Kundenhotline
08751 / 74 – 1183

Energieausweis nötig bei Denkmalschutz?

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) legt fest, dass alle Häuser in Deutschland, die zur Vermietung oder zum Verkauf stehen, einen Energieausweis haben müssen. Bei denkmalgeschützten Häusern ist das jedoch etwas anderes. Lesen Sie hier, wie es um das Thema Energieausweis bei Denkmalschutz steht – und was Sie für die Energieeffizienz tun können.

Inhaltsverzeichnis

  1. Informationen zum Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser
  2. Energieausweis bei Denkmalschutz nicht nötig
  3. Energieeffizienz von Wohngebäuden trotz Denkmalschutz verbessern
  4. Bauliche Maßnahmen mit neuer Heiztechnik verbinden
Energieausweis Denkmalschutz: Altes Fachwerkhaus mit kleinem Fenster

Informationen zum Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser

Durch den Energieausweis erhalten die potenziellen Käufer oder Mieter von Immobilien Hinweise über den energetischen Zustand eines Gebäudes. So wissen die Interessenten, welche Heizkosten auf sie zukommen und wie gut ihre gewünschte Immobilie in der Klimabilanz abschneidet.

Der Energieausweis enthält genauer gesagt den Endenergiebedarf, den das Gebäude im Jahr pro Quadratmeter Wohnfläche für Heizung und Warmwasser benötigt. Seit einer Ergänzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2014 legt der Energieausweis auch die Energieeffizienzklasse des Gebäudes fest.

  • Gebäude, die zum Beispiel jährlich mehr als 250 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche für Beheizung und Warmwasser verbrauchen, erhalten die schlechteste Energieeffizienzklasse „H“.
  • Topmoderne Wohngebäude mit weniger als 30 kWh Jahresverbrauch pro Quadratmeter sind mit der Bestbewertung „A+“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen zu den Angaben im Energieausweis und deren Einordnung finden Sie in unserem Beitrag „Energieausweis Werte". 

Energieausweis bei Denkmalschutz nicht nötig

Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, greift die Energieausweis-Pflicht allerdings nicht. Dann muss der Eigentümer beim Verkauf oder bei der Neuvermietung keinen Energieausweis vorzeigen. Auch für Häuser in einem denkmalgeschützten Ensemble gibt es keine Ausweispflicht. Das bedeutet: Wer sich für ein Baudenkmal interessiert, muss auf die Informationen über Heizkosten und Klimabilanz leider verzichten.

Die EnEV ist nicht nur die rechtliche Grundlage für den Energieausweis, sie soll auch Anreize schaffen, um den gesamten Gebäudebestand in Deutschland energetisch zu verbessern. Denn Heizung und Warmwasser tragen in Deutschland zu einem sehr großen Anteil zum Kohlendioxidausstoß bei. Dieser Anteil muss sinken, wenn Deutschland seine international vereinbarten Klimaziele einhalten will. Darum ist die Energieeffizienz von Gebäuden so wichtig. Und deshalb regelt die EnEV auch, welche Eigentümer von älteren Häusern zum Beispiel Dach- und Kellerdämmungen nachrüsten müssen.

CO2-Ausstoß verschiedener Heizungsarten
Auch wenn die EnEV und Energieausweis-Pflicht bei Denkmalschutz nicht greifen: Mit einem modernen Brennwertgerät oder gar einer umweltfreundlichen Heizung senken Sie den Kohlendioxidausstoß maßgeblich.

Bei Baudenkmälern sind diese Nachrüstmöglichkeiten aber sehr eingeschränkt. Schließlich soll das äußere Erscheinungsbild der Gebäude und Ensembles erhalten bleiben. Eine Dämmung, hinter der die alte Fassade verschwindet, ist hier ausgeschlossen. Baudenkmäler unterliegen daher nicht den Vorschriften der EnEV und darum sieht der Gesetzgeber bei Denkmalschutz keinen Energieausweis vor.

Energieeffizienz von Wohngebäuden trotz Denkmalschutz verbessern

Obwohl bei Denkmalschutz der Energieausweis entfällt, können Eigentümer durch Sanierungen eine Menge tun, um den energetischen Zustand des Baudenkmals zu verbessern. Eine Dachdämmung ist in aller Regel problemlos möglich. Denn weder eine Zwischensparrendämmung noch eine Dämmung der obersten Geschossdecke ist von außen zu sehen. Diese Art der Dämmung kann daher die Energieverluste auch bei Denkmalschutz erheblich reduzieren. Genauso können Sie die Kellerdecke dämmen, wenn der Keller nicht beheizt ist. Auch das spart kräftig Energiekosten ein und reduziert die Treibhausgasemissionen.

Außendämmung kommt nicht infrage

Eine Dämmung außen an der Fassade steht bei Baudenkmälern nicht zur Debatte. Aber die alten dicken Mauern verlieren sowieso weniger Wärme als beispielweise Betonfassaden aus den 1970er-Jahren.

Alternativ kann der Eigentümer zu einer Innendämmung greifen. Diese Innendämmungen sind aber aufwendig und bergen Gefahren. Sind sie nicht fachgerecht ausgeführt, droht Schimmelbefall. Umgekehrt kann es bei von Schimmel befallenen Baudenkmälern durchaus sinnvoll sein, diesen mit einer fachgerechten Innendämmung zu vermeiden. Grundsätzlich sollten Sie die Kosten und den Nutzen sorgsam abwägen und die Risiken im Blick behalten.

Aus Denkmalschutz-Sicht wird es bei den Fenstern schwierig. Nicht alle Denkmalschutzämter erlauben es, die alte Einfachverglasung durch Isolierglas zu ersetzen. Hier können Gläser mit speziellen Wärmedämmbeschichtungen bei der energetischen Sanierung helfen.

Regionale Anforderungen beim Denkmalschutz beachten

  • Generell gilt: Denkmalschutz ist Ländersache.

  • Daher kann es von Ort zu Ort in Deutschland unterschiedliche Anforderungen geben.

  • Wer also energetische Sanierungen an seinem Baudenkmal plant, sollte in jedem Fall alle Maßnahmen mit der Denkmalschutzbehörde absprechen.

Heizungsmodernisierung bei Denkmalschutz unproblematisch

Wesentlich einfacher und meist kostengünstiger ist es, die Heiztechnik zu modernisieren, anstatt bauliche Veränderungen beziehungsweise Sanierungen vorzunehmen. Mit dem Austausch eines alten ineffizienten Heizkessels gegen ein modernes Brennwertgerät oder eine Hybridanlage lässt sich eine Menge Heizenergie einsparen. Auch der Einbau einer Wärmepumpe oder Solarthermieanlage ist aus Denkmalschutz-Sicht eine Option.

In vielen Fällen kann eine Hybridheizung aus Brennwertgerät und Wärmepumpe oder Solarthermie eine gute Alternative sein. Dann heizt die umweltfreundliche Wärmepumpe an wärmeren Tagen immer effizient. Nur an sehr kalten Tagen springt das Brennwertgerät ein und unterstützt die Wärmepumpe bei der Wärmebereitstellung. Ob eine Wärmepumpe in einem Baudenkmal sinnvoll ist oder nicht, sollte immer ein Fachmann beurteilen.

Heizungsbauer finden

Lassen Sie Ihre Heizungsanlage prüfen und gegebenenfalls modernisieren. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und finden Sie Profis in Ihrer Nähe!

Solarwärme oder Solarstrom sind oft möglich

Auch eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kann die Energieeffizienz eines Baudenkmals verbessern, ohne am Denkmalschutz scheitern zu müssen. Problematisch wird es allerdings mit einer Solaranlage. Auf der sichtbaren Seite eines denkmalgeschützten Hauses erlauben nicht alle Denkmalschutzbehörden Photovoltaik- oder Solarthermie-Panele. Auf der von der Straße abgewandten Seite erhält der Eigentümer aber in der Regel die Genehmigung. Auch hier gilt: Je eher Sie bei der Planung einer Solaranlage die Denkmalschutzbehörde kontaktieren, desto besser.

Bauliche Maßnahmen mit neuer Heiztechnik verbinden

Auch wenn der Gesetzgeber bei Denkmalschutz keinen Energieausweis fordert und die EnEV nicht greift, können Eigentümer von solchen Wohngebäuden eine Menge für die Energieeffizienz tun. Das ist gut für den Klimaschutz und spart auf lange Sicht reichlich Heizkosten ein. Dabei sollten Sie in erster Linie daran denken, die Heizung zu modernisieren. Zu einem optimalen Ergebnis führt aber eine ganzheitliche Betrachtung, die bauliche Verbesserungen mit einer abgestimmten neuen Heiztechnik verbindet.

Jens-Peter Meyer,
Dr. rer. nat.

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

Verwandte Artikel

Sparsam und nachhaltig heizen im Altbau

Heiztipps, Dämmung erneuern oder Heizung austauschen: Optimal heizen im Altbau.
Weiterlesen

Energieexperte im Interview: Tipps zu Heizung, PV & Co.

Ein Energieexperte erzählt über zukunftsträchtige Heiztechnologien und vieles mehr.
Weiterlesen

Energieberatung: Kosten und Möglichkeiten

Eine professionelle Energieberatung lohnt sich in den meisten Fällen. Lesen Sie mehr!
Weiterlesen
Bewerten Sie den Artikel
Datenschutz-Hinweis Bitte beachten Sie unsere Informationen und Hinweise zum Datenschutz.