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Wann die energetische Sanierung Pflicht ist – und was Sie genau tun müssen

Wer den Energieverbrauch in Deutschland betrachtet, stellt fest: Fast 40% der gesamten verbrauchten Energie wird für die Kühlung oder Erwärmung von Gebäuden verwendet. Mit einer energetischen Sanierung können Hausbesitzer extrem viel Energie einsparen und ihre Haushaltskasse deutlich entlasten. In diesem Artikel haben wir alles über die Hintergründe zu energetischer Sanierung, Pflicht und Umfang zusammengestellt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Grundlage der Sanierungspflichten: Die EnEV
  2. Prinzipien der EnEV
  3. Energetische Sanierungspflicht: Wer ist betroffen?
  4. Austausch der Heizung laut EnEV
  5. Die Dämmung als Teil der energetischen Sanierung
  6. Vorgaben der EnEV bei der Erneuerung einzelner Bauteile
  7. Was passiert bei Nicht-Einhaltung der EnEV?
  8. Ich muss sanieren: Was sind die nächsten Schritte?

Grundlage der Sanierungspflichten: Die EnEV

Die Grundlage für die Reduzierung des Energieverbrauchs liefert die Energieeinsparverordnung (EnEV). Sie gilt für nahezu alle Gebäude. Ihre Vorgaben beziehen sich auf Klima- und Heiztechnik sowie auf die Wärmedämmung von Gebäuden.

Die EnEV ist ein wichtiger Bestandteil der Klima- und Energiepolitik der Bundesrepublik. Ziel dieser Verordnung ist es, dass bis zum Jahr 2050 alle Gebäude in Deutschland klimaneutral sind.

Basis für die Energieeinsparverordnung ist das Energieeinsparungsgesetz (EnEG). Es liefert Bauherren bautechnische Standardanforderungen, die zu einer effizienten Nutzung von Energie beitragen. Die EnEV gilt vor allem für Wohngebäude, aber auch für industriell genutzte Immobilien. Zugleich wird für Hausbesitzer in bestimmten Fällen die energetische Sanierung Pflicht.

Aktuell gilt die EnEV in der Fassung vom 01.01.2014, die auf den Fassungen von 2013 beruht. Für die Energieeinsparverordnung wurden die Heizungsanlagenverordnung sowie die Wärmeschutzverordnung zusammengeführt und erweitert. So bezieht die EnEV zum Beispiel auch den sommerlichen Wärmeschutz sowie Solarenergie mit ein.

Prinzipien der EnEV

Der Fokus der EnEV liegt auf dem Neubau. Ziel ist, insbesondere den Primärenergiebedarf für das Heizen und die Warmwasserbereitung zu senken. Für die Ermittlung der Primärenergie werden sowohl die Endenergie als auch die verwendeten Energieträger berücksichtigt: Bei der Endenergie handelt es sich um die Energie, die dem Haus zugeführt wird. Für die Bewertung der Energieträger spielt es eine Rolle, wie sie sich auf die Umwelt auswirken. Hier sind zum Beispiel die CO2-Emissionen relevant.

Darum geht es in der EnEV

  • Energiebilanz: Wenn im Rahmen der EnEV die Energiebilanz eines Gebäudes berechnet wird, sind erneuerbare Energien im Vorteil gegenüber fossilen Brennstoffen. Die Berechnung der Energiebilanz berücksichtigt jedoch nicht nur die Raumheizung, sondern bezieht auch den Energiebedarf für Kühlung sowie Warmwasserbereitung und Lüftungsanlagen mit ein. Darüber hinaus wird die gesamte Energie, die für die Anlage benötigt wird, in die Bilanz aufgenommen.

  • Richtlinien: Die EnEV legt nicht nur Richtwerte zur Energiebilanz fest, sondern definiert auch, wie luftdicht Häuser sein müssen und wie Wärmebrücken reduziert werden können.

Ein mögliches Ziel sind mit der EnEV sogenannte „Niedrigenergiehäuser“, die ab 2021 zum Standard bei Neubauten werden sollen. Diese Gebäude haben eine sehr hohe Gesamtenergieeffizienz und benötigen nur sehr wenig Endenergie, die dann ohnehin überwiegend mit erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden soll.

Energetische Sanierungspflicht: Wer ist betroffen?

Unabhängig von einer Sanierungspflicht sollten Hausbesitzer heute darauf achten, dass ihr Gebäude energieeffizient beheizt, belüftet und klimatisiert wird. Dadurch schonen Sie nicht nur die Umwelt, Sie sparen außerdem Energiekosten und profitieren von einem besseren Raumklima.

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In diesen Fällen wird die energetische Sanierung Pflicht:

  1. Dämmung von Dächern oder Dachgeschossen

    Wenn ein Haus nach dem 01.02.2002 gekauft oder geerbt wurde, müssen Dach oder Dachgeschoss nachträglich gedämmt werden. Der Dämmwert muss dann bei mindestens 0,24 W/(m2K) liegen.

  2. Dämmung der Außenwand

    Eine Pflicht zur Außenwanddämmung gibt es nicht. Wer sich dennoch dafür entscheidet, muss die Vorgaben der EnEV von 2009 einhalten.

  3. Heizungen und Heizungsrohre

    Heizungsanlagen, die vor dem Jahr 1978 eingebaut wurden, müssen in Ein- und Zweifamilienhäusern seit 2009 ausgetauscht und erneuert werden.

Hauseigentümer müssen nicht sanieren, wenn sie seit Anfang 2002 selbst in dem Haus leben.

Wichtig: Wer ein Haus vermieten oder verkaufen möchte, benötigt einen Energieausweis. Hier lesen Sie mehr dazu, was im Energieausweis steht und was die Werte bedeuten.

Austausch der Heizung laut EnEV

Hauseigentümer sind laut EnEV unter bestimmten Bedingungen zum Austausch alter Heizungsanlagen verpflichtet. Grundsätzlich müssen alle Heizkessel ausgetauscht werden, die bis zum 31.12.1984 installiert wurden. Wurde die Heizungsanlage im Jahr 1985 und später eingebaut, muss der Austausch nach 30 Jahren Betriebszeit erfolgen. Dies gilt auch, wenn Sie als neuer Eigentümer ein Haus mit alter Heizung kaufen. Sie haben nach dem Kauf zwei Jahre Zeit, um die Heizungsanlage zu sanieren.

Allerdings gibt es neben dieser eindeutigen Pflicht auch zahlreiche Ausnahmen:

  1. Niedrigtemperatur-/Brennwert-Heizkessel

    Diese Anlagen sind von der Austauschpflicht befreit, auch wenn sie älter als 30 Jahre alt sind. Die Leistung darf vier Kilowatt nicht überschreiten.

  2. Kessel zur Warmwasserbereitung

    Werden Heizkessel nur zur Warmwasserbereitung genutzt oder handelt es sich um Küchenherde, ist ein Austausch nicht verpflichtend.

  3. Selbstbewohnte Immobilien

    Wohnt der Eigentümer seit 2002 und davor in seinem Haus, das nicht mehr als zwei Wohnungen hat, ist er von der Austauschpflicht ausgenommen.

Heizgeräte gelten nach 15 Jahren als energetisch ineffizient. Je älter sie werden, desto unzuverlässiger sind sie außerdem. Kein Wunder, denn Heizungen bringen jeden Tag hohe Leistungen. Auch wenn Sie also gesetzlich nicht zum Heizungstausch verpflichtet sind, gibt es sehr gute Gründe, sich ein modernes, effizientes Gerät anzuschaffen und den Austausch nicht bis zum letzten Moment auszureizen. 

Heizungsbauer finden

Rund drei Viertel der Heizungen in Deutschland entsprechen nicht dem Stand der Technik. Tauschen Sie jetzt mit einem Fachbetrieb in Ihrer Nähe Ihre Heizung aus und sparen Sie Heizkosten.

Die Dämmung als Teil der energetischen Sanierung

Wie bereits erwähnt, ist eine energetische Sanierung keine Pflicht, wenn die Eigentümer das Gebäude selbst bewohnen und schon vor dem 1.2.2002 darin lebten. Wer allerdings ein Gebäude neu erwirbt, dessen Dachgeschoss nicht die Anforderungen der EnEV erfüllt, muss innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf energetisch sanieren.

Eine generelle Nachrüstpflicht zur Außenwanddämmung besteht nicht. Allerdings müssen Hausbesitzer sich an die Vorgaben der EnEV halten, wenn sie mindestens 10% der Fassadenfläche sanieren oder renovieren lassen.

Vorschriften für die Dachdämmung

Für die Dachdämmung gilt: Sofern die oberste Geschossdecke über beheizten Räumen zum Dachboden nicht gedämmt ist, muss eine Dämmung erfolgen. Dabei muss der sogenannte „Wärmedurchgangskoeffizient“ (U-Wert) der Geschossdecke unter 0,24 Watt/(m2K) liegen. Sie können sowohl die Dachgeschossdecke als auch das Dach selbst dämmen. Die Dämmpflicht für Dach beziehungsweise Dachboden galt bereits bis Ende 2015.

Praxistipp: Wärmepumpen im Altbau

  • Umweltfreundliche, effiziente Wärmepumpen werden beim Neubau immer beliebter – und bieten sich auch als Heizung für Altbauten an.

  • Damit diese Art der Heizung jedoch effizient läuft, müssen die Vorlauftemperaturen niedriger sein als bei konventionellen Heizsystemen.

  • Und für niedrige Vorlauftemperaturen benötigen Sie unter anderem eine gute Hausdämmung.

  • Es macht also Sinn, die Sanierung des Heizsystems und der Dämmung gleichzeitig anzugehen und sich ein stimmiges Gesamtkonzept zu überlegen.

  • Lesen Sie hier mehr zur Wärmepumpe im Altbau.

Wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach eines Gebäudes die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-02 erfüllen, ist keine nachträgliche energetische Sanierung Pflicht. Dies gilt auch dann, wenn das Gebäude älter ist. So können auch ältere Häuser mit Holzbalkendecken oder Massivdecken die Vorgaben des Mindestwärmeschutzes erfüllen.

Wer einen Altbau kauft, sollte deshalb prüfen, ob das Gebäude bereits diesen Anforderungen genügt. Reicht der Wärmeschutz aus, ist eine Dachsanierung voraussichtlich nicht bindend.

Vorgaben der EnEV bei der Erneuerung einzelner Bauteile

Wenn Sie einzelne Elemente an Gebäuden sanieren, müssen Sie die jeweiligen Vorgaben zum Wärmedurchgangskoeffizienten der Bauteile berücksichtigen. Die EnEV1 sieht folgende Werte vor:

Geforderte Wärmedurchgangskoeffizienten pro Bauteil

Bauteil

geforderter U-Wert

mögliche Umsetzung

Außenwand

0,24

Dämmung mit 12 bis 16 cm

Fenster

1,30

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Dachflächenfenster

1,40

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Verglasungen (ausgenommen Schallschutzfenster oder andere Sonderverglasungen)

1,10

Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung

Dachschrägen, Steildächer

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Oberste Geschossdecken

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Flachdächer

0,20

Dämmung mit 16 bis 20 cm

Wände und Decken gegen unbeheizten Keller, Bodenplatte

0,30

Dämmung mit 10 bis 14 cm

Decken gegen unbeheizten Keller, Bodenplatte (wenn der Aufbau beziehungsweise die Erneuerung des Fußbodens auf der beheizten Seite erfolgt)

0,50

Dämmung mit 4 bis 5 cm

Decken, die nach unten an Außenluft grenzen

0,24

Dämmung mit 14 bis 18 cm

Was passiert bei Nicht-Einhaltung der EnEV?

Wer die Vorgaben und Normen der EnEV beim Neubau oder einer Sanierung nicht einhält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Bußgelder sind außerdem möglich, wenn zum Beispiel Heizkessel ohne CE-Zeichen installiert oder Energieausweise Mietern nicht vorgelegt werden.

Die Einhaltung der EnEV wird von den jeweiligen Baubehörden geprüft. Stellen diese Fehler fest, sind in der Regel die jeweiligen Bauherren verantwortlich. Sie müssen die Leistungen der einzelnen Gewerke prüfen und so sicherstellen, dass die Vorgaben der EnEV eingehalten werden.

Meist können Bauherren jedoch schlecht fachmännisch beurteilen, ob die EnEV beim Bau eingehalten wurde. Lassen Sie sich deshalb am besten sogenannte „Unternehmerbescheinigungen“ ausstellen. Darin bestätigen die Dienstleister und Handwerker, dass der Bau oder Umbau den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Ich muss sanieren: Was sind die nächsten Schritte?

Wenn bei Ihrer Immobilie die energetische Sanierung Pflicht wird, sollten Sie sich um einen Fachbetrieb kümmern, der den Umbau oder Heizungstausch für Sie durchführt. Nur so ist sichergestellt, dass die Arbeiten sorgfältig und entsprechend der Vorgaben korrekt durchgeführt werden.

Heizungsbauer finden

Der beste Experte in Sachen Heizungstausch für Ihre energetische Sanierung ist natürlich der Heizungsbauer. Suchen Sie hier einen Profi in Ihrer Nähe!

Haben Sie bereits ein Gutachten eines Energieberaters, können Sie mit diesem Experten gemeinsam die nötigen Schritte planen. Er kann eine genaue Aufgabenliste für die einzelnen benötigten Gewerke aufstellen. Mit diesen klar umrissenen Aufgaben holen Sie anschließend Angebote bei Fachbetrieben ein. Lesen Sie hier mehr zu den Aufgaben und Kosten eines Energieberaters.

Der Energieberater kann anschließend auch bei der Auswahl des Handwerkers oder Dienstleisters weiterhelfen, damit die beschlossenen Maßnahmen bestmöglich umgesetzt werden.

1 Verbraucherzentrale: Energetische Sanierung – Energieeinsparverordnung (EnEV)

 

Phil R.

Über den Autor

Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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