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Ist der Besuch des Schornsteinfegers Pflicht? Das müssen Hausbesitzer beachten

Mindestens einmal im Jahr schaut der Schornsteinfeger vorbei, oder nicht? Schließlich kann sich jeder von uns an den regelmäßigen Besuch des ganz in schwarz gekleideten Kaminkehrers mit Besen und Krätzer schon von Kindesbeinen an erinnern. In diesem Ratgeber beantworten wir für Sie die Frage, wann der Schornsteinfeger Pflicht ist und worauf Sie als Haus- oder Wohnungsbesitzer achten sollten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der Schornsteinfeger: Wichtige Arbeit für die Brandsicherheit
  2. Wann ist der Schornsteinfeger Pflicht und wann ist die Beauftragung freiwillig?
  3. Welche Arbeiten sind Pflicht und in welchen zeitlichen Abständen?
  4. Kosten für den Schornsteinfeger: KÜO, Förderung und Steuererklärung
  5. Fazit: Mehr Eigenverantwortung für Haus- und Wohnungsbesitzer

Der Schornsteinfeger: Wichtige Arbeit für die Brandsicherheit

Der Schornsteinfeger gilt ähnlich wie das vierblättrige Kleeblatt als Symbol für Glück. Das hat auch seinen guten Grund, denn Schornsteinfeger verrichteten seit dem 17. Jahrhundert eine wichtige Arbeit. Damals kamen in den Städten nämlich die ersten Schornsteine auf. Diese waren ebenso wie Dächer und Wände meist aus Holz.

Durch die Verwendung der Feuerstätten lagerte sich Ruß in den Holzschornsteinen ab. Entzündete sich der Ruß, kam es zu Rußbrand und der konnte im Handumdrehen ganze Stadtviertel verwüsten. Wenn das nicht passierte, hieß es: „Ein Glück, dass der Schornsteinfeger da war“ und der Glücksbringer war geboren.

Die Schornsteinfeger gingen deshalb regelmäßig von Stadt zu Stadt, um die Schornsteine zu reinigen. Bis heute ist es Aufgabe der Schornsteinfeger, die Abgasanlagen zu prüfen und so für Brandsicherheit zu sorgen. Durch eine reibungslose Funktion der Feuerstätten tragen die Kaminkehrer sowohl zur effizienteren Verbrennung als auch zu weniger Emissionen bei.

Wann ist der Schornsteinfeger Pflicht und wann ist die Beauftragung freiwillig?

Jede Heizungsanlage, die Abgase erzeugt, muss im Rahmen einer verpflichtenden Feuerstättenschau regelmäßig von einem zugelassenen Schornsteinfeger kontrolliert und geprüft werden. Das ist nicht nur zum Beispiel bei einem Kachelofen oder Pelletkessel der Fall, in denen ganz offensichtlich eine Verbrennung stattfindet. Sondern das gilt auch für die üblichen Öl- und Gasgeräten, da diese ebenso Brennstoffe für die Energiegewinnung verwerten.

Den Kaminkehrer kommen zu lassen, ist keine Pflicht, wenn Sie keine Feuerungsanlage beziehungsweise Feuerstätte haben: Das heißt, wenn in Ihrer Heizung keinerlei Verbrennung stattfindet. Das ist zum Beispiel bei einer Wärmepumpe der Fall. Diese Heizart kommt vollkommen ohne Brennstoffe wie Öl, Gas oder Holz aus. Stattdessen nutzt sie die Umweltenergie aus der Luft, dem Grundwasser oder dem Erdreich, um Ihr Haus zu heizen und warmes Wasser zu generieren.

Im Zuge der aktuellen EnEV (Energieeinsparverordnung) kann der Schornsteinfeger über seine ursprüngliche Arbeit hinaus weitere Aufgaben durchführen. Hierzu gehört zum Beispiel die Energieberatung.

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Seit der Liberalisierung des Marktes für Schornsteinfeger-Arbeiten und dem Wegfall des Schornsteinfeger-Monopols im Jahr 2013 können Hausbesitzer den Schornsteinfeger für die erforderlichen Arbeiten frei wählen. Davor waren Eigenheimbesitzer an den Bezirksschornsteinfeger gebunden, der für viele Jahre hinweg für den gleichen Kehrbezirk zuständig war. Im Zuge der Gesetzesnovelle wurde auch diese Monopolstellung modifiziert, sodass die Schornsteinfeger sich heute auf einen Kehrbezirk bewerben und diesen wechseln können.

Welche Arbeiten sind Pflicht und in welchen zeitlichen Abständen?

Abhängig von der Art der Heizung ist es für Sie als Hausbesitzer Pflicht, dass der Schornsteinfeger mindestens einmal jährlich eine Feuerstättenschau und Kehrarbeiten durchführt. Im Rahmen der Feuerstättenschau werden die von der Heizung erzeugten Abgase gemessen. Darüber hinaus werden zum Beispiel Gas-Etagenheizungen auf Dichtigkeit geprüft.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Heizungsanlage sicher betrieben wird und keine Gefährdung darstellt. Darüber hinaus prüft der Schornsteinfeger die austretenden Emissionen und sorgt so dafür, dass das Heizgerät die Emissionsgrenzen der Bundesemissionsschutzverordnung (BImSchV) einhält.

Art der Heizung
Feuerstättenschau und Kehrarbeiten
Messen bei Heizkesseln älter als 12 Jahre
Messen bei Heizkesseln jünger als 12 Jahre
Mögliche Kosten
Öl-Brennwertheizung
einmal pro Jahr
alle zwei Jahre
alle drei Jahre
40 Euro
Andere Ölheizung
einmal pro Jahr
alle zwei Jahre
alle drei Jahre
50 Euro
Gas-Brennwertheizung
einmal pro Jahr
keine Messung
keine Messung
40 Euro
Andere Gasheizung
einmal pro Jahr
alle zwei Jahre
alle drei Jahre
50 Euro
Festbrennstoffkessel (zum Beispiel Kaminofen, Pelletofen, Pelletkessel)
dreimal pro Jahr
ungefähr alle drei Jahre
ungefähr alle drei Jahre
70 Euro

 

Wenn Sie eine herkömmliche Heizung nutzen, sollte der Schornsteinfeger somit einmal pro Jahr vorbeikommen. Wie oft der Besuch notwendig ist, entnehmen Sie dem Feuerstättenbescheid des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers.

Bußgelder drohen bei Nichteinhaltung von Fristen und Pflichten

Die im Feuerstättenbescheid angemerkten Arbeiten müssen Sie als Hausbesitzer durchführen lassen. Sollten Sie dieser Pflicht nicht nachkommen, kann der Schornsteinfeger das Pflichtversäumnis an die zuständige Behörde melden. In diesem Fall kann ein Bußgeld verhängt werden. Wenn Hausbesitzer sich der verpflichtenden Prüfung verweigern, kann der Schornsteinfeger sich im Ernstfall auch mit polizeilicher Hilfe Zugang verschaffen. Betriebssicherheit und Brandschutz gehen in diesem Zusammenhang vor.

Wichtig:

  • Stellt ein Schornsteinfeger Mängel bei einer Abgasanlage fest, weil diese zum Beispiel die Emissionsgrenzen überschreitet, kann der Kaminfeger die Anlage stilllegen und Sie zum Beseitigen der Mängel auffordern.

Schornsteinfeger Pflicht auch beim Neubau von Abgasanlagen

Wenn Sie eine neue Heizung, in der eine Verbrennung stattfindet, errichten und zum Beispiel einen Schornstein installieren, müssen Sie hierfür den Schornsteinfeger bestellen. Er prüft die Betriebssicherheit der Installation sowie die Einhaltung der Bauvorschriften.

Gleiches gilt auch dann, wenn Sie zum Beispiel einen alten Kaminofen stilllegen und sich einen neuen zulegen. Erst wenn der Schornsteinfeger diesen abgenommen hat, dürfen Sie damit heizen. Lesen Sie hier auch mehr zur Modernisierung des Kachelofens.

Kosten für den Schornsteinfeger: KÜO, Förderung und Steuererklärung

Eine Vorlage für die Kosten gibt die Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO). So kann der Bezirksbevollmächtigte eine entsprechende Gebühr für den Feuerstättenbescheid verlangen. Auch die Kehrarbeiten sowie die Messungen können sich an den Zahlen der KÜO1 orientieren.

Feuerstättenbescheid

Art der Arbeit
Anzahl der Arbeitswerte
Arbeitswerte multipliziert mit 1,05 Euro
Arbeitswerte multipliziert mit 1,05 Euro (inklusive MwSt.)
bis zu 3 Feuerungsanlagen
10,0
10,50 Euro
12,50 Euro
bei mehr als 3
2,0 je zusätzlicher Feuerungsanlage
(30,0 ist das Maximum je Bescheid)
2,10 Euro
2,62 Euro

 

Feuerstättenschau

Art der Arbeit
Anzahl der Arbeitswerte
Arbeitswerte multipliziert mit 1,05 Euro
Arbeitswerte multipliziert mit 1,05 Euro (inklusive MwSt.)
Grundwert je Gebäude einschließlich der ersten Nutzungseinheit
11,7
12,29 Euro
15,36 Euro
Grundwert für jede weitere Nutzungseinheit
4,0
4,20 Euro
5,25 Euro
an Abgasanlagen und Gruppen von Abgasanlagen: für jeden angefangenen Meter von senkrechten Teilen
1,0
1,05 Euro
1,25 Euro
Zuschlag je Feuerstätte
6,0
6,30 Euro
7,87 Euro
Überprüfung des Feuchtegehalts von Festbrennstoffen bei der Feuerstättenschau
6,0
6,30 Euro
7,87 Euro

 

Die Kosten für einen Kaminkehrer-Besuch liegen dann in der Regel zwischen 40 und 70 Euro. Wie viel Sie genau zahlen, hängt unter anderem von Ihrer Heizungsart ab, wie Sie in der ersten Tabelle sehen.

Können Schornsteinfegerkosten gefördert werden?

Wenn ein Schornsteinfeger eine fachliche Qualifikation als Energieberater nachweisen kann und sich gegenüber dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verpflichtet hat, hersteller-, anbieter- und produkt- sowie vertriebsneutral zu beraten, können die Kosten für die Energieberatung durch das BAFA gefördert werden1.

Der Schornsteinfeger ist darüber hinaus ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Förderung von baulichen Maßnahmen oder Heizungsmodernisierungen geht. Denn der Kaminkehrer kann prüfen, ob Ihre Maßnahmen zum Beispiel vom BAFA, der KfW oder durch Förderprogramme von Ländern, Gemeinden oder Städten gefördert werden.

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Schornsteinfegerkosten von der Steuer absetzen

Seit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2014 können Sie auch die im Schornsteinfegergesetz definierten Leistungen des Schornsteinfegers von der Steuer absetzen. Die Kosten für den Schornsteinfeger fallen zum Teil unter die sogenannten „haushaltsnahen Dienstleistungen“. Pro Jahr können Sie so bis zu 6.000 Euro von der Steuer absetzen.

Wichtige Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist, dass der Schornsteinfeger eine Rechnung über Messungen, Prüfungen und Bescheinigungen ausstellt und Sie die Summe überweisen. Dasselbe gilt auch für andere Handwerkerrechnungen.

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Fazit: Mehr Eigenverantwortung für Haus- und Wohnungsbesitzer

Als Hausbesitzer haben Sie nach der Novelle des Schornsteinfegergesetzes 2013 und der Modifizierung 2017 deutlich mehr Verantwortung. Nach wie vor legt der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger Fristen aus dem Feuerstättenbescheid fest. Sie sind jedoch selbst für die Organisation der notwendigen Arbeiten verantwortlich.

Darin liegt natürlich auch ein Vorteil, denn theoretisch können Sie sich Angebote von verschiedenen Schornsteinfegern zukommen lassen. Sie können sich dann für das günstigste Angebot entscheiden und sparen dabei. Alle in Deutschland zugelassenen Schornsteinfeger finden Sie auf der Website des BAFA.

Es ist empfehlenswert, sich nicht an Abonnements oder einen festen Vertrag zu binden. Vielmehr sollten Sie selbst aktiv werden und sich um einen preiswerten sowie zuverlässigen Schornsteinfeger kümmern. Kommt ein Schornsteinfeger unaufgefordert zu Ihnen, um seine Arbeiten anzubieten, sind Sie nicht verpflichtet, diese zu nutzen.

Möchten Sie weg von Heizungen, die auf der Verbrennung von Rohstoffen basieren, lassen Sie sich am besten direkt von einem Heizungsbauer beraten. Der sieht sich Ihre Situation genau an, berät ob sich zum Beispiel eine Wärmepumpe oder Solarthermie bei Ihnen anbietet und kann die nötigen Arbeiten im Anschluss gleich selbst erledigen.

Ein Heizungsbauer ist auch der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Effizienz Ihrer Heizungsanlage zu optimieren oder die Vorschriften des Schornsteinfegers in die Tat umzusetzen.

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1 Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz: Verordnung über die Kehrung und Überprüfung von Anlagen (Kehr- und Überprüfungsordnung – KÜO)

2 Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude

Phil R.

Über den Autor

Phil R. hat mehrere Jahre in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens für Heiz- und Kamintechnik gearbeitet. Dort hat er tiefe Einblicke in die Technik und Branche bekommen und gelernt, komplexe Heizungsthemen für Laien verständlich aufzubereiten.

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