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Nachtspeicherheizung entsorgen: Vorsicht vor Schadstoffen

Immer noch stehen in vielen deutschen Wohnungen und Häusern Fossile der Heiztechnik herum: Nachtspeicherheizungen – oder auch Nachtspeicheröfen – wurden in den 1950er und 1960er-Jahren als vermeintlich saubere Alternative zum Kohleofen installiert. Allerdings entsprechen Nachtspeicher nicht mehr dem Stand der Technik. Wenn Sie daher Ihre Nachtspeicherheizung entsorgen möchten, gibt es gerade mit Blick auf die Schadstoffbelastung einiges zu beachten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Nachtspeicherheizung?
  2. Nachtspeicherheizung entsorgen: Jede Menge Gifte
  3. Vorsicht vor Asbest beim Nachtspeicherofen
  4. Informationen über Asbestgehalt des Nachtspeichers im Internet
  5. Entsorgung der Nachtspeicherheizung: Beim Abtransport am besten sicher verpackt
  6. Beim Entsorgen der Nachtspeicherheizung muss der Fachbetrieb ran

Was ist eine Nachtspeicherheizung?

Nachtspeicherheizungen funktionieren ähnlich wie ein Holz- oder Kohleofen. Im Inneren befinden sich Speichersteine mit hohem Magnesiumgehalt, die sich durch Strom auf bis zu 650°C aufheizen lassen. Die nachts gespeicherte Wärme heizt dann über den Tag verteilt den Raum.

Nachtspeicheröfen heute nicht mehr zeitgemäß

Wie eingangs erwähnt, sollten Nachtspeicher damals als Alternative zum Kohleofen dienen und vor allem das Stromnetz stabilisieren. Denn Kohlekraft- und Atomkraftwerke kann man nicht drosseln. Daher gab es nachts immer mehr Strom als das Land brauchte. Diesen Überschussstrom sollten die Nachtspeicheröfen abnehmen.

Heute haben wir in Deutschland aber keine Stromproduktion wie in den 1960er-Jahren mehr. Nicht die schwerfälligen Atom- und Kohlekraftwerke bestimmen allein die Stromversorgung, sondern das Stromnetz muss mit dem schwankenden Angebot an „grünem“ Strom aus Wind- und Sonnenenergie fertig werden.

Ob Nachtspeicheröfen flexibel genug sind, um hierzu einen Beitrag leisten zu können, ist unter Experten hoch umstritten. Sicher gilt aber: Heizen mit Strom ist problematisch, weil sich dabei hochwertige elektrische Energie in minderwertige Wärme umwandelt. Außerdem gibt es längst eine energieeffiziente Alternative: Wärmepumpen generieren aus einem Teil Strom vier bis fünf Teil Wärme. Das ist viel effizienter.

In manchen Fällen können auch Infrarotheizungen oder elektrische Flächenheizungen sinnvoll sein. Mehr Informationen zu den Vor- und Nachteilen einer Elektroheizung finden Sie in unserem Artikel „Elektroheizung Verbrauch“.

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Nachtspeicherheizung entsorgen: Jede Menge Gifte

Es spricht also viel dafür, Nachtspeicherheizungen zu entsorgen und durch moderne Heizsysteme zu ersetzen. Denn leider sind die vermeintlich sauberen Nachtspeicheröfen alles andere als das. Die alten Geräte enthalten häufig Asbest. Dieser Schadstoff ist hoch krebserregend, wenn er in die Atemluft gelangt. Ebenso krebserregend wirkt Chromat, das sich in hohen Mengen in den Speichersteinen befinden kann.

Eine weitere problematische Stoffgruppe sind die sogenannten polychlorierten Biphenyle (PCB), die früher in elektronischen Bauteilen zum Einsatz kamen und die darum auch in Nachtspeicherheizungen zu finden sind. Die PCB sind besonders tückisch, weil sich diese Schadstoffe im menschlichen Körper anreichern. Sie können zu Haarausfall, Leberschäden und zur Schädigung des Immunsystems führen. Außerdem stehen PCB im Verdacht, auch Krebs zu erzeugen.

Nachtspeicherheizungen können Sie darum nicht einfach abreißen und auf dem Sperrmüll entsorgen. Diese Geräte gehören in den Sondermüll. Nur eine Spezialfirma kann Nachtspeicherheizungen ordnungsgemäß demontieren und entsorgen. Dabei muss die Entsorgungsfirma die Vorschriften der TRGS 519 einhalten. TRGS steht für „Technische Regeln für Gefahrstoffe“. Die TRGS 519 regelt den Umgang mit Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten.

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Vorsicht vor Asbest beim Nachtspeicherofen

Fast alle vor dem Jahr 1977 hergestellten Nachtspeicherheizungen enthalten Bauteile, bei denen Asbest in schwach gebundener Form vorliegt. Daher setzen diese Bauteile die gefährlichen Asbestfasern relativ leicht wieder frei.

Nicht nur der Speicherkern kann betroffen sein

In den meisten Nachtspeicheröfen befindet sich Asbest in der Wärmedämmung des Speicherkern-Unterbaus. Es kann aber auch direkt in den Speichersteinen oder Abstandshaltern der Speichersteine verbaut sein. Manchmal bestehen darüber hinaus die Dichtungsstreifen an der Bypassklappe im Luftaustritt aus asbesthaltigem Material.

Bei einigen Nachtspeicheröfen ist der Giftstoff auch in den seitlich und oberhalb des Speicherkerns montierten Platten enthalten. Noch bis in das Jahr 1984 hinein haben einige Hersteller sogar die Dämmstoffhülse, die für die Steuerpatrone der Regelung benötigt wird, aus asbesthaltigem Material gefertigt. Und bei einigen wenigen Nachtspeichern steckt Asbest in den Dämmscheiben am Gehäuse des Ventilators.

Auch außerhalb der eigentlichen Nachtspeicherheizung kam Asbest zum Einsatz: Und zwar als Dämmunterlage unter dem Nachtspeicherofen oder als Strahlungswärmeschutz an der Wand unter dem Fensterbrett.

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Alternativen zu Asbest sind nicht besser

In jüngeren Öfen sind als Ersatz für Asbest künstliche Mineralfasern enthalten. Auch diese Fasern können oft krebserregend sein. Bis in das Jahr 2000 hinein haben Hersteller von Nachtspeicherheizungen diese gefährlichen künstlichen Mineralfasern eingebaut.

Die Relevanz des Luftstroms

Je nachdem, ob Asbest innerhalb oder außerhalb des Luftstroms vorkommt, unterscheiden Experten zwei Arten von problematischen Nachtspeicherheizungen. Bei den Öfen, die kein Asbest im Luftstrom enthalten, muss man zumindest nicht mit der Freisetzung von Asbestfasern rechnen, wenn das Gerät intakt und ordnungsgemäß in Betrieb ist.

Ganz anders sieht es bei den Nachtspeicherheizungen aus, die Asbest im Luftstrom enthalten. Hier besteht schon beim normalen Betrieb die Gefahr, dass Asbestfasern in die Raumluft gelangen. Darunter fallen auch die Geräte, bei denen Asbest im Speicherstein vorkommt. Diese Nachtspeicherheizungen sollten Sie umgehend entsorgen, da sie Ihre Gesundheit massiv gefährden .

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Informationen über Asbestgehalt des Nachtspeichers im Internet

Wie können Sie herausfinden, ob Ihre Nachtspeicherheizung eine Schadstoffbelastung aufweist? Detaillierte Informationen über das Modell, die Seriennummer, das Herstellungsjahr und den Hersteller Ihres Nachtspeicherofens finden Sie in den Originalunterlagen Ihrer Heizung oder auf dem Typenschild.

Der Hersteller kann Ihnen mit diesen Informationen sagen, wo und wie viel Asbest in Ihrem Nachtspeicherofen enthalten ist. Auch im Internet können Sie nach Herstellern sortierte Listen von asbesthaltigen Nachtspeicherheizungen finden. Alternativ sollte auch ein auf Asbest spezialisierter Entsorgungsfachbetrieb Bescheid wissen. Einige Fachbetriebe bieten übrigens auch gleich den Einbau des neuen Heizsystems an.

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Wichtig ist auf jeden Fall immer, dass Sie niemals eine Nachtspeicherheizung selbst reparieren oder gar zerlegen, um sie anschließend zu entsorgen. Denn dabei kann die Freisetzung von Asbestfasern kaum verhindert werden. Aber auch chromathaltige Stäube und Dämpfe mit PCB können entstehen und diese sollten Sie auf keinen Fall einatmen. PCB wurde übrigens noch bis 1989 in Nachtspeicheröfen eingesetzt und erst 2001 weltweit verboten.

Entsorgung der Nachtspeicherheizung: Beim Abtransport am besten sicher verpackt

Auch Fachbetriebe sollten es vermeiden, Nachtspeicherheizungen für die Entsorgung vor Ort zu zerlegen. Am besten verschließt der Fachmann die Lüftungsöffnungen für den Abtransport mit Klebeband oder er packt die komplette Nachtspeicherheizung in reißfeste Folie ein. Da die Geräte einiges an Gewicht auf die Waage bringen, kann auch ein Kran nötig sein, um sie sicher aus dem Haus zu entfernen.

Tipps zur Entsorgung Ihrer Nachtspeicherheizung

  • Nachtspeicherheizungen fallen als elektrische Geräte unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG).

  • Kommunale Sammelstellen oder von den Abfallbehörden bestimmte Abgabestellen nehmen die Altgeräte als Elektroschrott an.

  • Die Kosten für die Entsorgung (Demontage und Abtransport) trägt der Besitzer der Nachtspeicherheizung.

  • Schon bei schadstoffarmen Modellen kostet das zwischen 100 und 230 Euro pro Gerät.

  • Deutlich teurer wird es bei Geräten, die mit Asbest hoch belastet sind.

Beim Entsorgen der Nachtspeicherheizung muss der Fachbetrieb ran

Nachtspeicheröfen sind heute nicht mehr zeitgemäß. Doch beim Entsorgen der Nachtspeicherheizungen ist Obacht angesagt: Denn viele Modelle enthalten krebserregende Schadstoffe wie Asbest, PCB und Chromat. Daher sollten Sie niemals eine Nachtspeicherheizung selbst zerlegen und entsorgen, sondern immer einen Fachbetrieb für die Demontage und den Abtransport beauftragen.

Jens-Peter Meyer,
Dr. rer. nat.

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

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