Kundenhotline
08751 / 74 – 1183

Heizen mit Fernwärme

Die eigenen vier Wände mit Abwärme aus Kraftwerken heizen: Das Prinzip der Fernwärme ist denkbar einfach und hierzulande tatsächlich weit verbreitet. In unserem Ratgeber gehen wir auf die Fernwärmenutzung in Deutschland ein und erläutern, warum auch sie anfällig für Preisschwankungen ist. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den technischen Grundlagen und der regionalen Verfügbarkeit der Technik und stellen Vor- und Nachteile übersichtlich gegenüber.

Inhaltsverzeichnis

  1. Heizen mit Fernwärme in deutschen Haushalten
  2. Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen
  3. Wie funktioniert das Heizen mit Fernwärme?
  4. Wer kann Fernwärme beziehen?
  5. Heizen mit Fernwärme: Ein Blick in die Zukunft
  6. Vor- und Nachteile von Fernwärme
  7. Welche Alternativen gibt es?

Heizen mit Fernwärme in deutschen Haushalten

Im Jahr 2017 wurden rund 14% aller Wohnungen in Deutschland durch Fernwärme beheizt. Beachtlich ist, dass dieser Anteil in den neuen Bundesländern mit 32% deutlich höher liegt als in den alten Bundesländern mit nur 9%. Die Fernwärme nimmt den dritten Platz ein in der Rangliste der meistgenutzten Heizungsarten im Wohnungsbestand – hinter Gas- und Ölheizungen.

Es zeigt sich ein anhaltender Trend zu mehr Fernwärme im Wohnungsneubau. So wurden im ersten Halbjahr 2018 24,6% und damit fast ein Viertel aller Wohnungen an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren es gerade einmal 12% aller Wohnungsneubauten – das entspricht einer Verdopplung in nur zehn Jahren.

Was macht die Fernwärmenutzung attraktiv?

  • Zunächst einmal handelt es sich bei Fernwärme genau genommen um ein Abfallprodukt.

  • Fernwärme ist Wärme, die bei der Stromerzeugung in großen Kraftwerken ohnehin anfällt.

  • Würden wir diese Wärme nicht nutzen, so würde sie ungenutzt in die Umgebung abgeleitet beziehungsweise müsste sogar mit großem Energieaufwand gekühlt werden.

  • Aus umweltpolitischer Sicht ist die Fernwärmenutzung daher sehr sinnvoll und klimafreundlich.

  • Darüber hinaus überzeugt die Heizungsart durch Zuverlässigkeit und einen geringen Wartungsaufwand.

Das klingt zwar erst einmal überzeugend. Ganz so rosig sieht die Zukunft der Fernwärme jedoch nicht aus. Warum das so ist, dazu kommen wir gleich.

Zeitliche Entwicklung der Fernwärmenutzung

Werfen wir einen Blick auf die zeitliche Entwicklung der Fernwärmenutzung in Deutschland, wird deutlich, dass Fernwärme sowohl von privaten Haushalten als auch in der Industrie und vom Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektor genutzt wird. Die Grafik zeigt, dass der gesamte Verbrauch an Fernwärme seit 2003 in etwa gleich geblieben ist und auf einem Niveau zwischen 400 und 450 Petajoule (PJ) liegt. Ein Grund hierfür: Die Kraftwerksstruktur in Deutschland hat sich in diesem Zeitraum nicht wesentlich geändert.

Trotz eines relativ konstanten Gesamtverbrauchs haben sich die Verhältnisse untereinander gewandelt: Es lässt sich erkennen, dass die industrielle Nutzung der Fernwärme in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, während das Heizen mit Fernwärme in Gewerbe und Handel sowie im Dienstleistungssektor zurückgegangen ist. In privaten Haushalten steigt die Nutzung.

Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Wie bereits erwähnt, stellt Fernwärme technisch gesehen ein Abfallprodukt dar, das im Kraftwerk ohnehin anfällt. Dennoch ist das Heizen mit Fernwärme natürlich nicht gratis – schließlich muss das Fernwärmenetz mitsamt der technischen Infrastruktur erst einmal gebaut und später betrieben und instandgehalten werden.

Der Preis für die Fernwärmenutzung setzt sich, wie auch bei anderen Heizungsarten üblich, aus einem Grund- und einem Arbeitspreis zusammen. In einigen Fällen wird darüber hinaus ein sogenannter Dienstleistungspreis fällig.

Grundpreis

Mit dem Grundpreis bezahlen Sie als Fernwärmekunde den Bau sowie den Betrieb und die Instandhaltung des Fernwärmenetzes. Darüber hinaus sind auch Kosten für Verwaltungsaufgaben im Grundpreis enthalten.

Arbeitspreis

Der Arbeitspreis bezieht sich auf die Kosten, die in direktem Zusammenhang mit Ihrem individuellen Verbrauch stehen. Darin inbegriffen sind also die Brennstoffkosten des Kraftwerks sowie die Stromkosten für den Betrieb der Pumpen.

Dienstleistungspreis

Nicht jeder Anbieter berechnet einen zusätzlichen Dienstleistungspreis. Er wird häufig auch als Messpreis bezeichnet und deckt die Kosten ab, die durch Verbrauchsabmessungen und Abrechnungen entstehen.

Ein Blick auf die Entwicklung der Fernwärme-Heizkosten in den letzten Jahren verrät uns, dass auch Fernwärmekunden durchaus beachtlichen Preisschwankungen ausgesetzt sind. Diese Schwankungen sind zwar etwas geringer als die Preisentwicklung beim Heizöl oder die Entwicklung der Gaspreise, folgen im Wesentlichen aber der Entwicklung am Primärenergiemarkt. Wenn die Preise für fossile Brennstoffe weltweit anziehen, sind Sie also davon auch als Fernwärmekunde betroffen.

Die Preise müssen die Versorgungsunternehmen im Übrigen nach einer klar definierten und gesetzlich vorgegebenen Methode berechnen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Fernwärmekosten aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten regional sehr unterschiedlich ausfallen.

Wie funktioniert das Heizen mit Fernwärme?

Der Begriff Fernwärme bezeichnet die Versorgung von Gebäuden mit Wärme, die bei der Stromerzeugung in Kraftwerken entsteht.

So entsteht Fernwärme

  • Dampfkraftwerke erzeugen beispielsweise Strom, indem Wasser durch die Verbrennung fossiler Energieträger erhitzt wird und unter hohem Druck verdampft.

  • Dieser Wasserdampf treibt dann eine Dampfturbine an, wodurch Strom erzeugt wird.

  • Der Wasserdampf wird anschließend über einen Kondensator wieder verflüssigt, wobei große Mengen an nutzbarer Wärme freigesetzt werden.

  • Diese Wärme wird entweder über einen Kühlturm abgeführt oder stattdessen in ein Fernwärmenetz eingespeist.

  • Wird die Abfallwärme des Kraftwerks weiterverwendet, wird sie über ein Rohrleitungsnetz in Form von heißem Wasser direkt zu Ihnen nach Hause transportiert.

  • Zu den Abnehmern gehören aber nicht nur private Haushalte, sondern auch öffentliche Gebäude und Unternehmen.

Ausgehend von der Hauptleitung wird das Heizungswasser über eine Hausanschlussleitung in das Gebäude befördert. Einer der Vorteile ist, dass die komplexe Anlagentechnik im Gebäude größtenteils entfällt. Abgesehen von einer kleinen Übergabestation und dem erforderlichen Rohrnetz mitsamt der Ventile, Ausdehnungsgefäße und Absperrhähne sind keine Anlagen erforderlich. Das spart nicht nur Platz, sondern auch Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Heizungsanlage.

Exkurs: Nahwärme

Neben der Nutzung von Fernwärme liegt in den letzten Jahren übrigens auch die sogenannte Nahwärme voll im Trend. Dabei handelt es sich um kleinere Kraftwerke wie Blockheizkraftwerke (BHKW) oder Biomassekraftwerke, deren Abfallwärme zur Wärmeversorgung von kleineren Wohnungssiedlungen genutzt wird.

Generell geht der Trend in den nächsten Jahren zu einer eher dezentralen Erzeugung, wodurch die Nahwärmeversorgung für viele Verbraucher immer interessanter wird. Auch die zunehmende Nutzung von Wärmepumpen folgt diesem Trend.

Wer kann Fernwärme beziehen?

Deutschland verfügt über etwa 1.400 Fernwärmenetze, die zusammengerechnet eine Gesamtlänge von rund 19.000 Kilometern aufweisen. Dennoch ist die regionale Verfügbarkeit der Fernwärme sehr unterschiedlich.

Nur wenn Ihre Wohnung oder Ihr Eigenheim in einem der Anschlussgebiete liegt, können Sie das Gebäude auch an das Fernwärmenetz anschließen. Während das umweltfreundliche Heizen mit Fernwärme in Ballungszentren sehr weit verbreitet ist, ist die Fernwärmenutzung in ländlichen Gebieten eher selten. Das liegt daran, dass die Schaffung eines solchen Wärmenetzes in großen Städten und Ballungsräumen deutlich kostengünstiger ist als in weniger dicht besiedelten Gebieten.

Fernwärme lohnt sich nicht immer

  • Darüber hinaus ist bei Neubauten zu berücksichtigen, dass sich die Investition in einen Fernwärmeanschluss nur dann lohnt, wenn Sie einen hohen Wärmebedarf haben.

  • Bei Neubauten ist der Wärmebedarf jedoch aufgrund der strengen gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf die Gebäudedämmung vergleichsweise niedrig, sodass sich das Heizen mit Fernwärme häufig nicht rechnet.

Wenn Sie sich für die Investition in einen Fernwärmeanschluss entscheiden, ist der damit verbundene bauliche Aufwand an Ihrem Gebäude zu berücksichtigen. Für den Anschluss werden zwei Rohrleitungen (Vor- und Rücklauf) von der Hauptleitung in das Gebäude durch die Hauswand geführt, wodurch Kernbohrungen erforderlich werden. Darüber hinaus ist – üblicherweise im Keller – eine Übergabestation mit Wärmetauscher und Zählwerk nötig.

Heizen mit Fernwärme: Ein Blick in die Zukunft

Im Laufe der letzten Jahre hat der Anteil von Immobilien mit Anschluss an das Fernwärmenetz langsam, aber stetig zugenommen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich die Tendenz langfristig umkehrt und die Fernwärme bei Neubauten eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Das liegt vor allem daran, dass die Energieerzeugung hierzulande vor einem grundlegenden Wandel steht. Während Kohle- und Gaskraftwerke nach und nach abgeschaltet werden und daher auch keine Fernwärme mehr erzeugen können, werden erneuerbare Energien ausgebaut. Von den erneuerbaren Energieformen erzeugen aber nur wenige – wie beispielsweise das BHKW oder das Biomassekraftwerk – Abfallwärme, die als Gebäudeheizung genutzt werden kann. Welche Heizarten besonders zukunftssicher sind, lesen Sie in unserem Beitrag „Das Heizsystem der Zukunft".

Vor- und Nachteile von Fernwärme

Das Heizen mit Fernwärme hat – sofern es für Sie überhaupt infrage kommt – sowohl Vor- als auch Nachteile. Diese haben wir im Folgenden übersichtlich für Sie zusammengestellt.

Pro

  • Geringer Platzbedarf: Im Gebäude wird neben der Verrohrung lediglich eine Übergabestation installiert. Eine komplexe und wartungsintensive Anlagentechnik entfällt.

  • Geringe Investitions- und Betriebskosten: Wenn Ihr Gebäude in der Nähe einer Anschlussstelle liegt, sind die Kosten für den Anschluss an das Fernwärmenetz überschaubar. Auch die Betriebskosten halten sich in Grenzen, da die Fernwärmetechnik wartungsarm ist.

  • Nutzung von Abfallwärme: Fernwärme fällt bei der Stromerzeugung im Kraftwerk ohnehin an – die Nutzung dieser Wärme ist unter ökologischen Gesichtspunkten daher sinnvoll und führt zu einem hohen Nutzungsgrad der fossilen Brennstoffe.

  • Hohe technische Reife und Zuverlässigkeit: Fernwärme ist technisch seit Jahrzehnten erprobt und bietet eine hohe Versorgungssicherheit – zumindest aktuell noch, solange Kraftwerke zur Stromgewinnung genutzt werden.

Contra

  • Verfügbarkeit: Fernwärme wird überwiegend in Ballungsgebieten angeboten und ist in ländlichen Regionen meist gar nicht verfügbar.

  • Wärmeverluste: Die Wege vom Kraftwerk zum Endverbraucher sind häufig sehr lang. Während des Transports durch das kilometerlange Fernwärmenetz entstehen zwangsläufig Wärmeverluste, die sich sehr negativ auf die Effizienz auswirken.

  • Preisschwankungen: Wer mit Fernwärme heizt, ist genau wie bei Gas- oder Ölheizungen den marktbedingten Schwankungen des Preises ausgesetzt.

  • Geringe Fördermöglichkeiten: Anders als bei klassischen erneuerbaren Energien wie der Solarthermie werden Fernwärmeanschlüsse nur unter bestimmten Bedingungen gefördert – das hängt vor allem von dem genutzten Energieträger und der Energieeffizienz des Gebäudes ab.

  • Langfristig schlechte Aussichten: Da klassische Kraftwerke immer weiter abgebaut werden, fallen nach und nach die Bezugsquellen für die Wärme weg.

Welche Alternativen gibt es?

Die Alternativen zum Heizen mit Fernwärme sind vielfältig. Es bieten sich zum Beispiel konventionelle Energieträger wie Öl und Gas an. Immer beliebter wird die Nutzung von Umweltwärme mit Wärmepumpen. Auch Wärmepumpen sind wartungsarm – zudem sind Sie mit ihr unabhängig von den Preisen fossiler Rohstoffe. Auch die Verbrennung nachwachsender Rohstoffe wie Holz per Pelletheizung kommt infrage und die Nutzung von Solarenergie mittels Solarkollektoren.

Die Entscheidung, welche Heizung für Sie ideal ist, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, die im Einzelfall betrachtet werden müssen. Bei Neubauten haben Sie bei der Planung des Heizungssystems grundsätzlich freie Hand – wenn Sie die gesetzlichen Vorgaben zur Einbindung erneuerbarer Energien berücksichtigen. Am besten lassen Sie sich von einem Profi beraten, der Ihr Haus und Ihre Bedürfnisse im Detail betrachtet. Über unsere Suchfunktion können Sie schnell und einfach einen kompetenten Heizungsbauer finden.

Heizungsbauer finden

Postleitzahl eingeben – Heizungsbauer auswählen und kontaktieren – Heizung wird eingebaut, gewartet oder repariert. Finden Sie jetzt einen Fachbetrieb in Ihrer Nähe!

 

1 Statista: Beheizungsstruktur des Wohnungsbestandes in Deutschland in den Jahren 1995 bis 2017

2 BDEW: Entwicklung der Beheizungsstruktur im Wohnungsneubau

Andreas Wurm

Über den Autor

Andreas Wurm absolvierte seinen Bachelor of Science in Maschinenbau an der RWTH Aachen University und schloss einen Master in Energietechnik (Spezialisierung Erneuerbare Energien) an derselben Universität an. Nach seinem Studium war er von 2014 bis 2016 Projektingenieur in der Branche Heizungs- und Klimatechnik.

Verwandte Artikel

Welche Fördermittel gibt es für die Heizung?

Effiziente Heizungen und erneuerbare Energien werden gefördert. Diese Optionen gibt’s
Weiterlesen

Heizkörper entlüften: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Entlüften Sie Ihre Heizkörper, sparen Sie Energie und haben es gemütlich warm.
Weiterlesen

Feuerstättenschau ist Pflicht! Oder? Alle Infos zum Thema

Wie oft muss man die Feuerstättenschau durchführen lassen? Und was kostet sie?
Weiterlesen
Bewerten Sie den Artikel
Datenschutz-Hinweis Bitte beachten Sie unsere Informationen und Hinweise zum Datenschutz.