Kundenhotline
08751 / 74 – 1183

Marktanreizprogramm: Bares Geld für die neue Heizung

Mit seinem Marktanreizprogramm fördert der Bund seit mehr als 20 Jahren erneuerbare Energien im Wärmemarkt. Seit Beginn 2020 sind die Förderbedingungen so gut wie noch nie zuvor. Wer jetzt zugreift, kann sogar noch Geld für eine neue Gasheizung erhalten. Sollten Sie sich bisher noch nicht tiefer mit dem Marktanreizprogramm beschäftigt haben, verschaffen Sie sich mit diesem Artikel einen Überblick.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist das Marktanreizprogramm?
  2. Solarthermie im Marktanreizprogramm
  3. Wärmepumpen im Marktanreizprogramm
  4. Erneuerbare Energien Hybridheizung im Marktanreizprogramm
  5. Gas-Hybridheizungen im Marktanreizprogramm
  6. Biomasseanlagen im Marktanreizprogramm
  7. Fördermittel direkt beim BAFA beantragen

Was ist das Marktanreizprogramm?

Das Marktanreizprogramm ist eines der ältesten Instrumente der Bundesregierung, um die erneuerbaren Energien in Deutschland voranzubringen. Es trat im September 1999 in Kraft, also schon vor mehr als 20 Jahren, und animiert Hausbesitzer und Bauherren, ihre Heizung umweltfreundlich zu gestalten.

Das Marktanreizprogramm ist damit älter als das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das seit April 2000 Solarstrom und Windstrom fördert. Denn der damaligen Bundesregierung war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass ganze 49% des gesamten Energiebedarfs in Deutschland auf die Wärmeversorgung entfällt. Deshalb kann die Energiewende nur gelingen, wenn der Wärmemarkt genauso auf erneuerbare Energien setzt wie die Stromversorgung.

Marktanreizprogramm: Endenergieverbrauch Deutschland Grafik

Seit Beginn des Marktanreizprogrammes hat der Bund über 3 Milliarden Euro ausgeschüttet und damit mehr als 20 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst. Insgesamt haben 1,8 Millionen Bürger von der Förderung profitiert.1

BAFA vergibt die Fördermittel

In ihrem Klimapaket 2030 hat die Bundesregierung das Marktanreizprogramm nochmals verändert. Seit Anfang 2020 gelten neue Förderbedingungen und vor allem hat die Politik die Fördersätze nochmals kräftig angehoben. Gab es zuvor Festbeträge für neue Heizungen, erhalten Sie nun je nach Art der neuen Heizung prozentual einen Anteil an der Gesamtinvestition zurück.

Das Marktanreizprogramm fördert erneuerbare Energien in der Heiztechnik. Dabei handelt es sich um Solarwärmeanlagen, Wärmepumpen und Biomasseanlagen. Neu hinzugekommen sind seit Beginn 2020 Gas-Hybridheizungen. Neu ist auch, dass das Marktanreizprogramm jetzt verstärkt Gelder für den Neubau bereitstellt. In der Vergangenheit war es eher als Förderprogramm für den Gebäudebestand gedacht. Als Förderstelle vergibt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Mittel des Marktanreizprogrammes.

Neue Heizung, aber welche?

Eine neue Heizung kaufen, aber welche?

Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Heizarten. Weiterlesen

Außerhalb des Marktanreizprogrammes gibt es zusätzlich eine interessante KfW-Förderung für jene, die ihr Haus umfassend energieeffizient sanieren oder einen besonders energieeffizienten Neubau errichten wollen.

Förderfähige Kosten weit gefasst

Die förderfähigen Kosten schließen nicht nur die Kosten für den Wärmeerzeuger selbst ein. Hinzu zählen auch die Kosten für die Demontage der alten Heizung und die Montage der neuen. Zudem können Sie die Summe ansetzen, die Sie für den Wärmespeicher und gegebenenfalls einen neuen Schornstein bezahlen. Bei Wärmepumpen gilt auch die Erschließung der Wärmequelle mit einem Erdkollektor oder einer Erdsonde als förderfähig.

Im Altbau kann sich noch ein weiterer wesentlicher Posten addieren: Denn hier ist ebenso der Einbau von neuen Heizkörpern oder einer Fußbodenheizung förderfähig. Maximal dürfen Sie als Investition, für die es die anteilige Erstattung gibt, 50.000 Euro anrechnen. Das sind die sogenannten förderfähigen Kosten.

Diese Bedingungen müssen Sie beachten

  • Fördermittel aus dem Marktanreizprogramm dürfen nicht nur Privatpersonen, sondern auch Wohnungseigentümergemeinschaften, Freiberufler, Unternehmen und Kommunen beantragen.

  • Die Förderung im Gebäudebestand können Sie nur in Anspruch nehmen, wenn die bestehende Heizung älter als zwei Jahre ist.

  • Ansonsten gelten die Bedingungen für den Neubau.

Solarthermie im Marktanreizprogramm

Zu Beginn vor mehr als 20 Jahren war das Marktanreizprogramm vor allem ein Förderprogramm für Solarthermieanlagen. Bisher gab es für zirka 1,2 Millionen Solarwärmeanlagen eine Förderung. Damit ist Solarthermie die meistgeförderte Anlage.2 Solarthermie nutzt die Kraft der Sonne. Der Solarkollektor fängt die Sonnenstrahlung ein und wandelt sie in nutzbare Wärme für die Warmwasserversorgung und das Heizen um.

Solarthermie ist die umweltfreundlichste aller Heiztechnologien. Sie benötigt nur einen sehr geringen Pumpenstrom, um die Wärme vom Solarkollektor in den Wärmespeicher zu befördern. Die Arbeitszahl dieses Prozesses beträgt bei guten Anlagen 100. Das heißt, dass die Solarwärmeanlage aus einem Teil Strom 100 Teile Wärme erzeugt.

Außerdem scheint die Sonne nach menschlichen Maßstäben unendlich und stellt auch keine Rechnung für ihre Leistung aus. Der aktuelle Fördersatz für Solarthermieanlagen beträgt laut BAFA-Förderung 30% der Investitionssumme.

Solar-Förderung im Gebäudebestand

Im Gebäudebestand fördert die Bundesregierung Solarwärmeanlagen für die Warmwasserversorgung und Anlagen, die sowohl Warmwasser als auch Heizwärme bereitstellen.

  • Bei Solarkollektoranlagen, die nur Warmwasser bereiten, muss die Kollektorfläche mindestens 3 Quadratmeter betragen.

  • Der Wärmespeicher muss mindestens 200 Liter fassen.

  • Eine solche Solarwärmeanlage kostet je nach Anlagengröße mit Installation zwischen 6.000 und 10.000 Euro. Sie erhalten bei dieser Investition also einen Zuschuss von 1.800 bis 3.000 Euro vom Staat dazu.

  • Anlagen zur Warmwasserbereitung und Raumheizung müssen mindestens 9 Quadratmeter Kollektorfläche bei Flachkollektoren und 7 Quadratmeter bei Vakuumröhrenkollektoren aufweisen.

  • Eine solche Solarwärmeanlage kostet je nach Anlagengröße mit Installation zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Der Investitionszuschuss beträgt demnach 3.000 bis 6.000 Euro.

  • Je nach Größe spart eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Raumheizung 20 bis 40% der Heizkosten ein.

Solarförderung im Neubau

Im Neubau muss eine förderfähige Solarwärmeanlage mindestens 20 Quadratmeter Kollektorfläche aufweisen. Mit einer solchen Anlage lassen sich bei gut gedämmten Häusern mehr als 70% der über das Jahr benötigten Wärmemenge solar gewinnen. Das sorgt für langfristig niedrige Heizkosten.

Das gleiche gilt für ein Solaraktivhaus, das ebenfalls förderfähig ist. Dieser Haustyp zeichnet sich dadurch aus, dass der solare Deckungsgrad mindestens 50% beträgt, was der Antragsteller anhand einer Simulationsberechnung belegen muss.

Wärmepumpen im Marktanreizprogramm

Wärmepumpen heizen mit Umweltwärme. Denn sie sind in der Lage, mithilfe von Strom die Wärme von außen ins Innere des Hauses zu pumpen. Luft/Wasser-Wärmepumpen zapfen dafür die Außenluft an. Sole/Wasser-Wärmepumpen nutzen die Wärme des Erdreiches und Wasser/Wasser-Wärmepumpen entziehen dem Grundwasser die Energie. In den vergangenen 20 Jahren hat das Marktanreizprogramm mehr als 140.000 Bauherren und Sanierer bei der Installation einer Wärmepumpe unterstützt.3

In der neuen Förderung erhalten Wärmepumpen einen Investitionszuschuss von 35%. Waren Sie als Antragsteller zuvor Besitzer einer Ölheizung, steigt der Fördersatz sogar auf 45%.

Wärmepumpe Arten

Wärmepumpe: Verschiedene Arten und ihre Eigenschaften

Alle Informationen rund um die verschiedenen Arten von Wärmepumpen finden Sie hier! Weiterlesen

Wärmepumpen-Förderung im Gebäudebestand

Im Gebäudebestand müssen Luft/Wasser-Wärmepumpen eine Mindest-Jahresarbeitszahl von 3,5 erreichen, um förderfähig zu sein. Das heißt, dass sie mindestens 3,5 Teile Wärme aus einem Teil Strom erzeugen.

Bei Sole/Wasser-Wärmepumpen und Wasser/Wasser-Wärmepumpen sind es 3,8. Bei durchschnittlichen Kosten für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe von 15.000 Euro macht der Zuschuss aus dem Marktanreizprogramm immerhin 5.250 Euro aus. Mit Ölkesseltausch-Bonus sind es sogar 6.750 Euro.

Eine energieeffizientere Sole/Wasser-Wärmepumpe kostet mit Installation und Erschließung der Wärmequelle mindestens 20.000 Euro. In diesem Fall würden Sie für die Installation in Ihrem Haus einen Zuschuss von 7.000 Euro ohne und 9.000 Euro mit Tausch der Ölheizung erhalten.

Wärmepumpen-Förderung im Neubau

Im Neubau sind Luft/Wasser-, Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen förderfähig, wenn sie eine Mindest-Jahresarbeitszahl von 4,5 erreichen. Außerdem muss die Wärmeverteilung im Haus durch eine Flächenheizung erfolgen, zum Beispiel durch eine Fußbodenheizung. Außerdem muss die Wärmepumpenanlage in der Lage sein, den Strombedarf und damit die Netzlast bei kalter Witterung zu reduzieren.

Erneuerbare Energien Hybridheizung im Marktanreizprogramm

Das Marktanreizprogramm fördert nun außerdem Erneuerbare Energien Hybridheizungen (EE-Hybride). Wenn Sie zum Beispiel eine Wärmepumpe mit einer Solarwärmeanlage kombinieren, gilt der Fördersatz von 35% für die gesamte Anlage. Auch hier sind es wieder 45% mit Ölkesseltausch-Bonus.

Das bedeutet, dass Sie bei der kostenintensiven Kombination einer Sole/Wasser-Wärmepumpe mit einer Solarwärmeanlage zum Beispiel schnell den Höchstförderbetrag von 22.500 Euro ausnutzen können.

Gas-Hybridheizungen im Marktanreizprogramm

Erstmals können Sie aus dem Topf des Marktanreizprogrammes auch Fördermittel für eine Gasheizung bekommen. Dann nämlich, wenn Sie sich für eine Gas-Hybridheizung entscheiden. Als Gas-Hybridheizung definiert der Gesetzgeber Kombinationen aus Gas-Brennwertgerät und Solarthermieanlage oder Wärmepumpe.

Für die Gas-Hybridheizung beträgt der Fördersatz 30%. Auch hier erhalten Sie gegebenenfalls einen Ölkesseltausch-Bonus von 10 Prozentpunkten obendrauf. Sie erhalten die Förderung für eine Gas-Hybridheizung nur beim Heizungstausch im Gebäudebestand und nicht im Neubau.

Eine neue solar unterstützte Gasheizung mit hohem Solaranteil bekommen Sie mit Installation für etwa 26.000 Euro. 7.800 Euro erhalten Sie dafür vom Staat erstattet.

Hybridheizung

Hybridheizung: Technologie mit Vor- und Nachteilen

Die Vor- und Nachteile Heiztechnologien zu kombinieren, lesen Sie hier. Weiterlesen

Ein Sonderfall der Gas-Hybridanlage ist die „Renewable Ready“ Gasheizung. Bei dieser Variante installieren Sie jetzt schon eine Gasheizung und ergänzen die erneuerbaren Energien erst innerhalb der kommenden zwei Jahre. Für diese Variante beträgt der Fördersatz 20%.

Biomasseanlagen im Marktanreizprogramm

Biomasseanlagen erhalten aktuell genauso wie Wärmepumpen einen Fördersatz von 35% und mit Ölkesseltausch-Bonus 45%. Ebenso zählt die Kombination Biomassekessel mit Solarwärmeanlage als Erneuerbare Energien Hybridheizung. In diesem Fall gilt der Fördersatz auch hier für die Gesamtanlage. In den vergangenen 20 Jahren hat der Bund mehr als 450.000 Biomassekessel im Rahmen des Marktanreizprogrammes gefördert.4

Fördermittel direkt beim BAFA beantragen

Wenn Sie die staatlichen Zuschüsse in Anspruch nehmen möchten, reichen Sie den Förderantrag direkt beim Fördermittelgeber, dem BAFA, ein. Das geht nur über die Homepage der Behörde. Sie können aber auch Ihren Heizungsbauer bevollmächtigen, den Antrag für Sie zu stellen.

Heizungsbauer finden

Lassen Sie sich von einem Experten bei der Erstellung des Förderantrags unterstützen. Postleitzahl eingeben – Heizungsbauer direkt in Ihrer Nähe finden!

Wichtig ist dabei, dass Sie den Antrag stellen, bevor Sie mit der Heizungserneuerung beginnen. Das heißt, Sie dürfen vor Antragstellung keinen Vertrag mit Ihrem Heizungsbauer abschließen. Sie benötigen aber einen Kostenvoranschlag von ihm. Denn auf der Basis des Kostenvoranschlags berechnet sich die Fördersumme. Übersteigen die späteren Kosten den Voranschlag, steigt die Fördersumme nicht über den beantragten Rahmen an.

Nach der notwendigen Bearbeitungszeit erteilt Ihnen das BAFA einen Bewilligungsbescheid. Danach haben Sie noch zwölf Monate Zeit, bis die neue Heizung in Betrieb gegangen sein muss. Dann reichen Sie den Nachweis für die Inbetriebnahme ein. Anschließend fließen die Fördermittel auf Ihr Konto.

Fördermittel kombinieren und doppelt profitieren

Die neue Förderung aus dem Marktanreizprogramm ist so lukrativ wie nie zuvor in der 20-jährigen Geschichte des Programms. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Sie das Marktanreizprogramm mit der KfW-Förderung kombinieren können. Das bedeutet, dass Sie für die energieeffiziente Sanierung oder den besonders energieeffizienten Neubau einen zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss erhalten. Zusätzlich bekommen Sie die BAFA-Förderung für Ihre neue Heizung.

Alternativ können Sie auch die Kosten für Ihre neue Heizung von der Steuer absetzen. In diesem Fall erhalten Sie aber keine zusätzliche BAFA- oder KfW-Förderung.

Übrigens: Das Fördertool von „Dein Heizungsbauer“ hilft Ihnen bei der Auswahl Ihrer Heizung. Denn je höher die Förderung für ein Heizsystem ausfällt, desto mehr Geld sparen Sie und desto umweltfreundlicher heizen Sie.

 

1 Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: 20 Jahre Marktanreizprogramm – 20 Jahre Förderung von Wärme aus erneuerbaren Energien

2, 3, 4 Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: 20 Jahre Marktanreizprogramm – Wärme aus erneuerbaren Energien

Dr. Jens-Peter Meyer

Über den Autor

Dr. Jens-Peter Meyer schreibt freiberuflich seit dem Jahr 2000 über Heizungsthemen. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energien in der Wärmetechnik – speziell in Solarwärmesysteme, Wärmepumpen und Holzheizungen.

Verwandte Artikel

Neue Gasheizung: Staatliche Förderung nutzen

Gasheizungen werden unter bestimmten Voraussetzungen finanziell gefördert.
Weiterlesen

Wärmepumpe oder Gas: Was ist die bessere Wahl?

Gas und Wärmepumpe sind die beliebtesten Heizungsarten. Welche eignet sich für Sie?
Weiterlesen

Welche Fördermittel gibt es für die Heizung?

Effiziente Heizungen und erneuerbare Energien werden gefördert. Diese Optionen gibt’s
Weiterlesen
Bewerten Sie den Artikel
Datenschutz-Hinweis Bitte beachten Sie unsere Informationen und Hinweise zum Datenschutz.