In unserem Ratgeber gehen wir ausführlich darauf ein, welche Aspekte beim Heizen im Neubau wichtig und welche rechtlichen Vorgaben für den Bauherrn von Bedeutung sind. Darüber hinaus stellen wir verschiedene Heizsysteme vor und beleuchten die jeweiligen Vor- und Nachteile.
Heizen im Neubau: Praktische Tipps für Ihre Planung


Frage an einen Experten: Welche Heizung empfiehlst du für den Neubau?
Maximilian Schmidt: Die Antwort ist kurz: Ganz klar die Wärmepumpe. Sie ist heute der technologische Standard.
Maximilian Schmidt arbeitet im Market Launch Management bei WOLF (Klima- und Heiztechnik).
Etwa 40% des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf den Gebäudesektor. Kein Wunder, dass der Energiebedarf von Gebäuden im Zuge der Energiewende in Deutschland besonders im Fokus der politischen Bemühungen steht. Allein die Heizung und die Warmwasserbereitung nehmen in Privathaushalten einen Anteil von rund 82% am Energieverbrauch ein, sodass sich in diesem Bereich entsprechend hohe Energiesparpotenziale ergeben.
Ziel der Bundesregierung ist es, den Gebäudebestand bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu gestalten. Um dieses ambitionierte Vorhaben umzusetzen, müsste der Bedarf an Primärenergie um 80% reduziert werden – eine Aufgabe, die nur durch strikte gesetzliche Regelungen zu erreichen ist.

Heizen im Neubau: Diese Aspekte sind wichtig
Durch die zahlreichen gesetzlichen Vorschriften ist das Heizen im Neubau für den Bauherrn nicht nur teurer, sondern auch komplizierter geworden. Wurde früher klassischerweise eine konventionelle Öl- oder Gasheizung im Keller des Gebäudes installiert, so gibt es heute viele alternative Heiztechniken.
Das Spektrum an Technologien reicht von Wärmepumpen über Gas-Brennwertkessel, das BHKW, Fernwärme sowie die Solarthermie bis zur Pellet- und Biomasse-Heizung.
Vorschriften zu Primär- und Endenergiebedarf, der Einbindung regenerativer Energien, Lüftungsanlagen, Heizungspumpen, Luftdichtheit und Wärmebrücken bedeuten für Bauherren einen erheblichen Mehraufwand bei der Planung. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei häufig das Heizsystem. Das Heizen im Neubau hat somit erheblichen Einfluss auf die Energiebilanz des Gebäudes und bedarf besonderer Aufmerksamkeit.
Da die Wahl des Heizsystems im Neubau weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Planung des Hauses hat, ist eine möglichst frühe Entscheidung empfehlenswert. So erfordert eine Gasheizung beispielsweise eine Anbindung an das öffentliche Gasnetz oder einen Flüssiggastank, während eine Wärmepumpe gegebenenfalls mit Erdbohrungen verbunden ist und für eine Pelletheizung ausreichend Platz zur Brennstofflagerung vorgesehen werden muss.
Nicht zuletzt sind finanzielle Gesichtspunkte ausschlaggebend. Die Anschaffungskosten moderne Heizsysteme liegen in der Regel über dem Niveau konventioneller Öl- und Gasheizungen. Informieren Sie sich aber über staatliche Förderprogramme, um gegebenenfalls Investitionskosten zu sparen. Hohe Dämmstandards im gesamten Gebäude machen das Bauen zusätzlich teurer. Ein geringer Energieverbrauch verspricht im Betrieb jedoch langfristig gesehen Kostensenkungen.
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Rechtliche Vorgaben zum Heizen im Neubau: GModG (Nachfolger des GEG)
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) zielt darauf ab, die mit der Verbrennung fossiler Energieträger verbundenen CO2-Emissionen zu reduzieren und den Gebäudebestand auf dem Weg zur angestrebten CO2-Neutralität 2045 zu unterstützen. Eine bestimmte Heiztechnologie schreibt das Gesetz dabei nicht vor: Als Bauherr können Sie frei entscheiden, ob Sie auf eine Wärmepumpe, feste oder flüssige Biomasse, Solarthermie, Fernwärme oder eine Kombination verschiedener Systeme setzen.
Für neu eingebaute Gas- oder Ölheizungen gilt allerdings ab 2029 die sogenannte Biotreppe, nach der der Anteil an Bio-Brennstoffen im Heizbetrieb schrittweise steigt: beginnend bei 10% und ansteigend bis 60% im Jahr 2040. Ein Grund, warum sich viele Bauherren im Neubau freiwillig für eine Wärmepumpe oder eine Hybridlösung aus Wärmepumpe und Gasgerät entscheiden, etwa aus Effizienz- und Kostengründen.
In Bezug auf den Primärenergiebedarf und die Wärmedämmung macht das GModG ebenfalls Vorgaben. Wie beim bisherigen GEG wird dafür ein Referenzgebäude herangezogen: Ihr Neubau darf dessen Primärenergiebedarf und Wärmeverlust durch die Gebäudehülle um einen bestimmten Faktor nicht überschreiten. Die genauen Berechnungsgrundlagen wurden mit dem GModG allerdings neu gefasst, unter anderem durch einen geänderten Primärenergiefaktor für Strom und eine neue Berechnungsnorm. Die konkreten Zielwerte für Ihr Bauvorhaben ermittelt Ihnen ein Energieeffizienz-Experte im Rahmen der Planung.
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Diese Vorgaben wirken sich beim Heizen im Neubau vor allem auf die Auslegung der Haustechnik aus. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Wahl der Heizung und einer Wohnraumlüftung. Um die Anforderungen des GModG zu erfüllen, kommen für Sie als Bauherr verschiedene Möglichkeiten infrage:
Reduzierung des Endenergiebedarfs mithilfe eines hohen Dämmstandards
Reduzierung des Endenergiebedarfs durch eine höhere Anlageneffizienz (zum Beispiel Heizungs- und Raumlufttechnik)
Reduzierung des Primärenergiebedarfs durch einen hohen Anteil an regenerativen Energien (zum Beispiel durch Solarthermie oder Wärmepumpe)
Meist ist es eine Kombination aus den genannten Möglichkeiten, die ein GModG-konformes Haus ermöglichen.
Diese Heizsysteme kommen beim Beheizen eines Neubaus infrage
Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Techniken zum Heizen im Neubau vor. Ein Blick auf die Statistik zur Beheizstruktur im Wohnungsneubau in Deutschland verrät bereits, dass sich in den vergangenen Jahren einiges verändert hat. So erfreut sich vor allem die Wärmepumpe zunehmender Beliebtheit und konnte ihren Anteil an der Beheizstruktur im Neubau auf über 75% steigern.
Wärmepumpe
Die Wärmepumpe liegt beim Heizen im Neubau voll im Trend und wird in rund jedem zweiten Neubau installiert. Kein Wunder, hat die Wärmepumpe als zukunftsfähige Heiztechnologie doch gleich mehrere Vorteile: Die Wärmepumpe bezieht ihre Energie aus der Luft, der Erde oder dem Grundwasser und zeichnet sich durch entsprechend geringe Heizkosten aus.
Die Wärmepumpe nutzt also keine fossilen Brennstoffe, sondern benötigt lediglich einen kleinen Teil Strom zum Antrieb des Kompressors. Stammt dieser Strom nicht aus dem öffentlichen Netz, sondern aus der heimischen Photovoltaikanlage, machen Sie sich unabhängiger von schwankenden Strompreisen.

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Wärmepumpen eignen sich hervorragend für das Heizen im Neubau, da sie auf einem geringen Temperaturniveau besonders effizient arbeiten. Dieses Temperaturniveau kann in modernen Flächenheizungen genutzt werden, zumal der Heizbedarf in gut gedämmten Neubauten ohnehin gering ausfällt.
Die Investitionskosten für eine Wärmepumpe hängen unter anderem von der Ausführung der Pumpe ab und können wie folgt kalkuliert werden:
Luft/Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation: ab 20.000 Euro
Erd/ oder Wasser/Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation: ab 50.000 Euro
Bei der Anschaffung einer Wärmepumpe können Sie durch die staatlichen Fördermittel für die Heizung Investitionskosten sparen.
Die Vor- und Nachteile der Wärmepumpe im Überblick:
Pro
umweltschonendes Heizprinzip ohne Verbrennung fossiler Brennstoffe
nutzt kostenlos verfügbare Umweltenergie
Kombination mit Photovoltaik reduziert die Stromkosten zusätzlich und macht Sie unabhängiger vom öffentlichen Netz
Wärmepumpe steigert den Wert des Hauses
Contra
Die Investitionskosten in eine Wärmepumpe sind im Vergleich zu manch anderen Heiztechniken hoch.
Genehmigungen können notwendig werden, wenn die Umweltenergie aus der Erde oder dem Grundwasser bezogen werden soll.
Die Betriebskosten sind von den Strompreisen abhängig, wenn Sie keine eigene PV-Anlage oder eine ohne Speicher haben.
Gasheizung mit Brennwerttechnik
Heizöl ist im Neubau kaum noch relevant. Gas hingegen spielt noch eine verhältnismäßig große Rolle. Moderne Heizgeräte mit Brennwerttechnik arbeiten deutlich effizienter als alte Heizkessel und erreichen einen hohen Wirkungsgrad. In Kombination mit moderner Anlagentechnik (zum Beispiel einer drehzahlgeregelten Pumpe) und idealerweise ergänzt durch regenerative Energien arbeiten heutige Gasheizungen durchaus effizient und kostengünstig.
Zu den weiteren Vorteilen gehören die hohe Zuverlässigkeit, der technische Reifegrad und die vergleichsweise einfache Wartung.
Mit einer Gasheizung sind Sie allerdings nach wie vor von fossilen Brennstoffen, deren CO₂ Belastung und den Preisschwankungen des Marktes abhängig. Da umweltschonende Wärmeerzeuger immer mehr an Relevanz gewinnen und die Gaspreise steigen, ist der Einbau einer Gasheizung außerdem wenig zukunftsfähig. Abhilfe kann eine Kombination beispielsweise mit einer Wärmepumpe oder Solarthermieanlage schaffen.
Mit diesen Anschaffungskosten für das Heizen im Neubau können Sie bei einer Gasheizung in etwa rechnen:
7.000 bis 11.500 Euro für die neue Gasheizung inklusive Montage und Warmwasserspeicher.
Darüber hinaus schlägt im Neubau auch der Gasanschluss zu Buche. Die Kosten sind abhängig vom Versorger, können jedoch auch mehrere Tausend Euro betragen.
Die Vor- und Nachteile der Gasheizung im Überblick:
Pro
zuverlässiges Heizsystem mit hoher technischer Reife
hohe Effizienz durch Brennwerttechnik
geringe Investitionskosten im Vergleich zu anderen Systemen
Kombination mit erneuerbaren Energien möglich
Contra
nutzt fossile Energieträger, bei deren Verbrennung CO2 freigesetzt wird
erfordert einen Gasanschluss oder Flüssiggastank
Fluktuation von Brennstoffpreisen am Markt
gegebenenfalls Platz für Brennstofflagerung nötig
Pelletheizung
Wer beim Heizen im Neubau auf einen nachwachsenden Rohstoff setzen möchte, dem könnte eine Pelletheizung zusagen. Die Technologie basiert auf der Verbrennung einer natürlichen Ressource und gilt als weitgehend CO2-neutral, sofern das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und regional bezogen wird. Anbau, Ernte und Transport der Pellets verursachen allerdings ebenfalls Emissionen.
Pelletheizungen erzeugen eine besonders wohlige und gemütliche Wärme und können mithilfe eines Fördersystems vollautomatisiert betrieben werden.
Die Kosten für eine Pelletheizung liegen inklusive Montage und Warmwasserspeicher bei etwa 30.000 bis 40.000 Euro.
Die Vor- und Nachteile der Pelletheizung im Überblick:
Pro
arbeitet durch die Verbrennung nachwachsender Rohstoffe weitgehend CO2-neutral
hoher Automatisierungsgrad
hoher Wirkungsgrad bei Nutzung der Brennwerttechnik
Contra
technisch komplexe und teure Anlage
Platzbedarf für die Lagerung der Pellets
Asche muss regelmäßig entsorgt werden
BHKW und Mikro-BHKW
Das Blockheizkraftwerk (BHKW) nutzt die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), um gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen. BHKW bestehen im Wesentlichen aus einem Motor, einem Generator und einem Wärmerückgewinner. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe im Motor wird nicht nur Bewegungsenergie und damit Elektrizität erzeugt, sondern auch Abwärme. Diese Wärme kann im BHKW nutzbar gemacht und dem Heizsystem des Gebäudes zugeführt werden.
Die Kosten für ein BHKW liegen üblicherweise bei 20.000 bis 40.000 Euro. Die Kraft-Wärme-Kopplung im Einfamilienhaus ist nur bedingt sinnvoll, denn sie rentiert sich vor allem in Gebäuden mit einem hohen und konstanten Wärmebedarf.
Die Vor- und Nachteile des BHKW im Überblick:
Pro
gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme
mehr Unabhängigkeit von der Strompreisentwicklung
hoher Nutzungsgrad
Contra
komplexe und vergleichsweise teure Anlagentechnik
wirtschaftlicher Betrieb nur bei hohem Wärmebedarf
vergleichsweise hohe Wartungskosten
fossile Brennstoffe nötig
Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung als ideale Ergänzung
Durch die immer strengeren Vorgaben zur Gebäudedämmung ist der natürliche Luftaustausch im Neubau quasi nicht existent. Aus diesem Grund hat die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage (WRG) im Laufe der letzten Jahre verstärkt an Bedeutung gewonnen.
Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für einen stetigen Luftaustausch und steigert die Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden. Darüber hinaus reguliert die Technik auch die Raumluftfeuchte und beugt damit der Bildung von gesundheitsgefährdendem Schimmel vor. Gleichzeitig werden Staub und Pollen durch die Filter bereits aus der Außenluft entfernt, sodass das Raumklima spürbar besser als bei einer manuellen Lüftung ist.
Aus energetischer Sicht überzeugt die Wohnraumlüftung mit WRG vor allem dadurch, dass Sie im Winter die Energie der Abluft zur Erwärmung der Frischluft nutzen können. Durch dieses einfache Prinzip gelingt es, den Wärmeverlust auf ein Minimum zu reduzieren und damit auch Heizkosten zu sparen.

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Heizen im Neubau: Die Vorteile einer individuellen Beratung
Das Thema Heizen im Neubau ist durch sich ständig ändernde gesetzliche Vorschriften und neue technische Möglichkeiten im Laufe der letzten Jahre immer komplexer geworden. Bauherren können heute aus einer Vielzahl an verschiedenen Heiztechnologien wählen, die jeweils ihre individuellen Vor- und Nachteile haben und unterschiedlich gut zu einem bestimmten Gebäude passen.
Die Verwendung von erneuerbaren Energien wie einer Wärmepumpe ist sinnvoll, da Sie hierbei nicht nur von staatlichen Fördergeldern profitieren, sondern auch den Wert Ihrer Immobilie steigern können. Im Hinblick auf die Preisentwicklung fossiler Brennstoffe und den Klimawandel lohnt sich die Wärmepumpe doppelt.
Die Beauftragung eines Experten zur individuellen Beratung ist in den meisten Fällen empfehlenswert. Mit dessen Hilfe können Sie sich im Dschungel der Heiztechnologie zurechtfinden und das System auswählen, das zu Ihren individuellen Ansprüchen und Vorstellungen passt und gleichzeitig auch den gesetzlichen Vorschriften genügt.
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