht hat, wird das kaum nachhaltig sein. Denn der wirtschaftliche Aufschwung nach der Coronakrise wird wieder zu steigenden Emissionen von Treibhausgasen führen.

Anstrengungen für Deutschlands Etappen-Klimaziel 2030 verstärkt

Jetzt muss Deutschland die nächste Etappe der Klimaziele konsequent angehen, wie sie im Klimaschutzplan 2050 für das Jahr 2030 vorgesehen sind. Dafür trat Ende 2019 das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung in Kraft. Es bildet die Grundlage für das Klimaschutzprogramm 2030, in dem die Bundesregierung konkrete Maßnahmen veranlasst hat. Neu ist im Klimaschutzgesetz, dass es die Klimaziele für die relevanten Sektoren in Deutschland jetzt Jahr für Jahr vorgibt.

Mit diesem Vorgehen will die Bundesregierung die folgenden Klimaschutzziele für das Jahr 2030 in Deutschland gewährleisten.

Treibhausgasemissionen: Sektorziele Deutschland 2020 bis 2030 Grafik
Bis 2030 will die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen in den einzelnen Sektoren stark reduzieren.

Bei den betroffenen Sektoren handelt es sich im Wesentlichen um die Mobilität, Gebäude, Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Industrie sowie Abfallwirtschaft und Sonstiges. Einmal im Jahr überprüft ein Expertenrat, ob die Maßnahmen ausreichen und ob Deutschland die Zwischenziele bei den Emissionen erreicht hat. Wenn nicht, müssen die zuständigen Bundesministerien Sofortprogramme zur Nachbesserung vorlegen.

Je nach Sektor fallen nicht nur die Reduktionsziele bei den Emissionen, sondern auch die weiteren Maßnahmen unterschiedlich aus. Sektorenübergreifend sind aber durch die CO2-Bepreisung fossile Brennstoffe seit dem Jahr 2021 teurer. Seit Beginn kostet eine Tonne CO2 25 Euro. Das bedeutet, dass Heizöl um 7,9 Cent pro Liter teurer ist. Bei Erdgas macht sich die CO2-Bepreisung mit 0,6 Cent Aufschlag pro kWh bemerkbar.4

Klimaschutzmaßnahmen bei Wohnen und Wärme

Im Bereich Wohnen und Wärme beziehungsweise Gebäude hat sich im Hinblick auf die Energiewende in der Vergangenheit viel zu wenig getan. Trotz der milden Winter ist der CO2-Ausstoß der Heizungen in Deutschland zuletzt sogar angestiegen. Deshalb setzt die Bundesregierung nun auf Förderung. Damit will sie mehr energetische Sanierungen und energetisch effiziente Neubauten unterstützen. Das soll die Deutschen dazu anregen, mehr mit erneuerbaren Energien betriebene Heizungen zu installieren.

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Die BEG-Förderung bietet attraktive finanzielle Unterstützung. Im Bestandsgebäude erhalten Sie hohe Zuschüsse und attraktive Kredite für Wärmepumpen, Solarthermieanlagen, Biomassekessel, Erneuerbare Energien Hybridheizungen und Gas-Hybridheizungen. Der Ölkesseltausch-Bonus soll zudem den Austausch alter Ölheizungen attraktiver machen. Ab 2026 sollen Sie dann eine Ölheizung nur noch in Ausnahmefällen installieren dürfen.

Seit Beginn 2020 können Sie auch die Kosten einer Heizungssanierung von der Steuer absetzen. Die BEG-Fördermittel sind jedoch in der Regel höher als die Abschreibungen. Und Sie können nicht beides in Anspruch nehmen. Daher ist die Förderung in den meisten Fällen die bessere Lösung – wenn Sie sie rechtzeitig beantragen.

In Städten sind verstärkt Wärmenetze geplant. Außerdem sollen ab dem Jahr 2023 die Anforderungen an die energetischen Standards von Neubauten weiter steigen.

Klimaziele für Energieerzeugung und Energieverbrauch

Dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland überhaupt seit 1990 nennenswert gesunken sind, liegt vor allem an der Stromerzeugung. Denn mittlerweile erzeugen die erneuerbaren Energien in Deutschland schon mehr als die Hälfte des Stroms. Besonders die Windenergie liefert große Mengen an klimafreundlichem Strom.

Vergleich Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Bruttostromverbrauch Q1 2020 Grafik
Die erneuerbaren Energien nahmen in Q1 2020 einen Anteil von 51,9% am gesamten deutschen Bruttostromverbrauch ein.

Im Sektor Energiewirtschaft soll der Kohleausstieg dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. 2030 will die Bundesregierung die installierte Leistung aus Kohlekraftwerken auf 17 Gigawatt reduziert haben und spätestens 2038 keine Kohleverstromung mehr einsetzen.5

Bis zum Jahr 2030 sollen laut den Klimazielen der Bundesregierung die erneuerbaren Energien in Deutschland an Anteil von 65% am Stromverbrauch einnehmen.6 Neue wesentliche Maßnahmen, um mehr Solarstrom und Windenergie in das Stromnetz zu bringen, sind bisher aber nicht geplant.

Der Strompreis soll für Endverbraucher allerdings sinken. Daher hat die Bundesregierung die EEG-Umlage auf 6,5 Cent pro kWh gedeckelt und damit einen weiteren Anstieg verhindert.7 Mit der EEG-Umlage finanzieren alle Bürger den Ausbau der erneuerbaren Energien. Ziel davon ist es, die Sektorenkopplung zu verbessern. Damit ist gemeint, dass mehr Strom in den Sektoren Wärme und Mobilität zum Einsatz kommen soll. Das betrifft zum Beispiel Elektroautos, die dadurch wirtschaftlicher werden, genauso wie Wärmepumpenheizungen.

Außerdem will die Bundesregierung die Bedingungen für Stromspeicher verbessern. Denn Solar- und Windstrom schwanken zeitlich in der Erzeugung. Je mehr von diesen schwankenden Strommengen in die Netze fließt, desto wichtiger wird die Speicherung für die stromarmen Zeiten.

Exkurs: Warum CO2-Äquivalente?

  • CO2 ist das wichtigste, aber nicht das einzige problematische Gas.

  • Andere Stoffe wie Methan oder halogenierte Kohlenwasserstoffe gelangen zwar in sehr viel geringerem Umfang als CO2 in die Atmosphäre, tragen aber pro Molekül stärker zum Klimawandel bei.

  • Dieser Effekt ist in den CO2-Äquivalenten berücksichtigt.

Klimaschutz bei Mobilität und Verkehr

Der Verkehrssektor ist eines der Sorgenkinder im Klimaschutz. Im Vergleich zum Basisjahr 1990 hat sich hier noch gar nichts getan. Einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung sollen hier Elektroautos bringen. Im Klimaschutzprogramm hat die Bundesregierung nun den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für die Elektromobilität beschlossen. Bis zum Jahr 2030 soll es eine Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte geben.8

Auch Mieter haben nun das Recht, in ihrer Garage eine E-Ladestation einzurichten. Die Kosten dafür muss der Mieter aber selbst übernehmen. Für Elektroautos hat der Bundestag zudem die Dienstwagensteuer gesenkt und das Förderprogramm für Elektroautos ausgebaut.

Zusätzlich will die Bundesregierung die Erforschung von synthetischen, aus erneuerbaren Energien hergestellten Kraftstoffen ausbauen. Für Lkw sollen mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellen-Motoren für Fortschritte sorgen. Auch der Ausbau des ÖPNV und von Radwegen ist vorgesehen. Außerdem berücksichtigt nun die Kfz-Steuer stärker als bisher die CO2-Emissionen des Fahrzeugs pro Kilometer Fahrstrecke.

Maßnahmen bei Ernährung und Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft hat Nachholbedarf beim Klimaschutz. Nennenswerte Reduktionen haben die Landwirte in den vergangenen Jahren nicht erreicht. Es gibt aber neue Maßnahmen, die die Klimaschutzziele in Deutschland voranbringen sollen: Zum Beispiel werden die Stickstoffüberschüsse bei der Düngung gesenkt. Denn diese können in Form von Lachgas in die Atmosphäre gelangen. Und Lachgas ist ein mehr als 200-mal so starkes Treibhausgas wie CO2.

Ein weiteres Klimaziel bei der Landwirtschaft besteht in der Förderung des Ökolandbaus. Zudem soll der Humusaufbau in den Böden steigen. Denn Humus ist ein großer Speicher für CO2 im Boden. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die Bundesregierung die Anpflanzung von Hecken, Knicks und Alleen an den Feldrändern. Auch im Grünland sind große Mengen von Kohlenstoff gespeichert. Daher will die Bundesregierung für Wiesen und Weiden eine spezielle Grünlandstrategie entwickeln.

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Moore speichern weltweit doppelt so viel CO2 wie alle Wälder dieser Erde zusammen.9 Umso wichtiger nimmt die Bundesregierung den Schutz der Moore. Damit die deutschen Wälder weiterhin als CO2-Speicher funktionieren, sollen neue klimarobuste Wälder entstehen. Holz soll als klimafreundlicher Baustoff verstärkt zum Einsatz kommen.

Außerdem sollen Lebensmittelabfälle vermieden werden. Dafür hat die Bundesregierung die „Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ ins Leben gerufen.10

Klimaschutz in die eigenen Hände nehmen

Nur die Stromerzeugung befindet sich zurzeit auf einem guten Pfad zum Erreichen der deutschen Klimaziele. Die anderen Sektoren haben Nachholbedarf. Besonders groß ist das Potenzial im Gebäudebereich. Energetische Sanierungen und vor allem klimafreundliche Heizungen können sehr schnell positive Effekte hervorbringen und die CO2-Emissionen in Deutschland deutlich reduzieren. Das sieht auch die Bundesregierung so: Der Sektor Wohnen und Wärme hat abgesehen von der Energiewirtschaft das ambitionierteste Klimaziel.

Um das zu erreichen, hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben gemacht und großzügige Fördermittel bereitgestellt. Nun liegt es an den Bürgern, im Sinne der Energiewende zu handeln, die Fördergelder zu nutzen und damit langfristig von niedrigen Heizkosten zu profitieren.

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1 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Die Klimakonferenz in Paris

2 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Deutsche Klimaschutzpolitik 

3 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Aktionsprogramm Klimaschutz Deutschlands Klimaziel 2020

4 Tagesschau: So viel teurer wird Autofahren und Heizen

5 Die Bundesregierung: Abschied von der Kohleverstromung

6, 7 Die Bundesregierung: Erneuerbare Energien – Ein neues Zeitalter hat begonnen

8 Die Bundesregierung: Mehr Ladestationen für Elektroautos

9 NDR: Moore – unheimlich und unheimlich wichtig

10 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung

Jens-Peter Meyer,
Dr. rer. nat.

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

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